Presserat

Mit Bilder einer Leiche Menschenwürde grob verletzt

Im Blick-Newsroom entstand im September 2016 ein Artikel, der die Menschenwürde grob verletzte.
"Blick"
Im Blick-Newsroom entstand im September 2016 ein Artikel, der die Menschenwürde grob verletzte.
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"Blick" und "Blick am Abend" haben mit Bildern einer Leiche die Gefühle der Angehörigen "grob missachtet". Der Schweizer Presserat heisst deshalb die Beschwerde der Familie des Verstorbenen gut.
Am 13. September 2016 hatten sowohl "Blick" als auch "Blick am Abend" als auch ihre Onlineportale über den Fund von Überresten einer Leiche durch Schüler in einem Wald berichtet. Der Artikel war mit zwei Bildern illustriert. Das eine zeigte eine Übersicht der Fundstelle, das kleinere einen Schädel in Grossaufnahme. Die Familie des vor Jahren Verstorbenen beklagte beim Presserat, die Fotos hätten Menschenwürde und Opferschutz krass missachtet. Sie hatte vom Tod erst wenige Tage vor der Publikation erfahren.

Der Presserat entschied, beide Fotos überstiegen die Grenze dessen, was durch das Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit gerechtfertigt sei. Auch wenn die Zeitungen den Namen des Verstorbenen nicht nannten.

Der Presserat hielt weiter fest, dass auch die Beschwerdeführenden ihre Beschwerde nur gegen die Verwendung der Bilder gerichtet hätten und nicht grundsätzlich in Frage stelten, dass über den Fund berichtet wurde. Insofern stand das öffentliche Interesse an der vorliegenden Berichterstattung nicht zur Diskussion. Das Ethikgremium erinnert aber daran, dass Journalisten die Menschenwürde stets zu respektieren haben. Und zwar im Text wie bei der Auswahl der Bilder. Letztere hätten aber für den Presserat eine grobe, nicht zu rechtfertigende Missachtung der Gefühle der Angehörigen dargestellt. Er heisst die vorliegende Beschwerde deshalb gut.

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