NZZ-CEO Veit Dengler

"Die Marke NZZ ist für österreichische Inhalte auf jeden Fall glaubwürdig"

Veit Dengler scheint den Misserfolg von NZZ.at vor allem auf technische Probleme zurückzuführen.
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Veit Dengler scheint den Misserfolg von NZZ.at vor allem auf technische Probleme zurückzuführen.
NZZ.at wird Ende Monat eingestellt. HORIZONT Swiss hat deshalb NZZ-CEO Veit Dengler ein paar Fragen gestellt, die dieser schriftlich beantwortet hat. Die beiden Haupteindrücke aus den Antworten: Die Einstellung von NZZ.at ist primär auf technisches Ungenügen zurückzuführen. Und ein Plan B für die weitere "Internationalisierung der NZZ" besteht derzeit nicht.

NZZ.at ist ein journalistisches Produkt für Österreich, lief aber unter der Marke NZZ. War der Spagat zwischen Österreich-Inhalten und Zürcher (Schweizer) Marke doch zu gross? Litt letztlich die Glaubwürdigkeit für österreichische Inhalte? Die Ausstrahlung der Marke NZZ reicht über die Schweizer Landesgrenzen hinaus. Diese Marke steht für Glaubwürdigkeit – das muss natürlich auch für Österreich-Inhalte gelten. Wir schreiben nicht erst seit NZZ.at über österreichische Politik und Wirtschaft. Wir haben dort Korrespondenten, die das Geschehen in unserem Nachbarland weiter kritisch beobachten und kommentieren werden. Die Marke NZZ ist für österreichische Inhalte auf jeden Fall glaubwürdig. Die NZZ ist eine starke Marke, ihr Versprechen muss sie in allen Produkten einhalten, die NZZ im Namen tragen. Das kann bei einem neuen Produkt herausfordernd sein, etwa wenn es technische Probleme gibt bei einer Marke, die für Qualität und Zuverlässigkeit steht. (Anmerkung der Redaktion: Dengler hatte schon in einem früheren Interview mit HORIZONT technische Probleme angetönt.)

Wie gross sind die Nutzerzahlen auf NZZ.ch aus Deutschland einerseits und Österreich andererseits – ergänzend zu NET Metrix Audit oder Profile, wo nur Schweizer Zugriffe ausgewiesen werden? NET Metrix-Zahlen sind umfragegestützt und unser Net Metrix-Portfolio umfasst verschiedene Angebote. Diese Zahlen sind also nicht mit unseren internen Nutzungszahlen für NZZ.ch vergleichbar. Was wir sagen können: Rund ein Drittel der Visits auf NZZ.ch kommt aus Österreich und Deutschland (davon kommen drei Viertel aus Deutschland, ein Viertel aus Österreich). Auf den sozialen Medien ist der Anteil aus Deutschland und Österreich noch höher.

Die deutschen und österreichischen Zugriffe auf nzz.ch sind für den hiesigen Werbemarkt "unnütz". Gelingt es Ihnen, sie im deutschen oder österreichischen Werbemarkt (wenigstens teilweise) zu monetarisieren? Ja.

Die Einstellung von NZZ.at sei 
"keine Absage an die Internationalisierung", hiess es im Communiqué: Wie sieht Ihr Plan B nun aus? Anders gefragt: Welche andere Formen der Internationalisierung im deutschsprachigen Raum ergreifen Sie nun? Diese müssten Sie nun ja aktiv vorantreiben. Was sind die nächsten Schritte? Wir müssen weiterhin den gesamten deutschen Sprachraum im Blick haben. Deutschland und Österreich bleiben wichtige Märkte für uns und wir werden sie in Zukunft intensiv bearbeiten. Wir wollen aber nicht auf der grünen Wiese isolierte Plattformen mit eigenständigen Redaktionen aufbauen. Vielmehr werden wir in einem ersten Schritt unsere bestehenden Produkte für die verschiedenen Nutzergruppen anpassen, ausbauen und gezielter vermarkten.

Welche Rolle spielt künftig die Internationale Ausgabe der NZZ (die gut 8000 Expl. zählt)? Die internationale Ausgabe ist bei ihren Abonnenten beliebt und hält sich gut. Sie wird auch weiterhin Teil unseres Angebots sein.

Was macht die NZZ mit Video und Datenanalyse in Wien weiter? Wofür bleiben dieser Standort und diese Tätigkeiten gut? Diese Teams arbeiten jetzt schon am Standort Wien für die NZZ Medien, also nicht spezifisch für NZZ.at. Das werden sie weiter tun. Den Standort Wien werden wir beibehalten. Man kann auch dort für die Gruppe arbeiten. knö






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