Medienclub

"Das Medienprojekt 'Republik' ist zu konformistisch"

Christof Moser, Mitinitiant des Projects R.
Screenshot srf.
Christof Moser, Mitinitiant des Projects R.
Im gestrigen Medienclub von SRF zum Thema "Project R - David gegen Goliath" verteidigten, ja lobten Markus Somm und Christian Dorer das heutige Mediensystem geradezu, während Viktor Giacobbo und Christof Moser tendenziell Mühe bekundeten, ihre Kritik festzumachen und einen glaubwürdigen alternativen Weg vorzuzeichnen.
Es war der Gegensatz des Abends: Auf der einen Seite diskutierte "Republik-Mitinitiant Christof Moser, der mit seinen Mitstreiterinnnen und Mitstreitern nichts Geringeres als eine "Rebellion" anzetteln und dem vorherrschenden Mediensystem ein "transparenteres Gegenmodell" gegenüber stellen will. Und auf der anderen Seite sass Markus Somm, Chefredaktor und Mit-Verleger bei Christoph Blochers "Basler Zeitung", der eben diesem Rebell vorhielt, Mainstreamjournalist zu sein, und der das Projekt R als zu angepasst bezeichnete. "Das Medienprojekt 'Republik' ist zu konformistisch", sagte er wörtlich. Deshalb werde es kaum lange Bestand haben.
Markus Somm, Chefredaktor und Co-Verleger der "Basler Zeitung".
Markus Somm, Chefredaktor und Co-Verleger der "Basler Zeitung". (© Screenshot srf.)
Ein weiterer zentraler Diskussionspunkt im "Medienclub" war die Frage der Transparenz. Moser legte Wert darauf, dass man bei "Republik" ein transparentes Aktionärsregister führen werde. Dumm nur, dass er nicht einmal die beiden grössten Investoren beim Projekt sicher mit Namen nennen konnte (die Zürcher Gebrüder Meili und eine Ostschweizer Textilfamilie). Somm, der selbst an Vertuschungsmanövern bei der BaZ beteiligt war, erdreistete sich daraufhin, Transparenz bloss als nebensächlich darzustellen. "Der Hauptpunkt ist gar nicht die Transparenz", sagte er zu Moser, um diesen anzugreifen: "Der Hauptpunkt ist eure Vorstellung eines total unabhängigen Journalismus: Diese ist Heuchelei. Denn auch ihr vertretet ein politisches Anliegen." Und er forderte Moser auf, doch mal in einem Artikel die Erbschaftsteuer zu kritisieren. (Hintergrund: Die erwähnten Gebrüder Meili engagierten sich vor zwei Jahren im Abstimmungskampf für die Einführung einer nationalen Erbschaftssteuer.) Moser hielt ihm zwar entgegen, die Investoren hätten bei Projekt R nur gerade 20 Prozent der Stimmrechte. Somm entgegnete – wohl aus seiner BaZ-Erfahrung: "Auch wenn es transparent ist, ist der Einfluss da: Du weisst, was Meili denkt."
Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe.
Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe. (© Screenshot srf.)
Unter der Leitung von Franz Fischlin diskutierten auch der Satiriker Viktor Giacobbo und Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe, mit. Doch Giacobbo machte eine schwache Figur: Er schaffte es kaum, auch nur ein schlagkräftiges Argument einzubringen, er führte einzig an, dass seinem Eindruck nach heute Werbung und redaktionelle Inhalte immer weniger stark getrennt würden. Moser war da konkreter: Er kritisierte Dorer als Vertreter eines Verlags mit Kommerzialiserungsstrategie, Somm als Verleger-Vertreter mit parteipolitischer Ausrichtung. Weiter wies er darauf hin, dass Tamedia im Westschweizer Printmarkt 80 Prozent Martkanteil hält. Und er bemängelte mögliche Interessenkonflikte im Hause Ringier, wo man Stars unter Vertrag hat, mit denen man auch Interviews und Artikel realisiert. Schliesslich erwähnte er auch ein Video des Verlegerverbandes, das den Werbekunden zeigt, wie man Native Advertising, also redaktionell eingebettete Werbung, angehen kann.
Satiriker und Medienkonsument Viktor Giacobbo.
Satiriker und Medienkonsument Viktor Giacobbo. (© Screenshot srf.)
Die Sache mit dem Video sei zwar ein Fehler gewesen, gestand Somm ein, doch insgesamt liessen er und Dorer die Kritik nicht gelten. Den Vorwurf der parteipolitischen Ausrichtung bei der BaZ tat Somm gar als Fake News ab. "Zeig mir einen Artikel, in dem wir sagen, dass die SVP die beste Partei der Schweiz ist", forderte er von Moser.

"In unserer Redaktion kann man sehr wohl unabhängigen Journalismus betreiben", sagte auch Dorer. "Wir machen guten Journalismus mit weniger Mittel." Probleme redeten sie entsprechend klein. "Wenn man etwas kleinere Redaktionen hat, merkt das das Publikum gar nicht", sagte Somm salopp. Und überhaupt seien heute Werbung und redaktionelle Inhalte bei den Medien strikter getrennt als früher, weil sie sich vom Geschäftsmodell her immer weniger bedingen. Dorer doppelte nach: Der Blick-Newsrom sei immer noch etwa gleich gross wie bei seiner Gründung vor acht Jahren. Bloss seien neue Abteilungen, etwa 25 Videojournalisten oder eine Social Media-Crew entstanden. Immerhin gab er aber zu, dass das Nachrichtenressort kleiner geworden ist.

Was weiter auffiel: Somm und Dorer argumentierten vielfach quantitativ: Print- und Onlinemedien zusammen hätten mehr Leser denn je, sagte Dorer. Bloss das Geschäftsmodell der Medien sei in der Krise. "Aber ich bin nicht so pessimistisch", tröstete er: "Vielleicht kommt es zwar zu noch mehr Konzentration, aber der Journalismus wird überleben." Auch 
Somm sang ein quantitatives Loblied: "Unser Mediensystem ist eines der besten und tüchtigesten der Welt: Nach wie vor konsumieren jeden Tag 3,5 Millionen Leute ein Produkt der privaten Medien." Gegen diesen Wortschwall kamen die auf Qualität pochenden Giacobbo und Moser nicht wirklich an. Letzterer sagte denn auch trotzig zu Somm und Dorer gewandt: "Es zeigt sich, dass ihr gegen fundierte Kritik uneinsichtig seid und so weiter fahrt wie bisher: Trennung von Werbung und Inhalt ist für euch kein Thema." knö





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