Schweizer Regionalradios und –fernsehen

"No Billag" ist gleich "Ende des regionalen Service Public"

Schweizer Privatradiolandschaft
Schweizer Privatradiolandschaft
In einer Stellungnahme beziehen die Schweizer Regionalradios und –fernsehen Position gegen die No-Billag-Initiative. Deren Annahme würde bei einem Grossteil der 34 konzessionierten regionalen Radio- und Fernsehsendern mit Gebührenanteil zum Sendeschluss führen, heisst es darin.

Die ist nach Ansicht von Telesuisse, Verband Schweizer Regionalfernsehen, Verband Schweizer Privatradios, Radio Régionales Romandes und Union nicht-kommerzieller Lokalradios ein realistisches Szenario, da sich die Regionalfernsehsender und Regionalradios laut ihnen nur zu 50 Prozent aus dem Markt finanzieren lassen. Vor allem in der Westschweiz, dem Tessin sowie in den Berg- und Randregionen drohe im Falle der Abstimmung pro „No Billag“ ein Kahlschlag.


Über eine Million Hörerinnen und Hörer konsumieren täglich die betroffenen Radiosender. Die regionalen TVs werden täglich ebenfalls von über einer Million Menschen gesehen. „Politik, Kultur, Sport und Gewerbe würden bei einer Annahme der Initiative ihre Stimme in den Regionen verlieren. Wer sonst soll über die St. Galler Stadtratswahlen, über die Oberländer Herbstausstellung oder über den FC Raron berichten? Das ist alles kommerziell nicht interessant – aber wichtig. Und diese Berichte können auch nicht durch Fakenews-Medien wie Facebook ersetzt werden“, sagt André Moesch, Präsident des Regionalfernseh-Verbandes Telesuisse. Für ihn bedeutet die No Billag-Initiative deshalb eine ernsthafte Gefahr für Föderalismus und Demokratie in der Schweiz.

In der Westschweiz haben die Veranstalter der regionalen Radio- und TV-Stationen das Szenario nach einer allfälligen Annahme der No Billag-Initiative konkret durchgespielt. Sie berichten von einem „verheerendden Ergabnis“. „Einzig in den Städten Genf und Lausanne könnten weiterhin regionale Radiostationen betrieben werden. Überall sonst wäre Sendeschluss!“ erklärt Philippe Zahno, Vertreter der Radios Régionales Romandes. Vier regionale Radiosender in den Grossstädten würden bleiben, anstelle von heute 12 Radio- und 5 Fernsehstationen in allen Kantonen.

Die Behauptung der „No-Billag“-Initiatoren, die wegfallenden Gebühren liessen sich durch mehr Werbung, durch Kundenabonnemente oder durch kantonale Subventionen ersetzen, sei falsch. „Der Werbemarkt wird von uns seit über 30 Jahren bearbeitet. Es ist eine Illusion der Initianten, die fehlenden Gebührenanteile durch mehr Werbung zu kompensieren“ sagt Martin Muerner als Vertreter des Verbandes Schweizer Privatradios dazu. Marc Friedli, Geschäftsführer von Telesuisse. Bisherige Versuche mit freiwilligen Kunden-Abos, zum Beispiel im Wallis, zeigen ihm zufolge ernüchternde Zahlen. „Dies ist aus unserer Sicht keine seriöse Option, um einen regionalen Service Public in allen Regionen der Schweiz zu erhalten“, so Muerner. Auch sein eine ersatzweise Übernahme der Medienfinanzierung durch Kantone ist aus rechtlichen, politischen und finanziellen Gründen nicht realistisch und die heute bereits grosse Anzahl von TV-Sendern und Radioprogramme ohne Leistungsaufträge, die kaum zur lokalen Information beitragen, würden zeigen, dass diese Programminhalte vom Markt nicht erbracht werden.ems



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