Mobile TV

Im Stream der Zukunft

SPB-TV-Lösung lässt Übertragung längerer Medieninhalte als 360-Grad-Film in Echtzeit zu
SPB TV
SPB-TV-Lösung lässt Übertragung längerer Medieninhalte als 360-Grad-Film in Echtzeit zu
Die Software-Schmiede SPB TV mit Sitz in Zug hat einen neuen Standard für die Übertragung von 360-Grad-Videos auf Smartphones entwickelt. Er könnte zu einem Meilenstein für die VR-Branche werden

Mit rund 30000 Einwohnern ist Zug zwar Hauptstadt des gleichnamigen Kantons, aber definitiv weit davon entfernt, eine Großstadt zu sein. Bekannt ist der Ort vor allem für seine niedrigen Steuern, disruptive neue Technologien erwartet hier eigentlich niemand. Und doch könnte die in Zug ansässige Swiss SPB TV genau das leisten. Das von Kirill Filippov und Sebastian-Justus Schmidt gegründete Unternehmen könnte dem neuen Trendformat „Virtuelle Realität“ endlich den Übertragungsstandard liefern, der ihm noch für den Durchbruch zum Massenmedium fehlt.

Filippov, der von 2002 bis 2004 in Russland Vize-Minister für Telekommunikation und Massenmedien war, wird dabei von einer klaren Vision getrieben, in der die traditionelle Mediennutzung nur noch ein Auslaufmodell ist. „Wenn sich in zehn bis 15 Jahren das autonome Fahren durchgesetzt hat, wird sich auch die Mediennutzung dramatisch verändern. Radio als Medium und die Idee der Prime-Time im Fernsehen werden verschwinden, weil die Menschen sich in ihren Autos an Mobile TV gewöhnen werden“, sagte Filippov in einem Interview mit dem Wirtschaftssender CNBC.




Auf dem Mobile World Congress in Barcelona hatte der Software-Entwickler für IP-TV und Mobile-TV eine Lösung im Gepäck, die ein wesentliches Problem der VR-Branche zu lösen verspricht: ein Standard, der die Übertragung von 360-Grad-Videos in langsamen 3G-Netzwerken ohne Verzerrungen ermöglicht. Die Implikationen einer solchen Technik für den Massendurchbruch der virtuellen Realität sind erheblich. Denn bisher wird die Marktdurchdringung von VR von den Verkaufszahlen der Premiumgeräte von HTC, Oculus und Sony beschränkt. Zwar verkaufen auch Google, Samsung und andere Lösungen für VR auf Mobile Devices, allerdings sind hier nur kurze Content-Angebote von wenigen Minuten möglich. Damit kommt VR im reichweitenstärksten Verbreitungskanal Mobile bis jetzt über den Status des unterhaltsamen Gimmicks nicht hinaus.


Die SPB-TV-Lösung löst das Problem, indem sie über die Smartphone-Bewegungssensoren die Blickrichtung des VR-Brillen-Trägers analysiert und nur das direkte Blickfeld in maximaler Auflösung überträgt. Damit wird es möglich, auch längere Medieninhalte als 360-Grad-Film in Echtzeit zu übertragen.

Wie das konkret aussehen würde, konnten in Barcelona die Besucher des SPB-TV-Stands mit einer Sport-App erleben. Über das blickgesteuerte Interface einer Motorsport-Rennstrecke können sich die User in alle Kameras an der Strecke und in den Autos einwählen, um dann das Rennen mit einem 360-Grad-Sichtfeld zu erleben.

In der Praxis funktionierte die App überraschend gut. Nur bei abrupten Blickwechseln wurde das Bild für einen kurzen Moment pixelig, da sich die Software nicht in Echtzeit an solche Veränderungen anpassen kann

Ob die Technologie in absehbarer Zeit in Westeuropa auch zum Einsatz kommt, steht derzeit allerdings in den Sternen. Denn SPB TV konzentriert sich mit seiner Expansionsstrategie auf Schwellenmärkte, wo Mobile aufgrund der örtlichen Gegebenheiten einen deutlich größeren Stellenwert und höheres Wachstumspotenzial als in Westeuropa hat. Und seine Expertise als Mediendienstleister konzentriert das Unternehmen derzeit auf den russischen Markt, wo SPB TV aufgrund des beruflichen Hintergrunds seines Gründers bis heute gut vernetzt ist.

Das bedeutet aber nicht, dass die Schweizer Software-Schmiede kein Interesse an Partnerschaften in Westeuropa hätte, sagt CTO Nikolay Krasko: „Wir sind offen, wenn ein Medienunternehmen oder ein Sportvermarkter über eine Zusammenarbeit sprechen will.“

stats