Mediapulse-Geschäftsführer Franz Bürgi

"Dieser Entscheid ist für mich überraschend. Ich kann ihn nicht nachvollziehen."

Franz Bürgi, abgesetzter Mediapulse-Geschäftsführer, hier bei einem Referat über die neue Radioforschung "ExploRadio".
Markus Knöpfli, © knö.
Franz Bürgi, abgesetzter Mediapulse-Geschäftsführer, hier bei einem Referat über die neue Radioforschung "ExploRadio".
Franz Bürgi, frisch abgesetzter Geschäftsführer der Forschungsfirma Mediapulse, hat erst am Dienstag-Vormittag von seiner Absetzung erfahren. Für ihn komme der Entscheid überraschend, und er sei für ihn auch nicht nachvollziehbar, sagte er gegenüber HORIZONT Swiss. Die angefangenen Forschungsprojekte der Mediapulse sieht er jedoch nicht gefährdet.
Der "Kleinreport" hat die Absetzung von Franz Bürgi als Geschäftsführer von Mediapulse gestern in einer Meldung als "Putsch" bezeichnet. Wie sieht das Bürgi selbst? "Das kann man durchaus so sehen, den Entscheid des Mediapulse-Verantwortungsrates möchte ich aber nicht weiter kommentieren", sagte er auf Anfrage. Tatsache sei, dass ihm dieser Entscheid erst am Dienstag-Vormittag, 31. Januar, durch die Stiftungsrats- und Verwaltungsratspräsidentin Franziska von Weissenfluh überbracht worden sei. "Er kam für mich sehr überraschend, und er ist für mich nicht nachvollziehbar." Und: "Der Entscheid wurde mir vom Verwaltungsrat auch nicht begründet."

"Man muss als CEO nicht überall top sein"

Obwohl Bürgi im offiziellen Communiqué von Mediapulse ausdrücklich gelobt wird, geht zwischen den Zeilen doch hervor, dass er nach Meinung des Mediapulse-Verwaltungsrates offenbar über zu wenig Forschungs-Knowhow verfügt, jedenfalls wird die Installation "einer Persönlichkeit mit Forschungshintergrund" als einziger Grund für den angekündigten Wechsel genannt. Bürgi versteht diesen Punkt nicht. Er habe dem ausgeschriebenen Profil entsprochen, und es sei immer transparent gewesen, dass er als Ingenieur nicht von der Forschung, sondern von der Technik und IT her komme. Diese Aussensicht sei auch explizit erwünscht gewesen. Zudem seien auch in einer Forschungsorganisation vielfältige Disziplinen nötig, sagt Bürgi: "Man muss als CEO nicht überall top sein. Und man arbeitet auch nicht allein, sondern in einem Team mit vielen Spezialisten." Im Übrigen habe er sich rasch in die anstehenden Forschungsthemen einarbeiten können.

Auch die Tatsache, dass man mit dem Swiss Media Data Hub (SMDH), dem Forschungsprojekt mit der Wemf für eine gemeinsame, gattungsübergreifende Medienforschung, nicht ganz dort ist, wo man ursprünglich sein wollte, sieht er nicht als Grund für seine Absetzung. "Es ist zwar richtig, dass wir nicht ganz so weit sind, wie wir es vor knapp einem Jahr etwas euphorisch angekündigt haben. Aber wir sind gut voran gekommen und haben viel gelernt." Das komplexe Projekt habe eine gute Resonanz, werde mit dem Markt abgestimmt und befinde sich nun in der Phase, in der man die Anbieterofferten auswerte, um diese in den Businessplan einfliessen zu lassen. Ein Grundsatzentscheid der Verwaltungsräte von Mediapulse und Wemf sei in den kommenden Wochen  vorgesehen. 

Professionelle Übergabe und reibungsloser Wechsel

Keinen Kommentar abgeben wollte Bürgi zu seiner Nachfolgerin Tanja Hackenbruch, Markt- und Publikumsforscherin der SRG, und zu Mirko Marr, Forschungsleiter Goldbach Group, der per 1. März zum neuen Forschungsleiter von Mediapulse ernannt wurde. Auch wollte er die Frage, ob die beiden Personen für eine Forschungsorganisation unabhängig genug sind, nicht beantworten und verwies an die übergeordneten Gremien. Er werde aber die Übergabe professionell durchziehen und für einen reibungslosen Wechsel im Sinne der Mediapulse und der Mitarbeitenden besorgt sein, stellte Bürgi in Aussicht.
Merkwürdige Nicht-Kommunikation
HORIZONT Swiss hat gestern versucht, diverse Mediapulse-Verwaltungsräte zu den Gründen für den angekündigten personellen Wechsel bei der Forschungsorgansiation zu befragen. Leider weitgehend vergeblich. VR-Präsidentin Franziska von Weissenfluh, die auch die Stiftung Mediapulse präsidiert, beantwortete die Anfrage mit einem klaren "No Comment". VR-Vizepräsident und SRF-Direktor Ruedi Matter liess ausrichten, dass er zum Mediapulse-Communiqué nichts hinzuzufügen habe. Und VR-Mitglied Alex Duphorn, CEO der Goldbach Media, war nach Auskunft seiner Assistentin "auswärts an einem Meeting und nicht erreichbar". Auch VR-Mitglied und SWA-Direktor Roland Ehrler wollte sich nicht äussern.
Das Projekt ExploRadio, also die neue Radioforschung, deren Testphase im Sommer dieses Jahres starten soll, sieht der Noch-Geschäftsführer nicht gefährdet: "Sowohl Tanja Hackenbruch als auch Mirko Marr stehen Mediapulse sehr nahe und sind heute auch Mitglieder der Forschungskommission, damit ist das nötige Know-how für die erfolgreiche Weiterführung des Projektes vorhanden." Könnte sich aber der SMDH wegen des Wechsels verzögern? "Nein", sagt Bürgi klar, "auch hier arbeiten viele Leute mit, und es wird nach Plan weitergehen." knö


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