Medienforschung

Medienkommission fordert Geld für "Swiss Media Data Hub"

Er präsidiert die Eidgenössische Medienkommission (EMEK): Professor Otfried Jarren
Markus Knöpfli, Knöpfli
Er präsidiert die Eidgenössische Medienkommission (EMEK): Professor Otfried Jarren
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Erfolg für WEMF und Mediapulse: Die bundestätliche Medienkommission schlägt vor, die geplante gattungsübergreifende Medienforschung samt Medien Daten-Hub einmalig finanziell zu unterstützen.

Am 3. Mai haben Mediapulse und WEMF bekanntgegeben, dass sie für eine erweiterte Medienforschung zusammenspannen und ein Joint Venture namens "Swiss Media Data Hubgründen wollen. Schon im Verlaufe des Jahres 2017 wollen sie zusätzliche und detailiertere Daten zur Mediennutzung in der Schweiz liefern können. Nun wird dem Vorhaben bereits der Rücken gestärkt: Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen hat sich die Eidgenössische Medienkommission (EMEK) kürzlich hinter den Medien-Hub gestellt. "Das angedachte Joint Venture von Mediapulse und WEMF 'Swiss Media Data Hub' geht in die von der EMEK empfohlenen Richtung. Die Medienkommission unterstützt das Vorhaben", schreibt die EMEK in ihrem Bericht "Herausforderungen und Gestaltung einer interessensunabhängigen Mediaforschung", den sie am 13. Juni auf ihrer Website publizierte.


Swiss Media Data Hub: Darum geht's
Die technologische Entwicklung hat das Mediennutzungsverhalten stark verändert. Es entstanden neue Medienangebote; und die Medienmarke als Ganzes, unabhängig vom Auslieferungskanal, gewinnt an Bedeutung. Deshalb ist eine gattungsübergreifende Forschung nötig. Ausserdem wünscht die Werbewirtschaft unabhängige Informationen über Werbemittelreichweiten. Mit der bisherigen Werbeträgerforschung von Mediapulse, WEMF und Internetforschung NET-Metrix allein ist dies aber nicht machbar. Nötig ist der Aufbau eines Onlinepanels, das misst, was die Nutzer im Web tun und welche Medien sie wann und auf welchem Gerät utzen. Idealerweise erfolgt auch der Einbezug von Daten, die den diversen Verbreitern (Kabelnetze, Web-TV, Web-Radios, IPTV-Anbieter) zur Verfügung stehen. Damit diese aber überhaupt bereit sind, ihre Daten zur Verfügung zu stellen, ist eine neutrale Organisation unabdingbar. Genau diese Funktion soll der "Swiss Media Data Hub" von WEMF und Mediapulse übernehmen.

Medienförderung über Medienforschung

Im Bericht begründet die vom Bundesrat eingesetzte Beraterkommission die Unterstützung der medienübegreifenden Medienforschung wie folgt: Das Ziel sei eine "von einzelnen Interessen unabhängige und zukunftsfähige Mediaforschung", die der gesamten Medienbranche und dem Medienmarkt Schweiz diene. Dabei geht es der EMEK "im Kern um die Förderung der publizistisch tätigen Medien, die auch Werbeträger sind". Weiter hält die EMEK fest: "Denjenigen Medien, die die Kosten für die Produktion von Inhalten, insbesondere Informationsinhalte, tragen, soll eine gesicherte und zukunftsfähige Basis geboten werden, um ihre Angebote zu vermarkten."

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 EMEK beschränkt sich keineswegs auf einen rein ideellen Support, sondern schlägt vor, das Projekt auch finanziell zu fördern. "Die EMEK geht bei dieser Förderung konkret von einer einmaligen Anschubfinanzierung aus, mit dem Ziel, für den Medienmarkt Schweiz über eine zukunftstaugliche Media- wie Nutzungsforschung zu verfügen." Im achteseitigen Bericht wird allerdings kein konkreter Betrag oder Anteil genannt. Bekannt ist aber, dass WEMF und Mediapulse für das Gesamtprojekt, das neben dem Hub auch aus einem Onlinepanel mit gegen 10.000 Panelisten bestehen soll, mit Vorinvestitionen von rund 10 Millionen Franken rechnen.

Das RTVG ergänzen

Auf rechtlicher Ebene schlägt die EMEK vor, beim Artikel 78 des Radio-und Fernsehgesetzes (RTVG) anzuknüpfen. Dieser bildet die Grundlage für die Forschungsstiftung Mediapulse (zuständig für die Radio- und TV-Forschung), die seinerzeit vom Bund gefördert und heute vom Bundesamt für Kommunikation kontrolliert sowie mittels Gebührenanteile subventioniert wird.

G
anz überraschend ist die Unterstützung für das Forschungsprojekt nicht. In ihrem Papier zur Medienförderung hat die EMEK bereits 2014 auf die Bedeutung der Mediaforschung hingewiesen und eine Förderung der angewandten Medienforschung vorgeschlagen. Zudem erwähnt sie im aktuellen Bericht, dass die dank Hub und erweiterter Medienforschung gewonnenen Daten "auch für die öffentliche Debatte wie für die wissenschaftliche Arbeit relevant" seien.



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