Goldbach Audience

Werden die Goldbach-Aktionäre die neue RTL-Beteiligung goutieren?

Drei Cash-Cows im Goldbach-Stall: Wie wird der Goldbach-Verwaltungsrat den Gruppen-Aktionären erklären, dass RTL nun auch noch die dritte Goldbach Audience melken darf?
Drei Cash-Cows im Goldbach-Stall: Wie wird der Goldbach-Verwaltungsrat den Gruppen-Aktionären erklären, dass RTL nun auch noch die dritte Goldbach Audience melken darf?
Das sich RTL nach Goldbach Media und Swiss Radio World auch noch an Goldbach Audience beteiligen will, ist nachvollziehbar – das Geschäft mit der Onlinevideo-Werbung ist zu lukrativ. Erstaunlich ist aber, dass sich Goldbach-Verwaltungsrat auf diese Beteiligung bei einer dritten Tochter einliess. Den Gruppen-Aktionären wird er wohl einiges erklären müssen.
Hauptumsatz- und -gewinnbringer der Goldbach Group ist das TV-Geschäft in der Schweiz, vorab jenes mit deutschen Werbefenstern. Ein grosser Teil dieser Werbevermarktung wird von der Tochterfirma Goldbach Media (Switzerland) AG abgewickelt, an der aber die deutschen PrivatTVs ProsiebenSat1 und RTL zu je 23 Prozent beteiligt sind (und 50 Prozent der Stimmrechte halten). Die Folge dieses historisch bedingten Konstrukts: Die deutschen Minderheitsaktionäre erhalten nicht nur die auf ihren Sendern erzielten Werbeeinnahmen, sondern schöpfen auch knapp die Hälfte des Gewinns von Goldbach Media ab, bevor dieser der gesamten Gruppe zugute kommt.

Dasselbe gilt – wenn auch auf viel tieferem Niveau – für das Radiogeschäft, das seit der Weko-Intervention 2013 in die Swiss Radio World ausgegliedert wurde: Auch dort sind ProSiebenSat1 und RTL zu je 23 Prozent beteiligt, und auch dort streichen sie fast die Hälfte des Gewinns ein, bevor die Gruppe damit etwas anfangen kann.

Die Goldbach Group kann somit nur gerade über gut die Hälfte des Gewinns aus dem TV- und Radio-Geschäft verfügen, um Investitionen oder Akquisitionen zu tätigen – oder wie in einigen der letzten Jahren Portfoliobereinigungen in Ost- und Südosteuropa oder Abschreiber zu bezahlen.

Ausländische Aktionäre melken die Cash-Cows

Das wiederum vermindert natürlich den Gewinn der Gruppen-Aktionäre. So schaute etwa im letzten Jahr für die Gruppen-Aktionäre ein bereinigter Restgewinn von 7.5 Millionen Franken heraus, während RTL und ProSiebenSat1 als Minderheitsaktionäre von Goldbach Media und Swiss RadioWorld fast das Doppelte einstreichen konnten (insgesamt 14,1 Millionen Franken). Noch extremer war das Missverhältnis im Jahr 2014: Damals betrug der Restgewinn bloss 2,5 Millionen Franken, während die beiden ausländischen TV-Ketten insgesamt das Vierfache nach Hause tragen konnten (10 Millionen Franken).

Kein Wunder, führte dieser Umstand an der Generalversammlung im April 2015 zu Wortmeldungen unzufriedener Aktionäre. Verwaltungsratspräsident Jens Alder und CFO Lukas Leuenberger versuchten damals zu beschwichtigen: Man gehe davon aus, dass das Online-Geschäft langfristig mehr Umsatz und Gewinn generieren werde als das TV-Geschäft. Deshalb investiere die Gruppe auch in entsprechende Zukunftsmärkte. Das Signal an die Goldbach-Aktionäre war damit klar: Weil die neuen Aktivitäten von einer anderen Goldbach-Tochter – zum Beispiel von Goldbach Audience – abgewickelt werden, die zu 100 Prozent im Besitz der Gruppe ist, käme dann deren gesamter Gewinn der Gruppe und den Gruppen-Aktionären zugute. Es braucht nur noch etwas Geduld.

