"Schawinski"

Artige Fragerunde zwischen den beiden Rogers

Roger De Weck zu Besuch in der Sendung "Schawinski"
Screenshot srf.
Roger De Weck zu Besuch in der Sendung "Schawinski"
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Wesentliche Überraschungen gab es keine beim Auftritt von SRG-Generaldirektor Roger De Weck in der gestrigen Endung "Schawinski". Einzig am Schluss löschte Moderator Roger Schawinski das Licht – um zu zeigen wie die SRG spart.
Zum allgemeinen Lichterlöschen kam es, als Roger Schawinski am Ende des Gesprächs seinen Chef auf das Thema "Sparen bei der SRG" ansprach. Roger De Weck erklärte, dass die SRG in den letzten Jahren beispielsweise durch Vereinheitlichung der Technik in allen Landesteilen mehrere Millionen Franken einparen konnte, aber auch Stellen abgebaut habe. "Das war ein wahrlich sehr schmerzlicher Prozess." Schawinski bestätigte dies quasi – und "um zu zeigen, wie die SRG spart", löschte er das Licht. Die Beiden sassen beinahe im Dunkeln. Dann holte Schawinski aber eine Taschenlampe hervor und leuchtete De Weck ins Gesicht. Doch schien er selbst zu merken, dass diese Symbolik etwas gesucht und allzu banal war. Jedenfalls sagte er sogleich: "Ein Joke, der vielleicht nicht so ganz zieht." De Weck seinerseits blieb wortlos und ungerührt.

Während des Gespächs kam es dann leider immer wieder vor, dass De Weck die Fragen seines Gegenübers nicht beantwortete, zumindest nicht auf Anhieb. Schon gleich zu Beginn der Sendung, als ihn Schawinski darauf ansprach, dass er als überzeugter Europäer ("Euro-Turbo") und SRG-Generaldirektor für seine Gegner aus dem rechten Lager ja gleich ein doppeltes Feindbild darstelle. Schawinski wollte wissen, ob das aus Sicht der SRG nicht nachteilig sei. De Weck anwortete, solange die Kritik am Programm der SRG sowohl von Links als auch von Rechts und auch aus der Mitte komme, könnten die Inhalte nicht so falsch liegen. Es brauchte ein Nachhaken Schawinskis, bis De Weck auf die effektive Frage eingehen konnte. Es sei zu kurz gegriffen, wenn man die Kritik an der SRG an seiner Person festmachen und auf ihn reduzieren wolle.

Doch solche Situationen kamen mehrmals vor: De Weck reagierte auf ein Stichwort, das bei ihm offensichtlich ein dazu passendes gespeichertes Argument abrief – und dieses spulte er dann ab – egal, ob es wirklich die Antwort auf die gestellte Frage war. Das erweckte insgesamt den Eindruck, De Weck höre nicht zu, habe bloss Vieles Auswenig gelernt und wolle nun primär seine Botschaften an den Mann und die Frau vor dem Bildschirm platzieren. Schade. Wer De Weck an der Service public-Konferenz am 7. September erlebt hat, wird bestätgen: Damals war der Auftritt des SRG-Generaldirektors wesentlich souveräner.

Das Verdienst Schawinskis war es, dass er seinem Chef keine dieser Fragen durchgehen liess: Jedesmal wiederholte er die Frage und bestand darauf, dass sie auch beantwortet wurde. Und anders als in manch andern seiner Talks liess er diesmal sein Gegenüber in der Regel auch artig aussprechen.

Am Besten war De Weck im letzten Viertel der Sendung, als sich das Gespräch um die Werbeallianz Admeira drehte. Hier packte der Generaldirektor mehrere Argumente aus, die auch für Zuhörer, die in dieser Sache weniger bewandert sind, verständlich und nachvollziehbar sind. Etwa, dass die SRG, die viersprachige Programmangebote machen muss, in der Schweiz mit 8 Millionen Einwohnern natürlich deutlich weniger Gebührengelder erhält als beispielsweise die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland mit 80 Millionen Einwohnern – und deshalb nicht auf Werbung verzichten kann.

Etwas peinlich war dann Schawinskis Schlusssatz: "Jawohl, dass war ein kritisches Interview innerhalb de SRG. Dass dies möglich ist innerhalb der SRG, ist ja auch irgendetwas. Und dass sich der Generaldirektor dem stellt, finde ich auch noch gut."

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