SRF-Direktor Ruedi Matter

"Wir machen keine Programme nach Marketingüberlegungen"

SRF-Direktor Ruedi Matter: "Wir sind nur jemandem verpflichtet – dem Publikum."
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SRF-Direktor Ruedi Matter: "Wir sind nur jemandem verpflichtet – dem Publikum."
An der Jahresmedienkonferenz hat SRF-Direktor Ruedi Matter das Programm 2017 vorgestellt. Doch was sagt er den Neuerungen bei der Formel 1, zu den Erfolgen des Senders 3+, zur Onlinewerbung und dem Werbeverkauf von Admeira? HORIZONT Swiss stellte ihm diese und weitere Fragen.

Eine Frage aus aktuellem Anlass: Am Montag ging bei der Formel 1 die Aera von Bernie Ecclestone zu Ende. Wie wird sich das auf die Kosten für die Übertragungsrechte der Formel 1 auswirken? Das lässt sich im Moment noch nicht abschätzen. Die Formel 1 ist attraktiv, aber kein Angebot, an dem das Schicksal von SRF hängt.

Ergänzung von Roland Mägerle, Abteilungsleiter Sport und Leiter Business Unit Sport SRG SRF-Unit Sport auf Anfrage:
"Unsere Formel1-Übertraugungsrechte sind Ende 2016 ausgelaufen, wir stehen derzeit in Verhandlungen für 2017 bis 2019. Was sich nun ändern wird, können wir nicht sagen. Klar ist aber: In den letzten Jahren sind die Zuschauerzahlen bei der Formel 1 etwas zurück gegangen, da können die Übertragungsrechte nicht teurer werden. Zumal wir insgesamt für Sport kein grösseres Budget zur Verfügung haben."


Seit knapp einem Jahr lässt sich SRF von Admeira vermarkten – wie zufrieden sind Sie? Konnte SRF punkto Werbesekunden zulegen? Wichtig sind die Erlöse im Fernsehen. Wir sind in der Werbung insgesamt recht stabil, es gibt immer leichte Schwankungen. Der Verkauf von TV-Werbung ist ein harter Job, das grosse Wachstum findet selbstverständlich im Onlinebereich statt.

Aus diesem Grund hat mich Ihre Aussage an der gestrigen Pressekonferenz erstaunt: Sie sagten, Sie seien ganz glücklich, dass das wachsende SRF-Onlineangebot werbefrei ist. Ich sage das aus Sicht des Publikums, weil ein werbefreies Angebot erst recht attraktiv ist. Denn Onlinewerbung nervt ja viele Leute. Der Vorteil von Onlinewerbung: Man hat zusätzlichen Erlös. Der Nachteil: Man riskiert, das Publikum zu nerven – es gibt eben nie nur Schwarz oder Weiss.
„Wir machen ja nicht Radio-, TV- und Onlineinhalte, um Geld zu verdienen.“
SRF-Direktor Ruedi Matter
Das heisst: Sie können mit dem aktuellen Werbeverbot leben. Dennoch: Im Onlinebereich erhält SRF regen Zuspruch und investiert 2017 auch zusätzliches Geld in Onlineserien. Sie wollen deshalb sicher auch mal einen finanziellen Return haben. Wir machen ja nicht Radio-, TV- und Onlineinhalte, um Geld zu verdienen. Es ist nützlich, dass wir im TV Werbegeld haben, weil es ein Viertel des Budgets der SRG ausmacht. Damit können wir dem Publikum mehr bieten. Aber unser erstes Ziel ist es, im TV, im Radio und Online attraktive Inhalte zu bieten. Auch dank der Gebühren können wir dem Publikum relevante, publizistisch unabhängige Informationssendungen und Eigenproduktionen mit typisch schweizerischen Inhalten anbieten.

Der Schweizer Privatsender 3+ ist zumindest an einzelnen Tagen mit Angeboten wie “Bachelor” oder “Bauer, ledig, sucht” zu einem ernstzunehmenden Angebot geworden. Wie beurteilen Sie die Situation? Wir schauen alles an, was im Schweizer und im deutschen Markt läuft. Der Fernsehmarkt ist ein europäischer, unsere Hauptkonkurrenten stammen aus Deutschland und Österreich. Insgesamt stehen wir gut da, hat doch SRF 1 allein am Hauptabend mehr Publikum als die sieben nächst grösseren Sender zusammen.

