Sacha Moser, Foundry

"Zwei Jahre Berlin"

Sacha Moser, Gründer von Foundry Berlin.
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Sacha Moser, Gründer von Foundry Berlin.
Nach einer international erfolgreichen Karriere in New York, Puerto Rico und jahrelang Zürich bei Y&R, Publicis und Serviceplan ist Sacha Moser noch einmal zu neuen Zielen aufgebrochen. Er hat in Berlin vor zwei Jahren Foundry gegründet. Andreas Panzeri hat sich mit dem Top-Kreativen über den Stand der Dinge unterhalten.
Foundry in Berlin kann das zweijährige Bestehen feiern. Was freut dich an diesem Jubiläum am meisten? Ganz viel. Unser Team, die Kunden und die neue Kaffeemaschine. Ein grosser Grund zur Freude ist auch, dass wir just zum Jubiläum einen bedeutenden Etat in Deutschland gewonnen haben. Als Leadagentur übernehmen wir eine aussergewöhnliche Aufgabe, die es auch in einem grossen Markt wie Deutschland nur selten gibt.



Auf was darfst du als Gründer sonst noch stolz sein? Zum Glück mache ich das nicht alleine. Gemeinsam mit Manuela Brunner (Managing Partner), Xavier Rodon (Creative Partner) und einem grossartigen und eingeschworenen Team aus Designern, Geschichtenerzählern, Digitalen und Strategen haben wir eine Schlagkraft geschaffen, auf die ich wirklich stolz bin. Wir helfen Start-ups, die bereits nach ein bis zwei Jahren zu den schnellst wachsenden Marken zählen, kreieren für Swiss Intl. Airlines innovative Auftritte.
Was könnte noch besser gelaufen sein? Am Anfang wollte ich vielleicht etwas zu viel. Mit unserem Kunden EGO haben wir gleich auch noch den Verkauf und Vertrieb von E-Bikes im Deutschen Markt aufgebaut. Mit allem drum und dran, inklusive einem eigenen "Foundry – inspiring goods" Store auf 250 Quadratmetern in der Bikini Berlin Mall. Natürlich macht das Spass, doch am Anfang hat es auch zusätzliche Kapazitäten erfordert. Aber im Shop oder beim Aufbau eines E-Commerce Kanals steht man direkt im Kontakt mit dem Kunden und das hilft auch ungemein viel in der Kommunikation.

Wer zählt zu euren wichtigsten Kunden? Alle unsere Kunden sind uns wichtig. Nebst den Kunden auf unserer Website, beraten wir seit letztem Sommer auch zentrale Marketing Teams der Volkswagen AG in Wolfsburg. Weitere bedeutende Kunden dürfen wir (noch) nicht kommunizieren, doch bald mehr dazu.

In Berlin stehen 14 Mitarbeitende bei Foundry auf der Payroll. Finden sich auch Schweizer in diesem Team? Die Zusammensetzung des Teams ist ähnlich wie bei Hertha BSC. Top Talente aus Deutschland, kombiniert mit Mitgliedern aus sechs anderen Nationen und drei Schweizern.

Ist das eure ideale Grösse oder willst du weiter wachsen? Bleiben wir beim Fussball: Um in der obersten Liga mitzuspielen, braucht es eine gewisse Grösse. Doch noch wichtiger ist, dass die Schlüsselpositionen mit den besten Talenten besetzt sind. Anforderungen ändern sich immer schneller. Wir wollen agil bleiben und speziell in Berlin gibt es unzählige Spezialisten mit denen es Spass macht, projektbezogene Partnerschaften einzugehen. Wir nennen das kreative Rudelbildung.
Wie lässt sich euer Konzept oder Arbeitsstil umschreiben? Für uns ist Offenheit, Fairness und ein partnerschaftlicher Umgang zentral. Wenn ich die Leute bei uns in der Foundry lachen höre, weiss ich, dass die nächste Präsentation gut wird. Anders gesagt: Wir lieben es, aussergewöhnliche und innovative Branding- und Marketing-Konzepte zu kreieren, die substanzielle und nachhaltige Werte schaffen und Menschen begeistern.

Der Begriff Foundry stammt aus der Metallverarbeitung. Man findet das Wort auch im Bereich der Mikroelektronik. Was ist dein Bezug zu diesem Namen? In einer Foundry (Giesserei) werden Formen und Inhalte geprägt. Aus Ideen und unterschiedlichen Metallen oder Glas entstehen konkrete Formen. Im Herzen sind wir alle "hands-on" Macher und lieben es, Marken und Inhalte so zu prägen, dass diese auch den Test der Zeit überstehen.

