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Wie Jörg Nürnberg die Perle P polieren will

Jörg Nürnberg
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Jörg Nürnberg
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Jörg Nürnberg ist ein Manager mit Erfahrung in Sachen Restrukturierung. Aber er sieht sich bei der Publicitas nicht nur als Sanierer, sondern als Unternehmer mit langem Atem.
Zusammen mit seinem Management-Kollegen Carsten Brinkmeier und einem weiteren Partner hat der gebürtige Hamburger den traditionsreichen Vermarkter im vergangenen Jahr übernommen. Im HORIZONT-Interview spricht er über das Management-buy-out und erläutert, warum die traditionsreiche P außerhalb der Schweiz jetzt New Base heißt.

Was macht die Publicitas attraktiv? Wir sind erstens davon überzeugt, dass die Publicitas im Schweizer Markt eine wichtige Rolle spielt. Das wird uns von Kunden und Agenturen auch bestätigt. Nur wir sind in der Lage, eine Vielzahl von hochkomplexen Buchungen bis hin zu den kleinsten regionalen Zeitungstiteln abzuwickeln. Und zweitens: Im internationalen Geschäft ist unser traditionelles Repräsentanz-Business stark unter Druck, das ist ein knallharter Markt. Deshalb setzen wir dort vor allem auf das Digitale, mit dem wir auch nationales Geschäft machen können, was wir bisher nicht konnten.

Außerhalb der Schweiz heißt die Publicitas nicht mehr Publicitas, sondern New Base. Was ist new an dieser Base? Die Publicitas hat eine 127-jährige Geschichte, in der Schweiz kennt jeder den Namen. Es gab viel negative Presse in den vergangenen Jahren, trotzdem haben wir eine starke Brand. Daran halten wir fest. International ist der Name Publicitas allerdings direkt mit Print verknüpft. Wir wurden als reiner Printvermarkter wahrgenommen, obwohl wir bereits 45 Prozent Digitalgeschäft haben. Um bei großen Pitches und Kampagnen ernst genommen zu werden, brauchen wir die neue Basis.

Mit ihrem klassischen Geschäft, der Auslandsvermarktung von Printprodukten, ist die Publicitas in der ganzen Welt aktiv. Sie können im Digitalgeschäft nicht rund um den Globus die nationalen Märkte erobern. Natürlich nicht. Unsere 26 Auslandsgesellschaften bedienen etwa 100 Märkte. Wir priorisieren ganz klar. Große Märkte wie England, Frankreich, die USA stehen im Vordergrund.

Deutschland auch? Ja, auch Deutschland. Aber nicht in dem Sinne, dass wir Ströer oder Media Impact herausfordern. Wenn wir 2 bis 3 Prozent Marktanteil erobern, haben wir eine Menge geschafft. Es geht vor allem darum, große Agenturen und international agierende Mittelständler zu unterstützen, auch auf dem deutschen Markt.

Und die Auslandsvermarktung der Printprodukte? Die bleibt unberührt davon. Unternehmen aus dem Finanzsektor, Luxusprodukte, Uhren, Mode, die brauchen Print für ihre Marken. Es ist doch nicht sinnvoll, sich nur auf einen Kanal zu konzentrieren.

Welche Perspektiven sehen Sie für das Kerngeschäft der P in der Schweiz? In Deutschland schließen sich die Verlage ja gerade zu größeren Vermarktungseinheiten zusammen, Media Impact zum Beispiel oder Score Media. Genau. Die Industrielogik führt zu Geschäftsmodellen, wie sie die Publicitas schon immer verfolgt hat. Viele Verleger merken, dass sie nicht die kritische Masse haben, um das Geschäft allein zu machen. Ich bin zuversichtlich, dass es in der Schweiz wieder eine Gegenbewegung geben wird. Wenn wir das Schiff stabilisiert haben, können wir auch das Regiegeschäft mit den Verlagen wieder ausbauen. Wir sind der einzige unabhängige Medienvermarkter in der Schweiz, bei uns können Sie jeden Titel buchen. Die Schweiz steht immer noch für etwa 40 Prozent unseres Umsatzes.

Sind Sie jetzt selbst eine Private-Equity-Firma? Oder ein Start-up, dessen Gründer demnächst den Exit anstreben? Weder noch. Wir sind einfach Unternehmer. Wir haben keine anderen Engagements. Wir glauben, dass die Publicitas eine Perle ist. Die wollen wir polieren. Da hängt das Wohl und Wehe unserer Familien dran, und das unserer Mitarbeiter. Superloyale Mitarbeiter, die in den vergangenen acht Jahren viel mitgemacht haben, auch viel Mist.

Sehen Sie das Unternehmen nach wie vor in der Sanierung? Ja, das würde ich schon so nennen. Wir sind operativ nah an der schwarzen Null, aber ein ruhiger Wellengang ist das noch nicht. Auf der Kostenseite haben wir zu großen Teilen erledigt, was zu erledigen ist, auch mit tiefen und schmerzhaften Schnitten. Jetzt konzentrieren wir uns auf Marktaktivitäten, um wieder eine echte Vertriebsgesellschaft zu werden.


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