Tamedia-CEO Christoph Tonini:

“Admeira ist für mich ein potientieller Partner”

Christoph Tonini und Pietro Supino an der heutigen Bilanzpressekonferenz von Tamedia.
Markus Knöpfli (Alder, Supino) + zvg. (De Weck), knö.
Christoph Tonini und Pietro Supino an der heutigen Bilanzpressekonferenz von Tamedia.
Das Weko-Okay zur Goldbach-Übernahme erwartet Tamedia erst im Herbst – doch CEO Christoph Tonini denkt schon weiter. Seine Vision: Dereinst will er mit weiteren grossen Playern – konkret denkt er an Admeira –  zusammen arbeiten, um punkto Datentiefe gegen Google und Facebook bestehen zu können.

Er sei “stolz”, dass sein Konzern im letzten Jahr “sogar leicht besser abgeschnitten” habe als im 2016 – “und dies, obwohl es in unserer Branche nicht einfacher geworden ist”, sagte Tamedia-Chef Pietro Supino zu Beginn der Bilanzpressekonferenz von heute Morgen. Auch CEO Christoph Tonini sprach von einem "garstigen Umfeld" im letzten Jahr: Zum zweiten Mal hinter einander sei die Printwerbung um rund 11 Prozent rückläufig gewesen. Und für 2018 sei bestenfalls eine leichte Verbesserung zu erwarten. Tamedias Kerngeschäft bleibe dennoch die Publizistik, bekräftigte Supino, und er fühle sich ermutigt, weiter in diesen Bereich zu investieren. Zudem kündigte er an, bei neuen Akquisitionen insbesondere im digitalen Bereich künftig vermehrt auch Minderheitsbeteiligungen einzugehen, bisher sei Tamedia diesbezüglich zurückhaltend gewesen.


17,5 Prozent von Tamedias Umsatz im Bereich Publizistik ist digital generiert, auf der Stufe EBIT hingegen sind es bereits 25,4 Prozent. Zusammen mit den Marktpätzen macht der digitale Anteil aber weit mehr aus: 37,5 Prozent des (pro forma-)Umsatzes kommt aus dem digitalen Bereich, auf Stufe EBIT sind es gar 51,1 Prozent. 2016 waren es noch 31 beziehungsweise 49 Prozent.

Toninis "Sorgenkind"...

Tamedias “Sorgenkind” ist der Bereich Bezahlmedien – nicht nur wegen des Umsatzrückgangs um 6 Prozent, sondern auch, weil die Marge sank: Jene auf Stufe EBITDA ging von 14,7 auf 13,7 Prozent zurück, diejenige auf Stufe EBIT blieb gar unter 10 Prozent. “Diesen Negativtrend müssen wir stoppen”, sagte CEO Christoph Tonini.
Tamedia-CEO Christoph Tonini erwartet ein Payback beim Goldbach-Deal innert etwa acht Jahren.
Tamedia-CEO Christoph Tonini erwartet ein Payback beim Goldbach-Deal innert etwa acht Jahren. (© knö.)
Besser sieht es bei den Pendlermedien aus: Auch hier sank zwar der Umsatz (inklusive der Engagements im Ausland) um 6 Prozent, doch die EBITDA-Marge stieg von 24 auf 32,8 Prozent. Nochmals besser ist die Situation in der Schweiz: Der Gesamtumsatz von “20 Minuten” stieg um 5 Prozent, wobei der leicht rückläugfige Printumsatz erstmals durch den digitalen Umsatz kompensiert werden konnte. Auf Stufe EBITDA legte “20 Minuten” gar um 14 Prozent zu.

Eine starke Zunahme verzeichnete Tamedia im Bereich Bewegtbild – gemäss Tonini auch “dank Goldbach”, das seit rund einem Jahr die Tamedia-Sites mitvermarktet. Die Steigerung beträgt hier 131 Prozent, allerdings auf tiefem Niveau: Die Einnahmen aus dieser Werbeform bezifferte Tonini auf einen “einstelligen Millionen-Betrag”, der auch 2018 einstellig bleibe. Die programmatische Werbevermarktung konnte Tamedia gegenüber Vorjahr um 65 Prozent steigern.

