Publicitas am Schlingern

Die Hälfte der 10 grössten Werbekunden sieht sich nicht tangiert.

Die 10 grössten Werbeauftraggeber sind unterschiedlich von der Krise bei und um Publicitas betroffen.
Die 10 grössten Werbeauftraggeber sind unterschiedlich von der Krise bei und um Publicitas betroffen.
Eine Umfrage unter den 10 grössten Werbeauftraggebern zeigt: Fürn von ihnen haben schon bisher direkt bei den Verlagen gebucht, für sie ändert weder die aktuelle Krise bei Publicitas noch der Aufruf der Grossverlage zum Direktbuchen etwas. Mindestens zwei wollen nicht darüber reden.
Das waren 2017 die 10 grössten Werbauftraggeber der Schweiz
Das waren 2017 die 10 grössten Werbauftraggeber der Schweiz (© MediaFocus / SWA-Jahresbericht)
Migros, Coop, Procter & Gable, Ferrero, Swisscom, Lidl, Unilever, Aldi, Digitec und Nestlé – sie waren 2017 die grössten Werbeauftraggeber. Was ändert der Aufruf der Grossverlage, nicht mehr über Publicitas zu buchen, für sie? Halten sie sich daran? Oder sistieren sie nun Aufträge oder Zahlungen? Diese Frage stellte HORIZONT Swiss an die erwähnten Firmen. Nicht ganz alle antworteten (Nestlé, Unilever, Ferrero). Aber die meisten. Einige allerdings sehr verhalten.
(© zvg)
So etwa der grösste Auftraggeber, der Migros-Genossenschaftsbund, der erklärtermassen grosse Budgets über die Publicitas abwickelt. "Wir äussern uns zur Zeit nicht zu dieser Angelegenheit", schrieb Sprecher Luzi Weber nach Anfragen an Mediachef Philipp Marquard. Mehr gabs nicht. Was andererseits auch tief blicken lässt.
Als ausweichend ist die Antwort von Corina Milz, Head of Corporate Communications von Lidl Schweiz, zu bezeichnen. "Wir wickeln unsere Aufträge über unsere Mediaagentur Havas Media ab, welche eine korrekte Abwicklung in diesem Fall sicherstellt", schrieb sie. Was ja die eingangs gestellte Frage überhaupt nicht beantwortet. Deshalb hakte HORIZONT Swiss nach: Welche Anweisungen gab Lidl der Havas für die aktuelle Situation? Dazu Milz, allerdings um keinen Deut konkreter: "In Koordination mit unserer Mediaagentur werden wir die Situation beobachten. Wir bitten Sie um Ihr Verständnis, dass wir Ihnen zu diesem Thema keine Angaben machen können." Was wohl von einiger Verlegenheit zeugt.
Anders bei Coop Schweiz, der Nummer 2 unter den Auftraggebern. Dort teilte Marketingleiter Thomas Schwetje telefonisch mit, dass sein Unternehmen "überhaupt nicht betroffen" sei. "Bei allen Verlagen, die jetzt die Zusammenarbeit mit Publicitas aufgekündigt haben, buchen wir schon seit über 10 Jahren direkt. Und bei allen übrigen haben wir dort, wo es möglich ist, ohne die P zu buchen, dies ebenfalls direkt getan - und zwar inhouse", sagte Schwetje.
Ganz ähnlich lautete die Stellungnahme von Swisscom, der Nummmer 5: "Swisscom bucht seit mehreren Jahren die meisten Verlage direkt via ihre Medienagentur. Ausnahme sind einige wenige Titel, die Publicitas exklusiv unter Vertrag hat. Hier erfolgt der Auftrag über die Publicitas, die Zahlung erfolgt aber jeweils direkt an die Verlage", schrieb Sprecher Armin Schädeli. Zur Auftragssumme, die über die P gebucht wird oder werden muss, wollte er keine Angaben machen.
Aldi Suisse reagierte nahezu identisch: "
Aldi Suisse hat in der Vergangenheit lediglich punktuell regionale Anzeigen über Publicitas gebucht. Wir sind aktuell von besagten Geschehnissen nicht betroffen", teilte Philippe Vetterli von der Medienstelle mit. Und zum Volumen, das über die P läuft, mache er keine Angaben.
Bei Procter & Gamble, der Nummer 3, teilte eine Sprecherin mit: "In der Schweiz arbeiten wir mit der Mediaagentur Mediacom zusammen – und diese bucht bei den Verlagen direkt." Weitere Fragen wollte sie "nicht kommentieren".
Bleibt noch Digitec Galaxus: "Für uns ändert sich gar nichts", sagte Sprecher Alex Hämmerli. Denn sein Unternehmen habe inhouse eine Mediaplanerin und "eigentlich noch nie über Publicitas gebucht." knö




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