Schweizer Uhren

Kim Jong-un, die Uno und das Luxusmarketing

Kim Jong-un
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"Kim muss auf Schweizer Uhren verzichten" - das ist eine Schlagzeile mit Marketingpotenzial für die Hersteller teurer Chronometer. Tatsächlich gilt seit zwei Monaten ein Lieferstopp nach Nordkorea.
Luxus und Marketing passen nicht wirklich zusammen. Das Wesen der Luxusmarke besteht darin, dass sie knapp ist. Das Wesen des Marketings besteht darin, Produkte an möglichst viele Kunden zu verkaufen. Deshalb müssen sich die Strategen des Luxusmarketings immer neue Methoden einfallen lassen, um die Begehrlichkeit nach ihren exklusiven Produkten aufrecht zu erhalten. Ein politisch motiviertes Exportverbot passt da eigentlich ganz gut ins Bild. Denn es erzeugt Schlagzeilen wie die von "20 Minuten", siehe oben, die auf die Marke einzahlen, wie es im Marketingsprech heißt.

Die Fakten: Weil Kim Jong-un seine politischen Ambitionen immer mal wieder mit atomaren Raketentests untermauert, hat die Uno Sanktionen gegen sein Regime verhängt. Unter anderem  dürfen keine Luxusgüter mehr nach Nordkorea exportiert werden. Bisher galt insofern eine Ausnahme von diesem Embargo, als das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) Schweizer Unternehmen erlaubte, Markenartikel zum Stückpreis bis 1000 Franken ins Reich des Bösen zu liefern.

Ist eine Armbanduhr für 990 Franken Luxus? Das kommt auf die Perspektive an. Für den Durchschnitts-Kim natürlich, für den großen Führer Kim eher nicht. Der hat, so weiß es jedenfalls die Zürcher Gratiszeitung, bei seinem letzten Einkauf 220 000 Franken ausgegeben, ausschliesslich für Hochwertiges, versteht sich. Und sein Faible für Schweizer Uhren ist bekannt und durch zahlreiche Fotos dokumentiert; man sieht den Luxus an seinem Handgelenk, weil er gern Kurzarmhemden trägt. Nun wird er erst einmal die Modelle aus der Vorjahreskollektion auftragen müssen.

Der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie in Biel nimmt die politische Entscheidung übrigens mit großer Gelassenheit hin. Auf dem nordkoreanischen Markt gibt es außer dem Kunden Kim nun einmal wenig Hang zum Luxus.

PS. Dem Kim würden wir ein paar neue Markenuhren durchaus gönnen. Wenn er dafür nur die Finger von den Atomraketen ließe.


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