...und Toninis "Highlight"

Tamedias profitabelster Bereich – Tonini bezeichnete ihn als " das Highlight" – ist “Marktplätze und Beteiligungen”: Zum einen stieg der Umsatz hier auf 236 Millionen Franken (+3,5 Prozent), zum zweiten erhöhte sich die EBITDA-Marge auf 39 Prozent (Vorjahr 37,4 Prozent). Allerdings machte Tonini auch in diesem Bereich erste dunkle Wolken am Horizont aus. Insofern als das Geschäftsmodell durch start-ups “disruptionsgefährdet” sei. Als Beispiel nannte Tonini eine Jobplattform, die sich nur noch dann für ihre Dienstleistung bezahlen lässt, wenn die ausgeschriebene Stelle effektiv über sie besetzt werden konnte. Dies fordere auch Tamedia heraus, gelte es doch, länger im (Job-)Vermittlungsprozess involviert zu bleiben, um überhaupt feststellen zu können, wie viel die eigene Plattform zum Gesuchten beiträgt, sagte der CEO.
Tamedia-Chef Pietro Supino zeigte sich "stolz" ob des erreichten Resultates 2017.
Tamedia-Chef Pietro Supino zeigte sich "stolz" ob des erreichten Resultates 2017. (© knö.)
Zurück zu Print: Die beiden neuen, sprachregional aufgestellten Tamedia-Zeitungsredaktionen sind gemäss Pietro Supino gut gestartet, ja das Projekt sei "geglückt". Insbesondere die Reaktionen seitens Leserschaft seien positiv. Reklamationen habe es einzig von Privatpersonen gegeben, die zwei verschiedene Tamedia-Zeitungen abonniert hatten, ergänzte Christoph Tonini: Da deren Mantelinhalt seit Januar weitgehend identisch ist, habe dies zu knapp 100 Abokündigungen geführt. Für solche Doppelabonnenten werde man nun einen Kombirabatt einführen, sagte der CEO.

Eine positive Entwicklung verzeichnete Tamedia bei den digitalen Abos. Diese nahmen 2017 über alle Titel hinweg um 20.000 auf 55.508 Abos zu, ein Wachstum um 56 Prozent. Gleichzeitig verlor Tamedia aber 24.000 Printabos, was zeigt, dass die Verluste nicht kompensiert werden konnten. Kommt hinzu, dass vor allem kurzfristige digitale Abos zulegten, also in jenem Segement, in dem Tamedia derzeit am meisten experimentiert. Langfristige Digitalabos hingegen stagnieren. Es sei deshalb oberstes Ziel, kurzfristige Abobeziehungen möglichst in längerfristige umzuwandeln, sagte Tonini. Und es sei zwingend, mit ähnlicher Zuwachsrate wie 2017 weitere neue Digitalabos zu generieren.

Goldbach-Akquisition: Etwa acht Jahre bis zum ROI

Bezüglich der geplanten Goldbach-Akquisition rechnet Tamedia mit einem Okay der Wettbewerbskommission bis September dieses Jahres. Damit könnte die Übernahme des TV-, Radio, Online- und DOOH-Vermarkters, die Tamedia teils mit eigenen Mitteln, teils über einen Bankkredit finanzieren will, noch dieses Jahr abgeschlossen werden. Einen Return on Investment (ROI) erwarten Tonini und Supino – nicht zuletzt dank Synergien – innerhalb von rund acht Jahren. 

"Emotionen um Admeira müssen sich beruhigen"

Doch trotz der Goldbach-Akquisition bleibe Tamedia – verglichen mit Google und Facebook – im Onlinebereich weiterhin zu klein. Es sei deshalb zwingend, dass man künftig mit andern grossen Anbietern zusammenarbeite. Auf Nachfrage eines Journalisten wiederholte Tonini, was er schon im Dezember gesagt hatte: “Admeira ist für mich ein potientieller Partner.” Zwar müssten erst noch die Emotionen um Admeira abebben. Voraussetzung für eine Kooperation sei ein Schulterschluss beim datengetriebenen Verkauf über eine Plattform. Konkrete Ergebnisse seien aber frühestens in zwei Jahren zu erwarten, schätzte Tonini die Situation ein. “Wir sind noch nirgends.” Verhandlungen gebe es derzeit nicht. Dennoch sei es wichtig, “diese Vision schon mal zu äussern”.

Pietro Supino ergänzte, Hauptproblem bei Admeira sei, dass die SRG als öffentlich-finanziertes Unternehmen den Markt verzerre und sich mit zielgruppengerichteter Werbung in eine Domäne begebe, die traditionellerweise von den Verlegern mit ihren klar ausgerichteten Titeln besetzt sei. Dies könnte dann die Verleger unter Preisdruck setzen und bei ihnen zu weiteren Einnahmenverlusten führen.


Nichts Neues war übrigens zu dem am Wochenende kolportierten Deal Tamedia/“Basler Zeitung” zu erfahren. “Ich kann nur bestätigen, dass wir immer wieder Gespräche führen”, sagte Tonini. knö



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