Process

Branding und mehr

Martin Kessler, Markus Gut und Bärbel Fritz (v.l.) sind die Inhaber von Process
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Martin Kessler, Markus Gut und Bärbel Fritz (v.l.) sind die Inhaber von Process
Kompetenzerweiterung, Rebranding, Ausbau: Was Markus Gut, Ex-CCO  bei Y&R, mit seinen Partnern, Mitarbeitern und Kunden  bei Process vorhat.

Wenn Markus Gut etwas macht, macht er es gründlich, ausdauernd und kreativ. In Zukunft will er so vor allem sein eigenes Ding machen – aber ausdrücklich im Team. Dieses Ding trägt den Namen Process, ist unabhängig und die erste Agentur, in der der langjährige Agenturmanager und mehrfach ausgezeichnete Kreative als Mitinhaber eingestiegen ist. Zuvor war Gut für Top-Führungskräfte bei Agenturablegern internationaler Werbenetzwerke ungewöhnlich lang bei Advico Y&R (10 Jahre) und bei Publicis (13 Jahre) tätig.

Auch in diesen Agenturen hat Gut gestaltet, nicht nur Kampagnen, sondern auch seinen jeweiligen Arbeitgeber: So hat er mit seinem Kollegen Andreas Widmer, damals CEO bei Y&R Switzerland, den Schweizer Ableger der WPP-Agentur zu einem Agenturnetzwerk ausgebaut, das bei seinem Abschied aus Dienstleistern für Werbung (Advico Y&R), Digitale Kommunikation (Futurecom), Dialog und CRM (Wunderman), Promotion und Events (Allaccess), Handelskommunikation (Exxtra) und Beratung (Y&R Consulting) bestand.

Das neue Logo der Process Group
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Das neue Logo der Process Group
Jetzt ist er erst seit kurzem bei Process, dafür umso intensiver. Seit Anfang Jahr fungiert Gut als CEO der unabhängigen Branding- und Designagentur Process, die in Zürich ihren Hauptsitz sowie je ein Büro in China und in Taiwan betreibt. „Der grösste Unterschied zu meinen früheren Jobs ist die Möglichkeit, als Unternehmer etwas zu gestalten“, sagt er. Ein Traum sei mit dem Einstieg bei Process für ihn in Erfüllung gegangen: „CEO, Mitinhaber und Branding – das sind drei Dinge, die den Schritt für mich sehr verlockend gemacht haben, als Martin Kessler mit der Idee auf mich zugekommen ist“, berichtet er.

Kessler hat Process 1995 gemeinsam mit Bärbel Fritz gegründet. Mit ihr und Gut stellt er heute das Inhabertrio, ist aber im Gegensatz zu der internationalen Kreativchefin nicht mehr operativ eingebunden, sondern als Verwaltungsratspräsident tätig und rund sechs Monate im Jahr in Asien tätig. Ein gelungenes Arrangement für Gut, dem so die Möglichkeit zur Gestaltung garantiert und Unterstützung in den Offices in Schanghai und Taipeh gesichert ist, die seit 2001 beziehungsweise 2006 zur Gruppe gehören. „Ich habe ja Familie und kann nicht die Hälfte des Jahres in China und Taiwan verbringen“, sagt Gut, der aber demnächst einen Antrittsbesuch in seiner neuen Funktion dort machen wird.
Markus Gut: Seit 2018 CEO der Process Group
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Markus Gut: Seit 2018 CEO der Process Group
Die beiden asiatischen Büros arbeiten tatsächlich sehr eigenständig. Die Kunden akquirieren sie vor Ort und betreuen sie, geführt vom einheimischen Management, unabhängig von Zürich. Beim Austausch zwischen den Büros geht es nicht darum, beispielsweise einzelne Umsetzungsarbeiten auszulagern. „Wir unterstützen unsere Büros in Schanghai und Taipeh beim Thema Branding. Für die dortigen Hersteller und damit ihre Agenturen ist es sehr wichtig, zu verstehen, wie die westliche Denke bezüglich Marken und Markenbildung funktioniert. Und wir profitieren von ihrem Spirit und dem Wissen über digitale Innovationen“, beschreibt Gut die Zusammenarbeit mit den beiden Offices.