Dennoch: Betrachtet man wöchentlich die Top10, dann war der “Bachelor” von 3+ montags sehr oft der meistgesehene Sender bei der Zielgruppe 15/49. Haben Sie den Montag kampflos an 3+ überlassen. Es ist das Schöne beim TV, dass viele Zahlen zur Verfügung stehen. So kann man sich immer die Zielgruppe und den Zeitpunkt auswählen, an dem man gut aussieht. Uns aber interessieren die Werte übers ganze Jahr, nicht an einzelnen Tagen. Über die Gesamtzielgruppe hinweg, im Markt der relevante Wert, erreichen unsere Quizsendungen am Montagabend klar höhere Marktanteile als zum Beispiel "Der Bachelor". Dass es in der Schweiz ein diversifiziertes TV-Angebot gibt, darüber freuen wir uns übrigens.
„Über die Gesamtzielgruppe hinweg, im Markt der relevante Wert, erreichen unsere Quizsendungen am Montagabend klar höhere Marktanteile als zum Beispiel 'Der Bachelor'.“
SRF-Direktor Ruedi Matter
Die SRG wird immer wieder kritisiert für die drei Sender Radio Swiss Pop, Jazz und Classic, reine Musiksender ohne Wortanteil. Was bringen diese drei Sender aus Sicht von SRF, wie können Sie allenfalls dieses Potenzial nutzen? Bei diesen Sendern interessiert uns nicht, ob sie uns etwas nützen, sondern einzig, ob sie dem Publikum nützen. Und ich stelle fest, dass nur die SRG einen reinen Jazz-Sender anbietet, einen Musiksender mit anspruchvollerer Klassik im Repertoire hat, und dass Swiss Pop stark genutzt wird und in vielen Läden und Restaurants läuft. Wenn wir von diesen Sendern einen schliessen würden, würden wir dem Publikum etwas wegnehmen. Warum sollten wir das tun? Wir sind nur jemandem verpflichtet – dem Publikum.

Dennoch: Können Sie sie nutzen, etwa, indem man Publikum zu SRF 1 oder SRF 3 rüber bringt? Wir machen keine Programme nach Marketingüberlegungen.

Wirklich nicht? Ab und zu wird auch auf diesen Angeboten gesagt, dass es SRG-Programme sind. Nein, wir sind kein kommerzielles Unternehmen, wir sind nicht auf Gewinn aus und wir haben keine Gesellschafter, die am Ende des Jahres eine Rendite erwarten. Wir machen Programme, die das Publikum mag, und dazu gehören auch diese drei kleinen Spartenprogramme. Das sind ergänzende Programme von denen das Publikum einen Nutzen hat.
„Radio ist ein Medium, das sich nicht so schnell bewegt.“
SRF-Direktor Ruedi Matter
Radio SRF generell verzeichnete einen leichten Rückgang beim Marktanteil. Sie führen dies darauf zurück, dass verschiedene private Lokalradios seit einem Jahr über DAB+ auch sprachregional verbreitet warden. Dieses Jahr sollen weitere 18 solche DAB+-Sender hinzukommen. Heisst das, dass der SRF-Marktanteil weiter zurückgehen könnte, oder haben Sie eine Gegenstrategie? Die neue sprachregionale Verbreitung der wichtigsten privaten Lokalsender hatte beim gesamten Programmangebot von SRF bloss einen geringen Effekt von weniger als 2 Prozentpunkten. Einzelne unserer Spartensender sind in derselben Zeit gewachsen. Klar ist: Die grossen Sender SRF 1 und SRF 3 werden sich auf hohem Niveau behaupten, aber auch mal etwas Publikum verlieren, wenn der Wettbewerb intensiver wird. Es liegt in der Natur der Sache, dass die breit aufgestellten Marktführer verlieren, wenn neue Angebote im Markt auftauchen.

Gibts eine Gegenstrategie? Wir entwickeln unsere Programme ständig weiter. Das ist aber keine Gegenstrategie sondern ein normaler Prozess, den jedes Medienhaus durchläuft. SRF 1 hat die Morgensendung letztes Jahr deutlich akzentuiert, SRF 3 hat den Informationsanteil in der Morgen-Primtime und am Abend ausgebaut, auch die Mittagssendung mit Stefan Büsserer ist völlig neu. Aber das sind laufende Entwicklungen. Wir schauen nicht jeden Tag auf die Hörerzahlen. Radio ist ein Medium, bei dem man Effekte erst über längere Zeit sieht. Bei Radio SRF 2 Kultur nahmen wir vor drei Jahren markante Veränderungen im Programm vor, bauten zum Beispiel morgens die Kulturinformationen aus. Doch erst letztes Jahr konnten wir feststellen, dass SRF 2 wieder leicht wächst. Radio ist ein Medium, das sich nicht so schnell bewegt.




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