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Ab 2018 sind Verzeichniseinträge für Haushalte gratis

Die Suchplattformen local.ch und search.ch haben seit 2016 ein gemeinsames Markendach. Nun verzichten sie neu auf Eintraggebühren für Haushalte.
Die Suchplattformen local.ch und search.ch haben seit 2016 ein gemeinsames Markendach. Nun verzichten sie neu auf Eintraggebühren für Haushalte.
Per 1. Januar 2018 entfallen für die Haushalte sämtliche Gebühren für Eintragungen in Swisscom-Telefonverzeichnissen weg. Dies hat nicht etwa das Telko, sondern der Preisüberwacher bekannt gegeben. Swisscom hat dieses Zugeständnis gegenüber der Behörde im Sommer 2017 gemacht.
Unter dem sperrigen Titel "Ergebnisse der Abklärungen zu den Preisen für Eintragungen im Telefonverzeichnis" gab der Preisüberwacher gestern ein kleines Weihnachtsgeschenk für alle Haushalte bekannt: 
Swisscom Directories, die als Data-Agent mit der Herausgabe der Verzeichnisdaten der Telekommunikationsanbieter beauftragt ist, lässt per 1. Januar 2018 für alle Haushalte sämtliche Gebühren für Eintragungen im Telefonverzeichnis wegfallen. Swisscom Directories gehe damit weiter als vom Bundesrat vorgesehen und hebt sowohl die Gebühren für die nicht zum Grundversorgungsumfang gehörenden Eintragungen von Abonnentinnen und Abonnenten als auch die Gebühren für allfällige zusätzliche Einträge auf", schreibt der Preisüberwacher.

Am 2. Dezember 2016 hatte der Bundesrat den Inhalt der Grundversorgung in der Telekommunikation angepasst. So umfasst die Preisobergrenze für einen Telefonanschluss ab Januar 2018 neu einen zusätzlichen Verzeichniseintrag für die Haushalte, wie dies der Preisüberwacher empfohlen hatte. Nun verzichtet die Siwsscom also ganz darauf.

Der Hintergrund: Der Preisüberwacher hat bereits 2013 Abklärungen über die Eintragungen der Abonnentinnen und Abonnenten von Telekommunikationsdienstleistungen im Telefonverzeichnis durchgeführt. Er hat dabei mehrere Probleme festgestellt und Empfehlungen für die Regulierung im Fernmeldegesetz und den dazugehörigen Verordnungen unterbreitet. Seit diesen Abklärungen hat auf dem Markt für Telefon- und Adressverzeichnisse eine Konzentration stattgefunden, da Swisscom Directories (local.ch) search.ch von Tamedia aufgekauft hat. Damit gingen mehrere Preisbeanstandungen einher. Der Preisüberwacher hat 2017 beschlossen, den Markt angesichts dieser Veränderungen erneut einer Evaluation zu unterziehen.

Kritik am Preis für "local Link", aber kein Eingriff

Der Preisüberwacher hat 2017 auch untersucht, wie es sich mit dem Hinzufügen einer Webadresse zu einem Eintrag ins Telefonverzeichnis verhält. Der von Swisscom Directories für diese Dienstleistung verlangte Preis war in den letzten Jahren mehrfach beanstandet worden. Beim Produkt "local Link" von Swisscom Directories wird dem Eintrag für 421.20 Franken pro Jahr (inkl. MwSt.) eine Webadresse hinzugefügt. Gemäss Swisscom Directories beinhaltet dieses Produkt aber nicht nur die Ergänzung des Verzeichniseintrags um die Webadresse, sondern auch zusätzliche Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Sichtbarkeit des Unternehmens. So lassen sich die Kundinnen und Kunden dieser Dienstleistung mithilfe der erfassten Stichwörter bei Recherchen im Verzeichnis schneller finden. Dank des Ranking-Systems von Swisscom Directoires erscheinen sie zudem weiter oben in der Resultatliste der einzelnen Portale von localsearch. Durch den hohen auf der Website local.ch generierten Datenverkehr verbessert sich schliesslich auch die Sichtbarkeit der Unternehmen auf den grossen Suchmaschinen wie etwa Google.ch. Diese Dienstleistungen sorgen gemäss dem Preisüberwacher in erster Linie dafür, dass sich die Abonnenten von "local Link" gegenüber anderen stärker abheben. Es geht also nicht einfach nur um die Suche nach deren Webadresse. "Ob ein Preis von 421.20 Franken pro Jahr für diese Dienstleistungen wirklich gerechtfertigt ist, müssen die interes-sierten Unternehmen selbst beurteilen", schreibt der Preisüberwacher. Einen behördlichen Eingriff erachtet er hingegen momentan nicht als sinnvoll, zumal die angebotenen Dienstleistungen eher mit Werbung vergleichbar sei und somit einen grösseren Markt als nur die Suche nach Adressen betreffe. Ausserdem setzten die Suchmöglichkeiten für Webadressen von Google und anderen Suchmaschinen der Marktmacht von Swisscom Directories bei Internetrecherchen Grenzen und lieferten Argumente, die gegen einen Eingriff sprechen.

Swisscom soll Verzeichnisdaten allgemein zugänglich machen

Die Möglichkeit, einen Verzeichniseintrag um Webadressen oder auch um Rubriken oder andere fakultative Informationen zu ergänzen, ist im Hinblick auf die Konkurrenz zwischen den Herausgebern hingegen ein nicht zu vernachlässigender Aspekt. Der Bundesrat hat am 6. September 2017 die Botschaft zur Teilrevision des Fernmeldegesetzes (FMG) veröffentlicht. Eine der geplanten Änderungen zielt darauf ab, den Wettbewerb auf dem Markt für Dienstleistungen im Zusammenhang mit Telefonverzeichnissen zu stärken, indem die Defizite der aktuellen Regulierung beim Zugang zu den Verzeichnisdaten behoben werden. So sieht der neue Artikel 21 Absatz 2 FMG für die Beschaffung von Informationen vor, dass die Herausgeber von Telefonverzeichnissen, die einem Telekommunikationsanbieter angehören, gegenüber unabhängigen Herausgebern gleichgestellt werden. Erhebt Swisscom Directories mehr Daten, als ein Verzeichniseintrag gemäss dem Bundesrat mindestens enthalten muss, muss sie Interessierten gemäss dem Gesetzesentwurf ermöglichen, Zugang zu sämtlichen Daten in den Telefonverzeichnissen zu erhalten, die den Telekommunikationsanbietern über ihre Kundinnen und Kunden vorliegen. Der Preisüberwacher geht davon aus, dass dies auch für Webadressen gilt, bezweifelt allerdings, dass diese Massnahme wirklich umgesetzt wird. Klarer und wirksamer wäre es, wenn auch die fakultativen Angaben, die die Abonnentinnen und Abonnenten ihren Einträgen hinzufügen (wie E-Mail- oder Webadressen, Rubriken, weitere Nutzerinnen bzw. Nutzer einer Nummer oder Adresszusätze), zu den regulierten Daten gehören würden. So wären die Webadresse und die Rubriken in den regulierten Daten enthalten und auf transparente und nichtdiskriminierende Weise zu kostenorientierten Preisen zugänglich. Will man bei den Angaben zu Personen und Unternehmen einen Wettbewerb schaffen, müssen alle Herausgeber Zugang zu den gleichen von den Abonnentinnen und Abonnenten gemachten Angaben haben. pd/ knö

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