Die operative Verantwortung in Zürich teilt sich der CEO mit Bärbel Fritz sowie den weiteren Geschäftsleitungsmitgliedern Fabian Bertschinger als Creative Director, Consulting Director Martin Fawer und Bruno Manser als Digital Creative Director, der erst im Herbst vergangenen Jahres von Jung von Matt/Limmat zu Process gewechselt ist.
Process-Büro in Zürich
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Process-Büro in Zürich
Gemeinsam stehen sie für das neue Motto von Process: „Branding and Beyond“. „Branding ist die Kernkompetenz, die Process schon immer hatte, das Beyond bin ich“, sagt Gut mit einem Grinsen im Gesicht – schliesslich meint er damit nicht seine Person, dazu ist Gut zu bodenständig, sondern seine Erfahrung und die damit verknüpften neuen Dienstleistungsangebote und Verpflichtungen wie Manser. Beides steht für mehr digitales Know-how im Portfolio der Agentur. „Das Motto steht für unsere Haltung als absolut etablierte Brandingagentur und das Beyond darin steht quasi für ‚Willkommen in der Gegenwart‘“‚ sagt Gut.

Branding-Agentur
Die Process Group betreibt neben ihrem Hauptsitz in Zürich je ein Büro in Schanghai sowie Taipeh. Die Branding-Agenturgruppe beschäftigt 45 Mitarbeiter in den Arbeitsgebieten Digital Branding, Brand Strategy und Brand Communications. Inhaber sind seit 2018 Markus Gut, seit der Gründung 1995 Bärbel Fritz und Martin Kessler. Zur Geschäftsleitung gehören Martin Fawer, Consulting Director, Fabian Bertschinger, CD, und Bruno Manser, Digital CD.
In Dienstleistungen übersetzt heisst das, dass Process Digitales Branding, Brand Strategy und Brand Communication anbietet. Dieses Angebot richte sich an und sei ausgerichtet für Kunden, deren Marken aufgrund der Digitalisierung vor komplexen kommunikativen Herausforderungen stehen, erklärt Gut. Die Lösung für dieses Problem will Process bieten: „Unternehmen müssen relevante Angebote und eine relevante Haltung entwickeln, um in dynamischen Märkten langfristig erfolgreich zu bleiben“, sagt er. Um diese herzustellen, hat Process den sogenannten „Brand Tree“ entwickelt, der zeigt, wie der Branding-Prozess aus Analysis, Content und Customer Experience aufgesetzt wird. Bei allen Schritten (Analyse, Strategie, Konzept, Realisation und Monitoring) gehe es darum, eine klare Haltung in relevante Ideen umzusetzen, die beim Konsumenten an den unterschiedlichen Touchpoints in Form von Content kommunikativ ankommen.
Process-Büro in Zürich
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Process-Büro in Zürich
Dabei setzt Process stark auf die Zusammenarbeit mit dem Kunden. Co-Creation ist das Zauberwort dafür. „Co-Creation ist für uns kein Buzzword, wir leben das wirklich und arbeiten eng mit den Kunden zusammen“, sagt Gut. Umgesetzt wird das Prinzip mit einem Kernteam, das aus den Bereichen Strategy, Client Service, Kreation und Digital besetzt ist, und ab der Konzeptionsphase im Laufe von Projekten immer wieder mit dem sogenannten „Flex Team“ aus Vertretern des Kunden und externen Spezialisten zusammenarbeitet. „So können wir die Spezialisten wählen, die wir brauchen, und den Kunden beispielsweise in Phasen wie der Analyse und Strategie einbinden“, erklärt Gut. Ziel der Arbeitsweise ist auch, die Projekte so flexibel – neudeutsch agil – wie möglich durchzuführen, in kurzen Teilstrecken zu arbeiten, testen und optimieren, ähnlich den Sprints aus dem Projektmanagement-Modell Scrum.

Mehr Mitarbeiter – dieses Ziel haben sich der neue CEO und seine Mitstreiter nicht gesteckt. Wachsen wollen sie vor allem qualitativ, unter anderem mit Spezialangeboten für die Tencent-App Wechat und WOW Interactive Screens. „Wir sind mit 45 Mitarbeitern gross genug, um auch grosse Kunden betreuen zu können“, sagt Gut.ems




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