Service public-Konferenz (Teil 2)

"Niemand bestreitet, dass die SRG gute Leistungen erbringt"

Das Panel der vier Professoren: (von links) Christian Hoffmann (Leipzig), Peter Rettich (St. Gallen), Mark Eisenegger (Zürich), Stephan Russ-Mohl (Bellinzona).
Markus Knöpfli, © knö.
Das Panel der vier Professoren: (von links) Christian Hoffmann (Leipzig), Peter Rettich (St. Gallen), Mark Eisenegger (Zürich), Stephan Russ-Mohl (Bellinzona).
An der Service public-Konferenz vm 7. September diskutierten auf einem Panel vier Professoren: Stephan Russ-Mohl, Mark Eisenegger, Peter Hettich und Christian Hoffmann. HORIZONT Swiss bringt ihre wichtigsten und klarsten Aussagen.

Russ Mohl lehrt an der Università della Svizzera italiana in Bellinzona Journalismus und Medienmanagment, Eisenegger ist Präsident des Forschungsinstituts für Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög) an der Universität Zürich, Hettich unterrchtet Öffentliches Wirtschaftsrecht an der Universität St. Gallen und Hoffmann lehrt Kommunikationsmanagement an der Universität Leipzig.

Mark Eisenegger: "In den letzten zwei bis drei Wochen tauchte das Argument auf, die SRG würde mit ihrer angeblichen Gratispolitik bei ihren Onlinenews die Bestrebungen der Verleger behindern, Paywalls hochzuziehen. Das ist ziemlich merkwürdig. Denn '20 Minuten' und 'Blick' mit ihren Gratisprodukten erreichen täglich 2,1 Millionen Menschen in der Schweiz, die SRG 500.000. Das ist das wahre Verhältnis."

Christian Hoffmann: "Wir sind an einem Punkt angekommen, wo man sagen muss: Die Grösse der SRG und die Breite ihres Angebots erschweren den privaten Medien das Leben in einem Ausmass, dass das gesamte Mediensystem in der Schweiz potentiell geschwächt wird."

Mark Eisenegger: "Die SRG stärkt den Medienplatz Schweiz, weil sie zusammen mit anderen Medien wie 'Tages-Anzeiger' oder NZZ für hohe Qualitätsstandards sorgt. Das ist eine Qualitäts-Benchmark. Richtig ist, dass die SRG eine starke Stellung hat. Aber das war bisher so gewünscht, weil sie den Auftrag hat, für den Zusammenhalt des Landes, die Kohäsion, zu sorgen."

Stephan Russ-Mohl: "Vielfältige Kooperationen zwischen SRG und Privaten wären mir wichtig. Was aber mit Admeira versucht wird, ist der falsche Ansatz. Kooperation heisst: Möglichst viele private Schweizer Medien sollen in möglichst vielen Kontexten sinnvoll mit dem öffentlich-rechtlichen Anbieter kooperieren und ihn zugleich auch konkurrrieren können."


Mark Eisenegger: "Wir haben keinerlei empirische Facts, die die These stützen, wonach die SRG die Privaten im Onlinebereich aus dem Markt drängt. Die SRG hat ein Onlinewerbeverbot, sie liegt weit hinter den Reichweiten der grössten Verlagshäuser zurück und sie ist auch noch inhaltlich reguliert: Onlinetexte müssen sendungsnah sein. Wenn Sie nicht empirisch argumentieren, kann ich es nicht annehmen."

Peter Hettich: "Niemand bestreitet, dass die SRG gute Leistungen erbringt, niemand hier will die SRG filettieren."

Christian Hoffmann: "Wenn man die SRG für unverzichtbar hält und sie deswegen gross macht, dann sterben halt nach und nach die Alternativen weg. Und dann wird sie plötzlich immer unverzichtbarer."

Stephan Russ Mohl: "Sollte sich durchsetzen, dass die SRG nur noch das machen darf, was der Markt gar nicht kann, dann ist das wahrscheinlich weniger als die Grundversorgung – und das wollen wir dann auch nicht."

Christian Hoffmann: "Wir müssen mehr darüber nachdenken, welches denn die förderungswürdigen Inhalte sind. Wenn man dann aus einer politischen Perspektive der Meinung ist, dass bestimmte Inhalte nicht in ausreichender Qualität oder Menge hergestellt werden, sollte man diese Inhalte unabhängig vom Anbieter fördern. Denn damit kann man am ehesten garantieren, dass zumindest die Auswahl, die politisch gewünscht ist, vorhanden ist."

Mark Eisenegger: "76 Prozent jedes international neu investierten Werbedollars gehen zu Facebook oder Google. Das ist eine Realität, die nationale Mediensysteme – nicht nur in der Schweiz – schwächt, weil wir weniger Geld haben für den Informationsjournalismus. Deshalb müssen wir uns tatsächlich fragen, wie wir den Informationsjournalismus in die nächste Zukunft bringen." knö

 




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