Neo Advertising-Übernahme

Wettbewerber nehmen’s vordergründig gelassen

Das klassische Plakat an der Litfasssäule konkurriert zunehmend mit digitalen OOH-Lösungen
Markus Knöpfli, © knö.
Das klassische Plakat an der Litfasssäule konkurriert zunehmend mit digitalen OOH-Lösungen
In der geplanten Mehrheitsbeteiligung der Mediengruppe Tamedia am Out-of-Home-Vermarkter Neo Advertising sehen die Konkurrenten nach eigenem Bekunden vor allem eine Stärkung für den gesamten Aussenwerbemarkt in der Schweiz.

"Im Gegensatz zum Printmedienmarkt erachten wir den Aussenwerbemarkt als zukunftsorientiert und mit Wachstumspotenzial", sagt Markus Ehrle, CEO von APG|SGA. "Wir freuen uns aber darüber, dass auch Tamedia an die Aussenwerbung glaubt und mit ihrem Interesse die Attraktivität unseres Mediums bestätigt." Ursulina Stecher, Unternehmenssprecherin bei Clear Channel, unterschreibt: "Die geplante Übernahme der Mehrheit an Neo Advertising ist in erster Linie ein gutes Zeichen für die Mediengattung Out Of Home."

Ganz ohne Auswirkungen wird der Deal jedoch nicht bleiben. Es werde auf jeden Fall Bewegung in den Markt kommen, meint Stecher und befindet sich auch in diesem Punkt im Gleichklang mit Ehrle. "Der Wettbewerb – sowohl im Werbe- wie auch im Beschaffungsmarkt – dürfte sich zweifelsohne weiter intensivieren", glaubt der Chef von APG|SGA, dem unbestrittenen Marktführer mit geschätzt 65 Prozent Marktanteil. Allerdings gibt er sich optimistisch: "In der Aussenwerbung steckt noch viel Potenzial, und zwar aus zwei verschiedenen Gesichtspunkten: das zukunftsweisende der fortschreitenden Digitalisierung mit bewegten Bildern, Interaktion mit Mobile Advertising und emotionalem Storytelling, das andere als traditionelles stilles Medium."

Demnach müsste der OOH-Kuchen auch künftig groß genug für mehr hungrige Vermarkter sein. Insgesamt hat der Markt im vergangenen Jahr jedoch wenig Dynamik gezeigt, glaubt man den Zahlen der Stiftung Werbestatistik Schweiz. Die verzeichnete bei den Netto-Werbeumsätzen mit 449 Mio. CHF im Vergleich zu 2015 Stagnation. Es gab allerdings Verschiebungen, weg vom klassischen Plakat (minus 2.6 Prozent) hin zu digitaler Aussenwerbung (plus 18.7 Prozent). Wobei der DOOH-Topf gerade einmal 42 Mio. CHF groß ist, der für analoge Aussenwerbung achtmal größer.

Von der Entwicklung wollen Tamedia und Neo Advertising unter anderem dadurch profitieren, indem sie Kunden plattformübergreifende Kampagnen mit Print-, Online- und Aussenwerbung anbieten werden. Neo Advertsing betreibt und vermarktet eigenen Angaben zufolge etwa 12.000 digitale und analoge Aussenwerbeflächen in der Deutschschweiz und in der Romandie. Die US-Firma Clear Channel kontrolliert laut einem "NZZ"-Bericht wohl um die 20.000, APG|SGA rund 150.000 Aushänge. Hier hat der Marktführer klare Reichweitenvorteile. Ausruhen kann sich das Unternehmen – bei aller Liebe für das gut gemachte Plakat - darauf aber nicht, weiß auch Ehrle. Die Netze würden immer dichter, die Screens grösser, Technologie und Design immer fortschrittlicher, beschreibt er die Situation. Damit verbunden sei die automatische Aussteuerung und die Nutzung von dynamischen Werbemitteln und entsprechender Leistungsnachweise. Die Branche könne ihre Planungs- und Buchungsprozesse effizienter gestalten, ihre Angebote und Strukturen ließen sich zudem präzise an die Bedürfnisse und Volatilität des Werbemarktes anpassen. Sein Fazit: "Die Zukunft der Aussenwerbung steht klar im Zeichen der digitalen Aufrüstung", so der seit drei Jahren amtierende CEO.




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