Michael Ringier

"Die Nachfolge ist geregelt. Wir haben einen Plan. Aber es dauert noch eine gewisse Zeit"

Verleger Michael Ringier: "Es braucht eine Generation, die als Aktionäre geeignet ist, die das Geschäft und das Unternehmen gut kennt und die Strategie festlegen kann."
Markus Knöpfli, © knö.
Verleger Michael Ringier: "Es braucht eine Generation, die als Aktionäre geeignet ist, die das Geschäft und das Unternehmen gut kennt und die Strategie festlegen kann."
In den letzten Jahren sind Ringier und Axel Springer immer näher zusammen gerückt. Und ab 1. Juni 2017 nimmt mit Ralph Büchi ein Axel-Springer-Mann direkt Einsitz in Ringiers Geschäftsleitung. Die Frage drängt sich deshalb auf: Ist Axel Springer Teil der Nachfolgeregelung für den 68-jährigen Michael Ringier? HORIZONT Swiss sprach den Verleger darauf an.

Ringier hat 2016 das Joint Venture Ringier Axel Springer Schweiz (RASCH) erstmals vollkonsolidiert und unter anderem damit den Umsatz um rund 103 Millionen auf 1,049 Milliarden Franken gesteigert. Was sagen Sie zur Schätzung, dass RASCH etwa die Hälfte dieses zusätzlichen Umsatzes eingebracht hat? Da muss ich erst einmal meine Finanzchefin fragen (lacht). RASCH hat ganz klar einen substanziellen Anteil an diesem Umsatzzuwachs, es dürfte tatsächlich mehr als die Hälfte sein. Aber diese Zahl interessiert mich nicht wirklich. Denn was uns und jedes andere Medienunternehmen viel mehr beschäftigt, sind die schrumpfenden Leser- bzw. Abonnentenzahlen und die Erosionen im Werbemarkt. Selbst die wachsenden Umsätze aus den digitalen Geschäften sind am Ende kleiner als die Umsätze, die man im Printbereich verliert. Die JobCloud AG zum Beispiel, an der wir mit Tamedia je hälftig beteiligt sind, ist zwar Marktführerin in der Schweiz, macht aber weniger Umsatz als die frühere Stellenbeilage des Tages-Anzeigers. Dennoch haben die digitalen Rubriken einen grossen Vorteil: Sie sind unglaublich margenstark. Umso wichtiger sind Investitionen in die konsequente Transformation und Diversifizierung des Unternehmens.

Letzte Woche sind Sie 68 Jahre alt geworden. Herzliche Gratulation. Für den VR-Präsidenten eines Familienunternehmens ist das kein Grund, zurückzutreten, aber sehr wohl, sich Gedanken über die Nachfolge zu machen. Wie sieht das bei der Familie Ringier aus?
Die Nachfolge ist geregelt. Wir haben einen Plan. Aber bis dieser zum Einsatz kommt, dauert es noch eine gewisse Zeit.

In den letzten Jahren sind Axel Springer und Ringier immer näher zusammengerückt. Spielt Axel Springer bei der Nachfolgeplanung eine Rolle? Nein. Wir kooperieren dort, wo es Sinn macht – und das ist in Mittel- und Osteuropa mit dem Joint Venture Ringier Axel Springer Media AG der Fall und in der Schweiz mit Ringier Axel Springer Schweiz AG beim Zeitschriftengeschäft. Aber nicht beim “Blick” oder bei anderen Geschäften.

Mit der Ernennung von Ralph Büchi als COO von Ringier erhält ein Axel Springer-Mann aber auch Einblick in genau diese anderen Geschäfte. Axel Springer könnte umgekehrt genauso argumentieren. Glücklicherweise arbeiten wir schon seit Jahren äusserst harmonisch und unkompliziert zusammen. Wir sind nicht nur Geschäftspartner, sondern auch gute Freunde. Es steht wirklich nicht mehr hinter dieser Personalie als die Entlastung von Marc Walder. Das ist die neue Hauptaufgabe von Ralph Büchi als COO von Ringier, neben der operativen Führung von Ringier Axel Springer Schweiz und dem VR-Präsidium von Ringier Axel Springer Media. Hinzu kommt, dass Axel Springer der grösste Classified-Anbieter weltweit ist – ein Geschäft, das Ralph Büchi aufgebaut hat. Er ist also eine absolute Koryphäe und einer der erfahrensten Medienmanager Europas. Zudem ist er Schweizer und wir kennen uns seit langem. Dass wir ihn als COO gewinnen konnten, ist für Ringier ein grosser Glücksfall.

Das alles spricht aber nicht dagegen, dass Axel Springer bei der Nachfolgeplanung eine Rolle spielen könnte. Ich kann Ihnen versichern, dass dies nicht der Fall ist. Ich bin zudem der Überzeugung, dass die Familie nicht zwingend die operative Führung in einem Unternehmen haben muss. Es braucht aber eine Generation, die als Aktionäre geeignet ist, die das Geschäft und das Unternehmen gut kennt und die Strategie festlegen kann. Dafür sorgen wir, indem wir meinen Neffen Robin Lingg, dessen Bruder und meine Töchter systematisch als Aktionäre aufbauen und in das Geschäft mit einbeziehen. Robin beispielsweise ist in der Ringier-Geschäftsleitung unter anderem verantwortlich für den Auf- und Ausbau des Afrikageschäfts. Aber wie gesagt: Wenn alles normal läuft, dauert es noch ein paar Jahre. knö




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