Moneyhouse

CEO und Unternehmensleitung hatten "unterschiedliche Auffassungen"

So "klar und einfach" war es offenbar doch nicht: Denn genau darüber, wie verständlich und benutzerfreundlich die neue Plattform sein soll, gingen bei der NZZ die Meinungen auseinander.
So "klar und einfach" war es offenbar doch nicht: Denn genau darüber, wie verständlich und benutzerfreundlich die neue Plattform sein soll, gingen bei der NZZ die Meinungen auseinander.
Dass dürre NZZ-Communiqué zum Abgang von Moneyhouse-CEO Stefan Schärer liess erahnen: Man trennt sich nicht so einvernehmlich, wie man es darstellte. Nun bestätigt NZZ-Sprecherin Myriam Käser: Zwischen Schärer und der NZZ-Unternehmensleitung war es zu "unterschiedlichen Auffassungen" gekommen.
Als Stefan Schärer vor knapp zwei Jahren als CEO zu Moneyhouse kam, wurde er von der NZZ-Unternehmensleitung gelobt, nun trennt man sich von ihm ziemlich kleinlaut – wohl weil in der Zwischenzeit der Traffic auf der Wirtschaftsplattform auf ein Langzeit-Tief eingebochen ist. Dies jedenfalls vermutete HORIZONT Swiss. Doch dies scheint nur teilweise richtig zu sein. So machte niemand Stefan Schärer die deutlich gesunkenen Zugriffszahlen zum Vorwurf, sie führten aber zu Diskussionen darüber, was getan werden muss, um den Kundennutzen zu erhöhen. Das geht jedenfalls aus den Antworten hervor, die NZZ-Sprecherin Myriam Käser HORIZONT Swiss zukommen liess. Wörtlich teilte sie mit: "In Bezug auf die Massahmen, die erforderlich sind, um den Kundennutzen zu steigern, gab es zwischen Stefan Schärer und der Unternehmensleitung der NZZ-Mediengruppe teilweise unterschiedliche Auffassungen, die schliesslich zur Trennung geführt haben. Zu den Einzelheiten dieser Meinungsverschiedenheiten geben wir nicht öffentlich Auskunft."
Stefan Scherer verlässt Moneyhouse nach nur zwei Jahren.
Stefan Scherer verlässt Moneyhouse nach nur zwei Jahren. (© zvg.)
Was aber sind denn die Gründe für den Traffic-Rückgang um rund 30 Prozent in nur sieben Monaten – und zwar sowohl auf Ebene Unique Clients (UC), Visits und Page Impressions (PI)? Dazu Käser: "Dieser Rückgang ist auf Technologie und Kundennutzen der Website moneyhouse.ch zurückzuführen, die nicht mehr den Anforderungen entsprach. Sie war beispielsweise nicht responsiv." Mit dem Relaunch im Juni, von Schärer durchgeführt, sei man dieser Erosion nun aber entgegengetreten, ja, man habe die Plattform technologisch und gestalterisch "komplett überarbeitet"Damit sei nun die Basis geschaffen, "um unsere Dienstleistungen kundenzentriert weiterzuentwickeln", schreibt Käser weiter. Das werde sich auch auf den Traffic auswirken. "Die ersten positiven Kundenfeedbacks und Signale nach dem Relaunch bestätigen dies."

Aber eben, "was kundenzentriert" heisst, darüber gingen dann die Meinungen so weit auseinander, dass aus der anfänglich "partnerschaftlichen und guten" Zusammenarbeit zwischen Schärer und Unternehmensleitung eine unüberbrückbare Differenz entstand. "Letztlich haben unterschiedliche Auffassungen darüber, wo die Schwerpunkte in der Strategie-Implementierung liegen sollen, zur Trennung geführt", erklärt Käser.
Wirtschaftsinfos mit Verbesserungspotenzial: Punkto Nutzungszeit steht Moneyhouse, das grösste Wirtschaftsportal, ziemlich am Schwanz.
Wirtschaftsinfos mit Verbesserungspotenzial: Punkto Nutzungszeit steht Moneyhouse, das grösste Wirtschaftsportal, ziemlich am Schwanz.
Eine Frage aber bleibt: Was unternimmt die NZZ denn nun gegen den Traffic-Verlust, der ja auch über den Juni-Relaunch hinaus im Juli noch anhielt. Hier bleibt Käser sehr vage: "Zentral sind aus unserer Sicht der oben erwähnte Relaunch sowie der Ausbau unseres Produktportfolios, den Oliver Schibli, der auf diesem Gebiet viel Erfahrung mitbringt, weiter vorantreiben wird."

Nun ist Moneyhouse zwar das mit Abstand führende Wirtschaftinformationsportal der Schweiz, zumindest was die Anzahl Besucher (UC) angeht. Andere Wirtschaftsplattformen wie cash.chfuw.ch oder finanzen.ch weisen aber teils deutlich mehr Visits und PIs auf – und vor allem höhere Nutzungszeiten als moneyhouse. Ringiers Cash.ch zum Beispiel wird mit 7 Minuten pro Monat und UC mindestens doppelt so lange genutzt wie die NZZ-Plattform. Wie reagiert man darauf an der Zürcher Falkenstrasse? "Die von Ihnen genannten Plattformen basieren auf einem anderen Geschäftsmodell und decken auch andere Kundenbedürfnisse ab. Die Parameter lassen sich daher nur schwer direkt vergleichen. Trotzdem ist die Entwicklung von UC, Visits und Nutzungsdauer für alle Onlinedienste wichtig. Der Relaunch von moneyouse.ch wird sich auch auf die genannten Parameter positiv auswirken und ist daher ein zentraler Entwicklungsschritt", lautete Käsers Antwort.





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