SLK-Bilanz 2017

Lauterkeitskommission behandelt 82 Beschwerden / Sexismus prozentual am häufigsten beklagt

Die Beschwerde gegen diese Skulptur wurde abgewiesen: Die SLK stufte sie als nicht sexistisch ein
SLK
Die Beschwerde gegen diese Skulptur wurde abgewiesen: Die SLK stufte sie als nicht sexistisch ein
Die Schweizerische Lauterkeitskommission (SLK) hat 2017 insgesamt 82 Beschwerden behandelt, was einem Rückgang von rund 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dabei ging es prozentual am häufigsten um Geschlechterdiskriminierung (18,2 Prozent, dicht gefolgt von aggressiven Verkaufsmethoden (17,1 Prozent), deren Anzahl allerdings stark gesunken ist (2016: 26 Prozent).
Die Beschwerde gegen dieses Motiv hiess die SLK gut und empfahl, künftig auf dieses Werbesujet zu verzichten
Die Beschwerde gegen dieses Motiv hiess die SLK gut und empfahl, künftig auf dieses Werbesujet zu verzichten (© SLK)
Von den 82 Beschwerden hiess die SLK 55 Prozent gut, 41 Prozent wies sie ab und 4 Prozent wurden nibehandelt. 13 Beschwerdeführer oder Beschwerdegegner akzeptierten ihren Entscheid in erster Lesung nicht und legten Rekurs ein­ – allesamt erfolglos. 
Die Beschwerde gegen diese Skulptur wegen geschlechterdiskriminierender Darstellung wurde gutgeheissen
Die Beschwerde gegen diese Skulptur wegen geschlechterdiskriminierender Darstellung wurde gutgeheissen (© SLK)
Das meistgesuchte Thema mit 12 Anfragen war die geschlechterdiskriminierende Werbung und Fragen zum Frauenbild in der Werbung. Zunehmend mehr Resonanz bei den Medien erzielte die Online­werbung und dort spezifisch Native Advertising und Influencer-Werbung, während dazu bei der SLK noch keine Beschwerde eingegangen ist. Im vergangenen Jahr erhielt die SLK 48 Medien­anfragen und damit nochmals fünf mehr als im Vorjahr. Das lässt vermuten, dass das Thema faire Werbung als Teil des Konsumentenschutzes in Zeiten von Fakenews und Lügenpresse an Aktualität gewonnen hat. 

In diesen Medien wurden die meisten Motive gezeigt, über die Beschwerde eingelegt wurde
In diesen Medien wurden die meisten Motive gezeigt, über die Beschwerde eingelegt wurde (© SLK)
Der Anteil der Beschwerden wegen unlauterer Onlinewerbung lag 2017 bei 38,3 Prozent und damit leicht über dem des Vorjahres (37 Prozent). Dieser Anteil spiegelt die Entwicklung der Medien wieder: 2009 gingen nur knapp zehn Prozent der Beschwerden aufs Konto von digitalen Anzeigen. Auch wenn dieser Prozentsatz in den nächsten Jahren sicherlich noch ansteigt, wird es wohl noch ein Weilchen dauern, bis der beste­hende Rekord gebrochen wird. Unmittelbar vor der Jahrtausend­wende erreichte die Anzahl Beschwerden gegen Direktwerbe-Massnahmen den Kulminationspunkt mit mehr als 70 Prozent aller Beschwerden. Die entsprechende Anzahl ging danach kontinuierlich zurück und pendelte sich seit 2010 zwischen 10 und 15 Prozent aller Beschwerden ein.

Tätigkeitsbericht
Der Tätigkeitsbericht kann von der Website der SLK – faire-werbung.ch – kostenlos heruntergeladen werden.
Einen ähnlichen Verlauf zeigen die Beschwerden wegen Telefonanrufen oder Faxmeldungen trotz Stern­eintrags. Nachdem sie unmittelbar nach der Jahrhundertwende noch deutlich weniger als zehn Prozent ausmachten, häuften sich solche Anrufe, die vor allem auf das Konto der Krankenkassen gingen, bis auf knapp 60 Prozent aller Beschwerden im Jahr 2011. Diese starke Zunahme hatte zur Folge, dass das Ge­setz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) auf den 1. April 2012 hin mit Spezialbestimmungen zum Telefonmarketing ergänzt worden ist. Seither können entsprechende Beschwerden auch beim SECO – das da­mit seither regelrecht überflutet wird – sowie bei den Konsumentenorganisationen eingereicht werden. Mit dem Ergebnis, dass die sogenannten Individualbeschwerden bei der SLK kontinuierlich auf gerade mal knapp sieben Prozent im letzten Jahr zurückgegangen sind.

Der Anteil der Konkurrenzbeschwerden ist 2017 stark gestiegen
Der Anteil der Konkurrenzbeschwerden ist 2017 stark gestiegen (© SLK)
Knapp 11 Prozent aller Beschwerden 2017 waren sogenannte Konkurrenz­beschwerden. Diese richten sich gegen die Werbung eines Mitbewerbers der gleichen Branche und sind zumeist juristisch sehr komplex und elaboriert. Das beweist, dass es Unternehmen mehr und mehr schätzen, ohne grossen Aufwand, in sehr kurzer Zeit und mit marginalen Kosten eine Beurteilung der Werbung eines Mitbewerbers zu erhalten. Umso mehr als ein solcher Entscheid dank der Kompetenz der Kammermitglieder und Fachexperten einem Gerichtsurteil sehr nahe kommt. Was die Bran­chen selbst betrifft, ragt keine besonders heraus. Die meistbetroffene «Lebensmittel + Getränke» kommt gerade einmal auf gut zehn Prozent aller Beschwerden, gefolgt von «Freizeit, Touristik, Hotel + Restaurant» sowie «Kosmetik und Körperpflege». Auffällig ist der Rückgang der Anzahl Beschwerden im Zusammenhang mit Banken und Versicherungen auf mittlerweile gerade einmal zwei Prozent. Das ist ebenfalls auf die strengeren Bestimmungen zum Telefonmarketing zurückzuführen.ems

stats