Radionutzung Schweiz

Digitale Nutzung nimmt langsam zu, doch IP-Radio überholt erneut DAB+

Radionutzung nach Empfangsart CH 2. Sem. 16
GfK Switzerland, DigiMig-Befragung
Radionutzung nach Empfangsart CH 2. Sem. 16
Themenseiten zu diesem Artikel:
Der Trend zur digitalen Radionutzung kommt nur schleichend voran: Die Schweizer haben im 2. Halbjahr 2016 von 100 Radiominuten durchschnittlich 54 Minuten per DAB+ oder IP-Radio (Internetradio) gehört, eine Minute mehr als im 1. Semester 2016. Doch die DAB+-Nutzung ist sogar leicht rückläufig.

Die aktuelle GfK-Studie besagt, dass mittlerweile 54 Prozent der Schweizer Bevölkerung digitales Radio hören, davon 26 Prozent über DAB+, 28 Prozent über Internet (IP-Radio). Der Vorsprung des Internetradios allein ist nicht dramatisch, immerhin hatte diese Verbreitungsart schon einmal die Nase vorn – im 2. Halbjahr 2015 – und damals gar um drei Minuten. Beunruhigend am neuen Studienresultat ist aber, dass die DAB+-Nutzung erstmals leicht rückläufig ist, lag sie doch im ersten Halbjahr 2016 noch bei 27 Prozent. Ein Vorsprung der Internetverbreitung bei gleichzeitigem Rückgang der DAB+-Nutzung – diese Kombination dürfte die Radiobranche nervös machen. Denn nur mit DAB+ lässt sich das bisherige Geschäftsmodell mit linearen Radioprogrammen vom analogen ins digitale Zeitalter hinüberretten. Im Internet ist nicht nur die Konkurrenz um ein Vielfaches grösser, dort mischen auch Aggregatoren und Streamingdienste mit, die die Inhalte der einzelnen Sender mit jenen anderer Radios mixen – auf Kosten der Sendermarken. Hinzu kommt: Nur wenn die DAB+-Nutzung tüchtig zunimmt, lässt sich auch rechtfertigen, dass man schon in wenigen Jahren das teurere UKW-Sendernetz abschalten will.

Radionutzung (in Prozent) nach Empfangsart und Altersgruppen
Radionutzung (in Prozent) nach Empfangsart und Altersgruppen (© GfK Switzerland, DigiMig-Befragung)
Doch zurück zur Studie: Das digitale Radio (IP und DAB+) konnte bei allen Altersgruppen zulegen. Die älteren Radionutzer steigen dabei eher auf DAB+ um, bei den Hörern zwischen 15 und 34 Jahren wachsen die Nutzeranteile des Internetradios prozentual am stärksten. Von Herbst 2015 bis Herbst 2016 stieg der Anteil des IP-Radios dort um 8 Prozent.
Radionutzung (in Prozent) nach Empfangsart und Sprachregion
Radionutzung (in Prozent) nach Empfangsart und Sprachregion (© GfK Switzerland, DigiMig-Befragung)
Mit 28 Prozent wird in der Deutschschweiz weiterhin mehr DAB+ gehört als in den anderen Sprachregionen. Im letzten Halbjahr hat aber die Westschweiz um 2 Prozent zugelegt – auf 25 Prozent. Der Löwenanteil der DAB+ Nutzung insgesamt passiert auf stationären Radiogeräten, dort ist im letzten Halbjahr ein zweiprozentiges Wachstum der DAB+ Nutzung zu verzeichnen. Auch bei Autoradios wächst DAB+: Innerhalb des letzten Jahres um 4 auf 21 Prozent. Dennoch geschieht 73 Prozent der Nutzung im Auto noch analog per UKW-Radio.

Seit Frühling 2015 ermittelt GfK Switzerland im Auftrag der Arbeitsgruppe DigiMig mit einer Online-Befragung und telefonischen Interviews halbjährlich den Stand der digitalen Radionutzung in der Schweiz: Im zweiten Semester 2016 wurden dazu 2530 Personen ab 15 Jahren befragt. knö
Arbeitsgruppe "Digitale Migration" (DigiMig)
Im Frühling 2013 bildete die Radiobranche zusammen mit dem Bundesamt für Kommunikation (Bakom) die Arbeitsgruppe "Digitale Migration" (AG DigiMig). Darin vertreten sind der Verband Schweizer Privatradios (VSP), die Union Romande des Radios Régionales (RRR), die Union der nicht kommerzorientierten Lokalradios (Unikom), die SRG SSR, das Automobilgewerbe und weitere Branchenkreise. In der Schweiz soll Digitalradio den analogen UKW-Empfang ab 2020 schrittweise ablösen. Ende 2014 legte die AG DigiMig dem Bundesrat ein Szenario für den Umstieg von analog auf digital vor. Bereits heute verbreiten die SRG und die meisten Privatradios ihre Radioprogramme parallel zu UKW auch über DAB+, einige sogar ausschliesslich digital.



stats