"Medienclub"

SRG-Kritiker konnten mit ihren Alternativideen nicht punkten

Unter der Leitung von Franz Fischlin (Mitte) diskutierten (v.l.n.r.): Peter Wanner, Verleger AZ-Medien und Mitglied der Eidgenössischen Medienkommission, Natalie Rickli, Präsidentin Kommission Verkehr und Fernmeldewesen, Nationalrätin SVP/ZH, Mark Eisenegger, Professor für Kommunikationswissenschaften und Roger de Weck, Generaldirektor SRG.
© Screenshot srf.
Unter der Leitung von Franz Fischlin (Mitte) diskutierten (v.l.n.r.): Peter Wanner, Verleger AZ-Medien und Mitglied der Eidgenössischen Medienkommission, Natalie Rickli, Präsidentin Kommission Verkehr und Fernmeldewesen, Nationalrätin SVP/ZH, Mark Eisenegger, Professor für Kommunikationswissenschaften und Roger de Weck, Generaldirektor SRG.
Im "Medienclub" vom 10. Januar zum Thema "Service public – SRG im Gegenwind" kam man keinen Schritt weiter. Auch weil die SRG-Kritiker kein wirklich überzeugendes Alternativmodell aufzeigen können. Sie erwecken so den Eindruck, primär die SRG schwächen zu wollen – aus finanziellen Eigeninteressen.
Lange plätscherte die Debatte im "Medienclub" in gewohnter Manier so dahin, manchmal auch in einem grösseren Durcheinander: Die Seite der SRG berief sich letztlich immer auf die Bundesverfassung, die ja Radio und TV explizit auch mit Unterhaltung beauftragt, und tat dabei so, wie wenn diese Grundage in Stein gemeisselt wäre. Dabei droht die "No Billag"-Initiative, die genau diese Grundlage ändern will. Die Verleger und ihre Verbündeten verlangen jeweils tiefgreifende Änderungen am Gesamtsystem und Abstriche von der SRG, ohne aber ein Modell vorzulegen, das weiterhin eine qualitativ hochstehende, attraktive und für alle vier Sprachregionen gleichwertige Grundversorgung möglich macht (was auch viele SRG-Kritiker wollen). Das Modell müsste zudem so viel günstiger sein, dass die Privaten mit den freiwerdenden Gebühren- und Werbegeldern für ihr Publikum echten Mehrwert schaffen könnten.
Natalie Rickli, SVP-Nationalrätin und Präsidentin der Kommission Verkehr und Fernmeldewesen
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Natalie Rickli, SVP-Nationalrätin und Präsidentin der Kommission Verkehr und Fernmeldewesen
Im "Medienclub" versuchte zwar SVP-Nationalrätin Natalie Rickli "auf wirklich Grundsätzliches" zu reden zu kommen und das "Subsidiaritäts"-Modell (die SRG soll nur das tun, was der Markt nicht selbst erbringen kann) in die Debatte einzubringen, doch tat sie das derart umständlich, dass es für SRG-Generaldirekor Roger De Weck ein Leichtes war, mit nur zwei Sätzen dieses Modell vom Tisch zu wischen. Die Idee sei unausgereift, weil Abgrenzungen unmöglich seien, meinte er. "Dürfte denn die SRG keine Nachrichten mehr zur vollen Stunden bringen, weil dies die Privaten schon machen? Und wie steht es um die Arena, wenn schon Tele Züri mit dem Sonntalk eine politische Debatte anbietet?"
Peter Wanner, Verleger AZ-Medien und Mitglied der Eidgenössischen Medienkommission
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Peter Wanner, Verleger AZ-Medien und Mitglied der Eidgenössischen Medienkommission
Ähnlich erging es Verleger Peter Wanner – immerhin Mitglied der Eidgenössischen Medienkommission ! – als dieser forderte, das SRG-Archiv für die Privaten zu öffnen. Weil viele Sendungen Musik enthalten, gehe dies nur schon aus urheberrechtlichen Gründen nicht, belehrte ihn De Weck. Nachrichtenbulletins hingegen biete die SRG bereits den Privaten an, ebenso den Internetplayer oder die SmartTV-Technolgie.

Später forderte Wanner PayTV für Fussballfans, weil diese dann selbst für ihr Steckenpferd aufkämen, während heute in der Schweiz auch Nicht-Sportinteressierte für solche Übertragungen mitbezahlen müssen. De Weck meinte daraufhin bloss: "Dem Zuschauer erweist man keinen Dienst, wenn man die Gebühren halbiert oder abschafft. In Italien bezahlt ein Fussballfan im PayTV wesentlich mehr (als die Schweizer Gebühren) – allein für die Fussballspiele!" Kurz: Mit ihren partiellen, theoretischen Modellen kamen Rickli und Wanner nicht gegen De Wecks Argumente aus der Praxis an.
Roger De Weck, Generaldirektor SRG
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Roger De Weck, Generaldirektor SRG
Doch Wanner hatte auch starke Momente, etwa, als er auf die Expansion der SRG zu reden kam: "Die SRG hat einen Marktanteil von 66 Prozent, trotzdem hat sie in den letzten 20 Jahren noch weitere Sender dazu gegründet: Radio Swiss Pop, Radio Swiss Jazz, Musikwelle.... solche Musiksender könnten auch die Privaten machen." Oder als De Weck davon ausging, die Onlineaktivitäten der SRG seien durch die Verfassung legitimiert, da dort von "Radio, TV und anderen Formen der fernmeldetechnischen Verbreitung" die Rede sei (Artikel 93). Wanner hielt ihm daraufhin entgegen, dass dies bestimmt keine Verfassungsgrundlage für SRG-Aktivitäten im Internet darstelle: Denn "mit diesem Nebensatz ist die grösste technologische Revolution in den Medien nicht abgedeckt".
Mark Eisenegger, Professor für Kommunikationswissenschaften
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Mark Eisenegger, Professor für Kommunikationswissenschaften
Für eine Schlüsselstelle der Sendung sorgte auch der vierte Diskussionsteilnehmer, Mark Eisenegger, Professor für Kommunikationswissenschaften – gegen Schluss: Moderator Franz Fischlin fragte, was denn mit dem Werbegeld geschehe, wenn der SRG Werbung untersagt würde. Wanner behauptete keck, zwei Drittel dieser Gelder kämen dann den Schweizer Privaten zugute. Das wollte Eisenegger so nicht stehen lassen: Die Entwicklung der letzten Jahre habe gezeigt, dass immer mehr Werbegeld zu den ausländischen Werbefenstern fliessen, die Privaten bekämen sicherlich auch in Zukunft aum etwas davon ab, sagte er. Damit war natürlich Rickli angesprochen, deren Arbeitgeber Goldbach Group die meisten Werbefenster vermarktet, was kurz vorher erwähnt worden war. Rickli umschiffte die heikle Stelle allerdings, indem sie sagte: "Lasst doch den Leuten die Wahl, was sie sehen wollen. Die Werbekunden gehen dann dorthin, wo die Zuschauer sind." "Ja, darum gehen sie nicht zu Tele M1", warf Eisenegger daraufhin ein. Tele M1 ist einer von Wanners TV-Sendern. knö


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