NZZ – Admeira

Die neue Verflechtung zwischen NZZ und Admeira ist ein erstaunliches Gebilde

Keil oder Brücke? Was das merkwürdige, aber kreative Konstrukt langfristig bewirkt, bleibt abzuwarten.
Keil oder Brücke? Was das merkwürdige, aber kreative Konstrukt langfristig bewirkt, bleibt abzuwarten.
Es ist keine Frage: Die 15-Prozent-Beteiligung von Admeira an der NZZ-Digitaltochter Audienzz und umgekehrt der NZZ-Sitz im Admeira-Verwaltungsrat stehen als Konstrukt ziemlich quer in der Wirtschaftslandschaft. Es lohnt sich deshalb, dieses genauer unter die Lupe zu nehmen und in grösserem Zusammenhang zu sehen.
Normal ist es nicht: Da beteiligt sich Admeira, die umstrittene Werbeallianz von SRG, Swisscom und Ringier, zu 15 Prozent an Audienzz, der NZZ-Tochter, die für Kunden den programmatischen Werbeeinkauf auf in- und ausländischen Websites besorgt. Trotz dieser recht ansehnlichen Minderheitsbeteiligung verzichtet Admeira aber auf einen Sitz im heute zweiköpfigen Verwaltungsrat von Audienzz. Stattdessen geschieht das Umgekehrte: Die NZZ-Mediengruppe, die sich nicht an Admeira beteiligt, erhält einen Sitz im bereits neunköpfigen Admeira-Verwaltungsrat. Das ist unüblich: Wenn, dann nimmt normalerweise der Aktienkäufer im VR jener Firma Einsitz, von der er (grössere) Anteile erstanden hat.

Die NZZ erhält somit regelmässigen und tiefen Einblick in alle strategischen und finanziellen Entscheide bei Admeira – und kann erst noch mitreden und mitstimmen – ohne eigenes finanzielles Risiko. Man kann diesen neuen, durchaus kreativen Deal als vertrauensbildende Massnahme abtun, was er zweifelsohne auch ist. Aber er ist mehr: Er ist ein Tatbeweis dafür, dass Admeira bereit ist, andere Medienhäuser als Partner einzubinden, so sie denn wollen. Noch will dies die NZZ nicht: Sie tritt Admeira nicht bei, sie vermarktet ihr Inventar weiterhin selbst. Aber sie erfährt alles, was man als Verwaltungsratsmitglied erfahren kann. Und wird dies wohl auch in der einen oder andern Form ans Präsidium des Verbands Schweizer Medien weitergeben. Dessen ist man sich bei Admeira zweifelsohne bewusst. So gesehen ist Dominique Von Matt, der für die NZZ den VR-Sitz bei Admeira einnimmt, nicht nur der Vertreter der NZZ im Admeira-VR, sondern indirekt auch der Delegierte des VSM, oder zumindest dessen Ohr. Ob er sich auch als dies sieht, ist eine andere Frage.

NZZ, AZ Meiden und Someida unterstützen die SRG

Klar, Admeira erhält auch etwas, nämlich Bares: Mit der 15-Prozent-Beteiligung kommt sie in den Genuss einer entsprechenden Gewinnbeteiligung. Sie schöpft also beim wachsenden Programmatic-Geschäft der NZZ-Tochter einen Teil des Gewinns ab, noch bevor dieser der gesamten NZZ-Mediengruppe zufliesst. Das Pikante daran: Von dieser Gewinnbeteiligung fliesst ein Teil auch der SRG zu. Die NZZ finanziert also die SRG neuerdings mit. Und was in Chur und Baden das Blut der dortigen Verleger in Wallung bringen dürfte: Audienzz vermarktet unter anderem auch das Onlinenetz der az Nordwestschweiz sowie Südostschweiz.ch. Anders gesagt: Auch sie helfen letztlich mit, den Erzfeind SRG zu unterstützen.

Nun macht das Ganze zumindest aus Verlegersicht einen etwas konfusen Eindruck. Doch diese Annäherung zwischen NZZ und Admeira, die vielleicht auch zu einer Annäherung zwischen VSM und Admeira führt – je nachdem wie gut die NZZ ihre selbstzugeschriebene "Brückenbauerrolle" spielt – diese Annäherung also hat durchaus System, wie Christian Mensch heute in einer lesenwerten Analyse in der "Nordwestschweiz" darlegt. Sie hilft, die neuste Entwicklung im aktuellen Streit zwischen Verlegern und SRG über Admeira, Service public, Werbebeschränkungen, Onlineartikellängen, Gebührenanteile und "No Billag" historisch einzuordnen und auch etwas gelassener zu sehen. knö




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