Tamedia

Heute startet das unternehmensweite Qualitätsmonitoring für eigene Medien

Tamedia startet heute ein regelmässiges Qualitätsmonitoring für alle seine Medien.
© zvg.
Tamedia startet heute ein regelmässiges Qualitätsmonitoring für alle seine Medien.
Die Medienredaktionen von Tamedia erhalten heute "dicke" Post: Das verlagseigenen Handbuch "Qualität in den Medien" (nicht zu verwechseln mit dem Jahrbuch "Qualität der Medien" des FÖG). Das Handbuch enthält Angaben zum neuen jährlichen Qualitätsmonitoring der eigenen Medien, das Tamedia heute startet.
Jährlich veröffentlcht das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Uni Zürich sein Jahrbuch "Qualität der Medien" und zeigt darin auf, wie sich die Medien – und nicht zuletzt die Zeitungen – in qualitativer Hinsicht entwickelt haben und welchen Beitrag sie zum Fortbestand Demokratie (noch) leisten. Jährlich kommt es deshalb zu Auseinandersetzungen zwischen den Studienleitern und den Verlegern, weil letztere nicht nur mit dem Qualitätsbegriff nicht einig sind, sondern auch mit der Studienanlage und der Erhebungsmethodik nicht einverstanden sind. Der Qualitätsbegriff werde – unbesehen, was der Auftrag eines Mediums oder Titels ist – für alle Medien über ein und denselben Leist geschlagen, wird jeweils kritisiert.

Nun ergreift Tamedia die Flucht nach vorn und führt ein selbstentwickeltes jährliches Qualitätsmonitoring für alle eigenen Titel ein. Das Monitoring umfasst mehrere Elemente, im Mittelpunkt steht aber ein Stichtag, an dem ein Team aus Chefredaktion, externem Experten und Res Strehle die redaktionelle Leistung vertieft beurteilen, erklärt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer auf Anfrage. Res Strehle war ehemaliger Co-Chefredaktor des "Tages-Anzeigers". Seit gut einem Jahr ist er Tamedia-Berater für publizistische Projekte (Qualitätsmanagement) sowie Präsident der Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern. "Neben den handwerklichen Regeln wird auch geprüft, ob ein Angebot seinem eigenen Anspruch gerecht wird. Also ob beispielsweise eine Zeitung, die ihren Lesern vor allem regionale Information und eine hohe Lesernähe bieten will, das auch einlöst", führt Zimmer weiter aus.
Das Glashaus, in dem Tamedias Redaktionen arbeiten, gewährt künftig auch einen eigenen Einblick in die Qualität der journalistischen Arbeit.
© Raisa Durandi
Das Glashaus, in dem Tamedias Redaktionen arbeiten, gewährt künftig auch einen eigenen Einblick in die Qualität der journalistischen Arbeit.
Das detaillierte  Vorgehen wird in einem Handbuch "Qualität in den Medien" beschrieben (der Titel dürfte nicht zufällig so gewählt sein), das allen Mitarbeitenden der Redaktionen zur Verfügung gestellt wurde. Es beschreibt die Schwerpunkte des Tamedia-Qualitätsmonitorings in vier Teilen: Einhaltung handwerklicher Regeln, Wertschöpfung gemäss der gesetzten Ziele von Chefredaktion und Verlag über die Newslage hinaus, Wahrnehmung und Reaktion von Lesern, Nutzern und Öffentlichkeit sowie organisatorische Verankerung des Qualitätsprozesses in den Redaktionen. Das Handbuch wird heute Freitag allen Redaktionen verteilt.

Die Auswertung erfolgt jeweils rollend verteilt über das ganze Jahr. Eine erste gesammelte Auswertung über alle Medien wird voraussichtlich 2018 erscheinen.

"Das Handbuch darf nicht zu Bürokratie führen, sondern soll zum Ausgangspunkt einer vertieften Debatte über die journalistische Qualitätaller Medien von Tamedia werden", schrieben Tamedia-Verleger Pietro Supino und Res Strehle in einem Begleitbrief an die Redaktionen. "Wir freuen uns auf den gemeinsamen Diskussionsprozess und danken allen, die in den letzten Jahren an der Entwicklung und Weiterentwicklung der verschiedenen Transparenz- und Qualitätsinstrumente beteiligt waren."

Tamedia hat zuvor sein Qualitätsmonitoring in zwei Pilotprojekten bei den Zürcher Regionalzeitungen und "Le Matin Dimanche" gestestet – "erfolgreich", wie es heisst.



stats