Unter dem Label The Foundry findet man auch Agenturen in London und New York. Wie seid ihr miteinander verbunden? The Foundry in London ist eine Software Firma. Diese ist bekannt für ihre tollen 3D, CGI und virtual reality Produkte. Es scheint tatsächlich, dass wir einen Trend gesetzt haben. In den USA gibt es nun auch eine Agentur und seit neuestem sogar eine Kirche mit diesem Namen. Es besteht allerdings keine Verbindung zu unserer Agentur.
Du hast als Senior AD erfolgreich bei Young & Rubicam in New York sowie in Puerto Rico gearbeitet. Empfindest du Zürich als zu langweilig, dass du jetzt nach über zehn Jahren an der Limmat – bei Young & Rubicam, Publicis sowie Serviceplan Suisse – an die Spree gezogen bist? Zürich ist für mich das Gegenteil von langweilig, denn da ist meine Familie. In der Regel arbeite ich unter der Woche in Berlin und geniesse jedes Wochenende Ferien in der Schweiz bei meiner Frau und den drei Kindern. Obwohl die Flugzeit zwischen Berlin und Zürich so kurz ist wie die Zugfahrt von Bern nach Zürich, sind die Unterschiede gross. Daher ist die Kombination für uns absolut sinnvoll, denn die Vorteile beider Standorte lassen sich bestens kombinieren. Berlin ist unsere Basis für Kreation, Innovation und Technologie. Mittlerweile kontaktieren uns auch täglich Talente, die an unserem Standort in Berlin arbeiten wollen. In Zürich ist ein Teil der Beratung, denn wir glauben, es ist wichtig, auch vor Ort zu sein, um den Markt zu kennen.
Du warst auch eines von drei Gründungsmitgliedern bei Serviceplan Suisse. Dann hast du dich aus Gründen der Gesundheit zurückgezogen. Wie ist dein Rückblick auf diesen Entscheid? Keine andere Agentur in der Schweiz ist so schnell und erfolgreich gewachsen wie Serviceplan Suisse. Das hat mich stark geprägt und ich konnte in dieser Zeit auch viel von Christian Baertschi und der Kultur von Serviceplan lernen. Das ist mir in den letzten Jahren auch zugute gekommen. Mit Foundry konnten Manuela (ex Serviceplan), Xavier und ich nun eine langjährige Vision umsetzen, die jeden Tag Spass macht und uns eine flexible Plattform für viele unserer Ideen bietet. Letztes Jahr war es ein Pop-Up-Store an der Rämistrasse, eine Kunstausstellung und unsere Beteiligung an der ersten Serienale in Berlin. Für dieses Jahr gibt es bereits wieder spannende Pläne.
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Nach einer Pause hast du beim Comeback mit einer neuen Gründung überrascht. Ist nach mehr als zwei Jahrzehnten in der Werbung auch eine andere Tätigkeit zur Diskussion gestanden? Foundry ist eine andere Tätigkeit. Einerseits befindet sich unsere Branche in einer nie da gewesenen Veränderung und Evolution. Durch andere Arten der Zusammenarbeit, neue Technologien und frische Ideen gibt es immer wieder spannende neue Tätigkeiten.

Wieso hast du für deinen Neuanfang Berlin gewählt? Wegen meiner Grossmutter (94). Ich bin halb Berliner und bei einem Besuch bei ihr in Berlin wurde ich von Cousins und Cousinen, die bei Zalando und anderen Start-ups arbeiten, inspiriert. Danach präsentierte ich mein Konzept der Foundry bei Berlin Partner, der Wirtschaftsförderung. Noch während der Präsentation wurden weitere Personen dazu gerufen, welche mich in der Start-up Phase unterstützt haben. Noch motivierender und hilfreicher als der finanzielle Zuschuss, war das sofort bereitgestellte Netzwerk, mit dem wir auch heute noch arbeiten.
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Heute unterhält deine Foundry auch wieder ein zweites Büro in Zürich. Was ist die Strategie dahinter? Ganz einfach: Ich wohne in Küsnacht und Manuela in Zürich. Nebst einem kürzeren Arbeitsweg, wollen wir aber auch für unsere Kunden in der Schweiz einen aktiven Standort bieten.

Wie viele Leute sind bei Foundry an der Gasometerstrasse in Zürich beschäftigt und wie funktioniert der Austausch mit Berlin? Skype und FaceTime sei Dank. An der Gasometerstrasse haben wir ein Büro und permanent eine Mitarbeiterin. Ab und zu wird es aber auch eng, wenn für ein Projekt mehr Mitarbeiter vor Ort sind.

Wo bist du am meisten anzutreffen? Anstatt Berlin bin ich im Moment mit meiner Familie im Engadin. Doch am meisten bin ich dort, wo es mich braucht. Letzten Sommer war das etwas mehr Zürich, im Moment ist es mehr Berlin.
Was sind deine weiteren Pläne mit Foundry in Zürich sowie in Berlin? Mit aussergewöhnlichen Ideen und neuen Technologien innovatives Branding und Kommunikation zu schaffen, über die im Seilers-Werbeblog und anderswo berichtet wird. Dazu investieren wir weiter in unser Team und eigene Projekte und Partnerschaften. Von diesen Erfahrungen profitieren auch unsere Kunden und Partner. Wie in Berlin, planen wir auch in Zürich vermehrt strategische Partnerschaften. Unser Vorteil als unabhängiges Unternehmen ist, dass wir die besten Menschen und Lösungen für die jeweiligen Projekte zusammenbringen. Als Leadagentur haben wir zum Beispiel für ein Projekt einen top UX Guru von Possible LA und den ehemaligen CMO von Volvo dazu geholt. Kurzfristig plane ich jetzt aber erstmal ein paar Tage mit der Familie im Engadin und auf dem Snowboard.

© Andreas Panzeri

Weitere Interviews und Analysen über die Werbung in der Schweiz und im Rest der Welt auf www.seilers-werbeblog.ch



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