Nun aber, kaum fängt die Onlinevideo-Werbung an einzuschenken, lässt der Goldbach-Verwalungsrat – vermutlich nicht ganz freiwillig – also RTL ausgerechnet auch bei der künftigen Cash Cow Goldbach Audience ran: Die deutsche TV-Kette darf den Milcheimer zu einem Viertel ausstrinken, bevor die Aktionäre auch nur einen Tropfen davon sehen. Angesichts der Erklärungen an der GV 2015 kommt dies schon fast einem Wortbruch gleich, und die Goldbach-Aktionäre dürften sich nun zu Recht ziemlich verschaukelt vorkommen. Umso mehr, als der neue Deal mit RTL nur drei Wochen nach der letzten Generalversammlung kommuniziert wurde!

"Äusserst wertschöpfend und wichtig für Goldbach-Aktionäre"

Doch was sagt man bei Goldbach Group dazu? HORIZONT Swiss fragte bei Jürg Bachmann, Kommunikationsleiter der Goldbach Group nach:
Jürg Bachmann
Jürg Bachmann (© zvg.)

Warum liess sich Goldbach überhaupt auf einen solchen Beteiligungs-Deal bei einer weiteren Tochterfirma ein?
Die Partnerschaft mit der Mediengruppe RTL Deutschland erfolgt im Zuge des Bestrebens hin zu konvergenten Medien.

Die Erfahrung zeigt: 
Aus Sicht der Goldbach Group-Aktionäre mindern Drittbeteiligungen bei Goldbach-Töchtern die Attraktivität der GG-Aktien. Denn RTL und auch ProSiebenSat1 schöpfen bei den lukrativen Geschäften der Goldbach Group jeweils schon einen Grossteil des Gewinns abn, während die Goldbach-Aktionäre jeweils (auch) grosse Teile an Wertberichtigungen, Investitionen oder Verlusten tragen müssen. Warum geht die Goldbach Group solche Deals zum Nachteil der Gruppen-Aktionäre ein? Aus der Beteiligung werden sich positive Impulse für die Zusammenarbeit ergeben, was die die Strategie der Goldbach zur Konvergenz in den Medien langfristig absichert.

Der Goldbach-Verwaltungsrat hat mehrfach versprochen, dass er den Goldbach-Aktionären das Anlegen wieder interessanter machen will. Jetzt scheint er mit der driiten RTL-Beteiligung genau das Gegenteil zu tun. 
Die Beteiligung macht das Anlegen für Goldbach-Aktionäre sicherlich interessanter. Erstens baut die Goldbach damit auf die langfristige strategische Zusammenarbeit, was durchaus wertschöpfend für die Goldbach Group ist. Zudem hat die Goldbach Group einen fairen Marktwert für Beteiligung erhalten. Drittens werden wir uns mit der Partnerschaft im Online-Geschäft deutlich schneller und besser weiterentwickeln können. Diese drei Punkte machen deutlich: Diese Beteiligung ist äusserst wertschöpfend und auch wichtig für die Goldbach-Aktionäre.

Der Kursverlauf bei der Goldbach-Aktie 2013 bis heute.
Der Kursverlauf bei der Goldbach-Aktie 2013 bis heute.

Aktienkurs hat sich fast verdoppelt

Ob dies zutrifft, wird die Zukunft weisen. Und ob diese Antworten zu befriedigen vermögen, müssen die Goldbach-Aktionäre beurteilen. Umgekehrt gilt zu bedenken: In einem Punkt haben Verwaltungsratspräsident Jens Alder und sein CEO Michi Frank Wort gehalten: Als sie antraten, versprachen sie, ein unternehmerisches Wachstum zu schaffen, welches sich auch im Wachstum des Börsenwertes der Goldbach Group niederschlagen werde. Das war vor zwei Jahren absolut nicht der Fall: Damals räumte auch Alder ein, dass die Goldbach-Aktie, die an der SIX Swiss Exchange gehandelt wird, bis dahin keinen Gewinn abgeworfen hatte. Im Gegenteil: 2007 wurde sie zu 50 Franken ausgegeben, fiel dann rasch in die Tiefe und wurde lange um 20 Franken gehandelt. Mittlerweile ist der Kurs aber auf rund 35 Franken gestiegen, und auch die Dividende wurde sukzessive erhöht. knö


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