Public Eye

"Dirty Diesel"-Kampagne in Genf beendet / Container mit Dreckluft abgeliefert

Gemeinsam mit 19.071 Unterschriften übergab Public Eye die Kanister mit ghanaischer Dreckluft an den Rohstoffhändler Trafigura.
Mark Henley / Panos, © zvg. © Mark Henley / Panos
Gemeinsam mit 19.071 Unterschriften übergab Public Eye die Kanister mit ghanaischer Dreckluft an den Rohstoffhändler Trafigura.
Zusammen mit einem Container voll dreckiger Luft aus Ghanas Hauptstadt Accra hat die NGO Public Eye (ehemals "Erklärung von Bern") in Genf Trafigura eine Petition übergeben, die den Rohstoffriese auffordert, künftig auch in Afrika Treibstoffe zu verkaufen, die europäischen Standards genügen.

Begleitet von Klängen afrikanischer Trommeln und Dutzenden von Aktivistinnen und Aktivisten hat Public Eye den Container mit Dreckluft aus Accra und die 19.000mal unterzeichnete Petition vor dem Hauptsitz von Trafigura abgeliefert. "Diese symbolische 'Return to Sender'-Aktion war eine unmissverständliche Einladung an den Schweizer Rohstoffkonzern, seine systematische Ausnutzung lascher afrikanischer Schwefelstandards endlich zu stoppen und – als erster Lieferant von sauberem Diesel und Benzin – seinen Nachhaltigkeitsversprechen endlich Taten folgen zu lassen", schreibt Public Eye.

Trafigura habe die Petition zwar entgegengenommen, verstecke sich aber weiter hinter der Legalität seines giftigen Geschäftsmodells und der alleinigen Zuständigkeit afrikanischer Regierungen. Mit dieser unethischen Haltung stehe Trafigura allerdings nicht alleine da: "Die von den 'Dirty Diesel'-Enthüllungen genauso betroffenen Vitol, Glencore, Addax & Oryx und Mercuria stellen ihre Profitmargen in Afrika ebenfalls über die Gesundheit von Millionen von Menschen."

Was aber brachte die wochenlange Kampagne? Am meisten wohl in Ghana, wie Publi Eye selbst feststellt: Denn Ghanas Regierung hat den nationalen Schwefelstandard nach starken Protesten massiv verbessert. Im Rahmen eines vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) organisierten Treffens hat die National Petroleum Authority angekündigt, den staatlich erlaubten Schwefelgehalt für Dieselimporte per März 2017 von 3000 ppm (parts per million = Millionstel) auf 50 ppm zu senken, also um den Faktor 60! Der europäische Standard beträgt 10 ppm. Die nationale Raffinerie TOR, welche gerade mal 15 Prozent des Binnenbedarfs deckt, muss ab diesem Termin 500 ppm produzieren und hat bis 2020 Zeit, die für die Qualitätssteigerung auf 50 ppm notwendigen Investitionen zu tätigen.

Anfang Dezember werden sich zudem verschiedene westafrikanischen Regierungen im nigerianischen Abuja treffen, um dieses Thema ebenfalls zu diskutieren.

Auch in der ARA-Region (Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen), wo die "African Quality" hauptsächlich produziert wird, hat der "Dirty Diesel2-Report einen politischen Prozess in Gang gesetzt. So erwägt der Amsterdamer Stadtrat diesem illegitimen Schweizer Geschäftsmodell den Riegel zu schieben.




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