Tamedia Westschweiz

Gewerkschaften und Tamedia-Redaktionen gelangen an Waadtländer Einigungsstelle

Im Konflikt um die laufende Restrukturierung bei Tamedia in der Westschweiz stellen Syndicom, Impressum und die Wetschweizer Tamedia-Redaktionen einen Schlichtungsantrag bei der Waadtländer Einigungsstelle.
Mit dem Gang zur Schlichtungsstelle verbinden die Redaktionen ihre Forderung, dass ihre Anliegen ernst genommen werden. Insbesondere fordern sie von Tamedia die Aufnahme von Verhandlungen sowie die Akzeptanz der gestellten Schlichtungsanträge.

Syndicom, Impressum und die Westschweizer Redaktionen haben seit August letzten Jahres bei der Geschäftsleitung von Tamedia Informations-, Konsultations- und Verhandlungsanfragen gestellt. Diese seien bisher aber ungehört geblieben, heisst es in einer Mitteilung. Um den Dialog wieder in Gang zu bringen, hätten sie deshalb gestern Mittwoch einen Antrag auf Schlichtung an die kantonale Einigungsstelle Waadt gestellt: "Für den Erhalt von Arbeitsplätzen, für faire Arbeitsbedingungen sowie für die Medienvielfalt in der Westschweiz", wie es in einer Mitteilung heisst.

Ungewisse Situation, schädliches Abreitsklima

Im letzten August kündigte Tamedia eine Restrukturierung an, die am 1. Januar 2018 in Kraft trat. Seitdem bezieht die Genfer Zeitung "La Tribune de Genève" die Inhalte der Ressorts Ausland, Inland, Wirtschaft und Sport aus Lausanne. Die 60 Journalistinnen und Journalisten der Redaktion in Lausanne arbeiten heute nicht mehr nur für den Titel, für den sie ursprünglich eingestellt worden sind, sondern auch für die überregionalen Seiten der drei Titel: "Le Matin Dimanche", "24 Heures" und "La Tribune de Genève". Außerdem hat Tamedia die Redaktionen von "Matin Semaine" und "20 Minutes" zusammengelegt. Die Zukunft dieser Titel ist ungewiss. "Diese allgemein unsichere Situation verursacht bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein schädliches Arbeitsklima", heisst es weiter.

Kühne Forderungen

In ihrem Schlichtungsantrag fordern die Verbände und Redaktionen einen zweijährigen Verzicht auf Entlassungen, die Beibehaltung von "Matin Semaine" und "20 Minutes" in Papierform und insbesondere eine finanzielle Investition von Tamedia in die Redaktionen. Tamedia verzeichnete 2017 wiederum einen enormen Gewinn, wollte aber weder Kündigungen noch den Übergang von "Le Matin Semaine" in eine Online-Ausgabe und das Verschwinden des Titels in seiner Papierversion ausschliessen. Mittlerweile sei der Dialog zwischen Redaktion und Geschäftsleitung an einem kritischen Punkt gelangt, da Tamedia an einer unilateral organisierten Sitzung die Personalvertreter selbst bestimmen wollte, schreiben die Redaktionen und Gewerkschaften.

Tamedia selbst publizierte aktuell keine offizielle Reaktion auf den Antrag ihrer Mitarbeitenden.


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