Medientalk auf Radio SRF 4

Vielfalt auf dem Prüfstand

Der Tamedia-Verwaltungsrat wird vielleicht schon Ende August über die Umsetzung von Umbauentwürfen entscheiden
Raisa Durandi
Der Tamedia-Verwaltungsrat wird vielleicht schon Ende August über die Umsetzung von Umbauentwürfen entscheiden
Stefanie Vonarburg, Zentralsekretärin Presse und elektronische Medien der Gewerkschaft Syndicom, hält die Umbaupläne bei Tamedia für einschneidend. Beim "Medientalk" auf Radio SRF 4 sprach sie von einem möglichen Aus für das "Berner Modell".

Im vergangenen Mai hatte die "NZZ am Sonntag" aufgedeckt, dass die Mediengruppe mit weiter sinkenden Umsätzen aus Werbung und Abonnements rechne, die Kosten senken und daher über die Zusammenlegung von Ressorts nachdenke. Laut "Medientalk" hieß es vor kurzer Zeit in einem internen Redaktionsblog der "Berner Zeitung", die Anzeigenumsätze der "Berner Zeitung" und vom "Bund" seien in den vergangenen Jahren stark rückläufig gewesen und in den ersten Monaten dieses Jahres um 17 Prozent gefallen. Bis 2025 erwarte Tamedia, dass das Werbevolumen bei Zeitungen und Online-Redaktionen um 30 Prozent sinke.


Bereits im Jahr 2009 hatte es Aufregung um angebliche Pläne gegeben, "BZ" und "Bund" zusammenzulegen. Tamedia hatte sich damals zu einem Berner Modell bekannt: zwei Zeitungen, ein Verlag, eine Druckerei, eine Vermarktungskombi. Dieses Modell stehe nun zur Disposition, meint Vonarburg. "Es gibt zwei sich sehr unterscheidende Tageszeitungen in Bern", sagte sie im "Medientalk". Sie würden auch publizistisch in Konkurrenz miteinander stehen. "Wenn das jetzt über den Haufen geworfen wird, dann ist das für Bern, aber auch für die ganze Deutschschweiz und, wer weiß, vielleicht für den Rest der Schweiz auch ein Armutszeugnis", so Vonarburg. Sie glaubt, dass künftig zwar die Titel weiter bestehen bleiben, aber Inhalte, etwa Sport und Ausland, von sogenannten Kompetenzzentren im Verlag einheitlich erstellt werden könnten. "Das ist natürlich nicht eine gelebte Vielfalt."

Tamedia-Kommunikationschef Christoph Zimmer entgegnete in der Sendung auf die Frage, ob die Tamedia gar plane, "BZ" oder "Bund" aufzugeben: "Davon gehe ich heute nicht aus." Das Unternehmen wolle deren jeweilige Stärken erhalten, "aber selbstverständlich hängt das auch von der weiteren Entwicklung des Werbemarktes in den nächsten Jahren ab“.



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