Tamedia

Bei "20 Minuten" gleicht der digitale Werbezuwachs den Printwerbeverlust fast aus

© Tamedia, Präsentation zur Bilanz 2017-1.
Weil "20 Minuten" seinen Umsatzrückgang bei der Printwerbung beinahe mit Zuwächsen bei der digitalen Werbung auffangen kann, hofft Tamedia, dass auch bei den Bezahlmedien ein profitables Geschäftsmodell möglich bleibt. Umso mehr, als dort auch noch die Aboeinnahmen dazukommen.
Tamedias Umsatzrückgang in den ersten sechs Monaten 2017 betrug wie vermeldet minus 6 Prozent, womit er um 30 Millionen Franken tiefer lag als im 1. Halbjahr 2016. CEO Christoph Tonini führte diese Entwicklung auf zwei Dekonsolidierungen und vor allem auf den rückläufigen Printwerbemarkt zurück. So seien die Nettowerbeumsätze der Schweizer Presse im 1. Semester 2017 erneut um insgesamt 12 Prozent zurückgegangen. Prozentual am meisten verloren haben Sonntagszeitungen und Finanz- und Wirtschaftspresse, nominal sind es immer noch die grossen Tageszeitungen, die mit 16 Millionen Franken den happigsten Verlust verzeichnen. "Verglichen mit 2014, 2015 und 2106 ist es das schlimmste Jahr auf der Ebene der Printwerbeumsätze", sagte Tonini. Wobei die Einnahmenentwicklung bei Tamedias Printwerbeeinnahmen genau im Durchschnitt des Marktes lagen, also bei ebenfalls -12 Prozent.

Nebenbei: Die NZZ-Mediengruppe wies für die selbe Zeit "bloss" einen Rückgang von 3 Prozent aus. Das bedeutet, dass Tamedias Printmedien deutlich weniger stabil im Markt stehen. So haben die neu unter "Bezahlmedien" zusammengefassten Zeitungen einen organischen Umsatzrückgang um 7 Prozent verzeichnet, die Pendlermedien (inklusive die Beteiligungen in Luxemburg, Dänemark und Österreich) waren um 1 Prozent rückläufig. Anders der Bereich Marktplätze & Beteiligungen: Er wies ein Umsatzplus von 5 Prozent (organisch) aus.

Gut 50 Prozent Ergebnisbeitrag aud Diigital

Dass Tamedia andrerseits auf der Gewinnseite mit 55 Millionen Franken fast denselben normalisierten Wert ausweist wie vor einem Jahr (56 Millionen Franken), bezeichnete Tonini deshalb angesichts der Umstände im Printwerbemarkt als "gutes Ergebnis" - nicht zuletzt eben, weil man sich in einem "weiterhin stark rückläufigen Umfeld" habe behaupten können. Positiv stimmte ihn auch, dass der Bereich Digital mittlerweile 37 Prozent zum Gesamtumsatz beiträgt, und beim Ergebnisanteil sogar bereinigt 55 Prozent erreicht.

Mehr als 50 Prozent mehr Bewegtbildnutzung

Die vor einer Woche kommunizierte Umstrukturierung 2020 soll es Tamedia ermöglichen, das Wachstum im Digitalbereich weiter zu forcieren, sagte Tonini weiter. So verzeichne Tamedia im Bereich Digitalabos eine positive Entwicklung, wenn auch noch auf tiefem Niveau: Derzeit zähle der Konzern 29.000 bezahlte Digitalabos (+4000 Abos, +16 Prozent), darunter gut 1000 Tagespässe à 2 Franken pro Woche. Die 12-App entwickle sich ebenfalls gut, sagte der CEO.

Im Weiteren will Tamedia seinen Bewegtbildbereich ausbauen, weil auch auf den eigenen Sites die Video-Nutzung zunehme. "Dier Nutzungszuwachs im Bewegtbildbereich betrug bei uns deutlich über 50 Prozent", sagte Tonini. Auch auf Newsportalen seien Videobeiträge gesucht.

Tamedia habe deshalb eine App namens "Horus" lanciert, mit der alle Journalisten selbst Videobeiträge produzieren können. Nächstes Jahr wolle man zudem ein Pilotprojekt starten, bei dem über digitale Kanäle hyperlokale Informationen gesammelt und gebündelt werden können, um mehr Nähe vor Ort bei den Leserinnen und Lesern zu schaffen. Und nicht zuletzt will Tamedia weiter in den Recherche- und Datenjournalismus investieren.

Auch "20 minuten" verliert Printwerbung

Aber nicht nur bei den Bezahl-, auch bei "20 Minuten" verzeichnete Tamedia einen Einnahmenrückgang aus Printwerbung, und zwar "im hohen einstelligen Bereich", wie Tonini ausführte. Und auch hier setzt er auf digitale Einnahmen: So ist es dem Pendlerblatt gelungen, durch Zuwächse bei der digitalen Werbung die Printwerbeeinbussen auszugleichen. "Der Printverlust im ersten Halbjahr konnte durch das Digitalwachstum noch nicht überkompensiert, aber immerhin fast aufgefangen werden: Und das ist eine gute Leistung", lobte er. Genau dieses Ziel wolle man auch bei den Bezahlmedien erreichen. Aus diesem Grund sei er überzeugt, dass das Umstrukturierungsprojekt 2020 richtig ist (HORIZONT Swiss berichtete).

Bei den Marktplätzen peilt Tamedia eine EBITDA-Marge von 35 Prozent an, bei den Classifieds eine von 50 Prozent. Zudem sollen die Marktplätze nächstes Jahr die Gewinnschwelle erreichen.
© Tamedia, Präsentation zur Bilanz 2017-1.
Bei den Marktplätzen peilt Tamedia eine EBITDA-Marge von 35 Prozent an, bei den Classifieds eine von 50 Prozent. Zudem sollen die Marktplätze nächstes Jahr die Gewinnschwelle erreichen.
Investitionen schmälern die Marge

Im Bereich Marktplätze und Beteiligungen fällt auf, dass die Rubriken-Portale eine EBITDA-Marge von 56 Prozent, die Services & Ventures eine von 13.6 Prozent und die Marktplätze eine von nur 1,6 Prozent aufweisen.  Die tiefe Marge bei den Marktplätzen habe mit Investitionen zu tun, die nötig gewesen seien, die aber das Ergbenis schmälern würden, sagte Tonini. Bei Ricardo könne hingegen von einer Marge von 35 Prozent ausgegangen werden, was 2016 schon der Fall gewesen sei. Tutti hingegen sei eher den Classifieds zuzurechnen, weshalb dort das Steigerungspotenzial auf eine 50-Prozent-Marge durchaus im Bereich des Möglichen liege. "Wir sind guten Mutes, dass wir dort nächstes Jahr den Break even erreichen, dies nach einer langer Investitionsphase." Das Wachstum auf der Nutzerseite und bei den aufgeschalteten Inseraten stimme ihn zuversichtlich. Abschliessend betonte der CEO noch einmal:
"In Summe ist es ein gutes Halbjahres-Ergebnis, aber die Herausforderungen vor allem bei den Bezahlmedien sind gigantisch."



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