SwissRadioDay

Zwei Aufsteller und zwei Dämpfer für die Radiobranche

Marius Lillelien aus Norwegen macht Mut für die Umstellung auf DAB+, Boris Lochthofen aus Deutschland teilte mit, dass sein Land in diesem Bereich hinterher hinkt
Markus Knöpfli, knö.
Marius Lillelien aus Norwegen macht Mut für die Umstellung auf DAB+, Boris Lochthofen aus Deutschland teilte mit, dass sein Land in diesem Bereich hinterher hinkt
Norwegen wird schon per 2017 von UKW auf DAB+ umstellen. Und mittlerweile erfolgt die Radionutzung in der Schweiz zu 53 Prozent digital. Das waren die Aufsteller am SwissRadioDay. Die Stimmung gedämpft haben dagegen die Nachricht, dass DAB+ in Deutschland immer wieder infrage gestellt wird, sowie Hansi Voigt, der eine "Uberisierung des Mediums Radio" prognostizierte.

Radio in der Schweiz wurde im Frühling 2016 zu 26 Prozent übers Internet und zu 27 Prozent über DAB+ konsumiert. Damit ist die digitale Nutzung mit total 53 Prozent erstmals stärker als die Nutzung über UKW. Das ergab eine Studie von GfK Switzerland, die gestern vor rund 300 Teilnehmern des SwissRadioDays vorgestellt wurde.

Junge nutzen lieber Internetradio

Dass UKW an Bedeutung verliert, ist für die Radiobranche eine gute Nachricht, will sie doch die teure und einschränkende UKW-Verbreitung per 2024 einstellen und auf das günstigere und mehr Vielfalt bietende DAB+ setzen.
Schwierige Zeiten für Lokalradios
Zum Auftakt des RadioDays sprach Roberta Cattaneo, Vize-Direktorin des Bundesamtes für Kommunikation. Sie wies die Vertreter der Radiobranche darauf hin, dass "in den nächsten Jahren die Unsicherheit zunehmen" werde – wegen der Digitalisierung, wegen der Konkurrenz der Streamingdienste, wegen der auslaufenden Konzessionen und wegen der "No Billig"-Initiative, über die spätestens 2019 abgestimmt werden dürfte. Der Wechsel von UKW zu DAB+ sei wichtig, doch ob und wie das Publikum diese Migration mitmache, sei ungewiss. "Und die globalen Trends kann das Bakom nicht beeinflussen", erklärte Cattaneo im Hinblick auf Stremingdienste wie Spotify. Doch das Bakom werde der Branche helfen. So stehen aus Gebührengelder 30 Millionen Franken für die digitale Migration zur Verfügung, und davon hätten die Radios dieses Jahr schon eine erst Tranche erhalten für technische Umrüstungen. Auch der Gebührenanteil für die Privaten werde erhöht. Diese würden bei einzelnen Radiostationen schon heute bis zu 80 Prozent des Budgets ausmachen. 2019 laufen die Konzessionen für die Privatradios aus. Der Bundesrat wird gemäss Cattaneo nächstes Jahr entscheiden, wie es für die Jahre 2020 bis 2025 weiter geht. Die angelaufene Migration auf DAB+ werde er dabei berücksichtigen. Und um die Radios etwas zu entlasten, werde 2017 das ursprünglich vorgesehene externe Qualitätsmonitoring entfallen.
Bis dahin gibt es aber noch viel Arbeit zu tun, denn bisher konnten in der Schweiz "erst" 2,6 Millionen DAB+-Geräte abgesetzt werden, es verfügt also längst nicht jeder der 3,6 Millionen Schweizer Haushalte über ein Gerät. Die Studie zeigte zudem, dass DAB+ in der lateinischen Schweiz klar schwächer genutzt wird als in der Deutschschweiz, dass jüngere Menschen Internetradio dem DAB+ vorziehen, dass auf den meisten Smartphones kein DAB+ empfangen werden kann und dass die DAB+-Nutzung im Auto erst 19 Prozent ausmacht.

Norwegen geht bei DAB+ voran

Mutmachend war da Marius Lillelien, Direktor des öffentlich-rechtlichen Senders NRK in Norwegen. Dieses Land mit seinen 5 Millionen Einwohnern stellt bereits nächstes Jahr als erste Nation Europas von UKW auf DAB+ um. Die Gründe sind teilweise ähnlich wie in der Schweiz: UKW ist teurer als DAB+ und über DAB+ lassen sich mehr Sender verbreiten. Vor allem aber stand man schon 1991 vor der Frage, die UKW-Verbreitung (inklusive Senderanlagen) entweder vollständig zu erneuern oder in digitales Radio zu investieren. Man entschied sich für Letzteres – wobei die Regierung Vorgaben machte: Eine definitive Umstellung dürfe erst erfolgen, wenn nahezu alle Haushalte (99,5 Prozent) ein DAB+-Gerät besitzen. Von den Radiostationen wurde ferner verlangt, dass sie schon vor der Umstellung neue Programme entwickeln und über DAB+ ausstrahlen. Auch müsse die tägliche Reichweite dieser Programme mindestens 50 Prozent betragen. In den Autos sollte sich DAB+ zudem ebenfalls durchgesetzt haben.



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