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Forschungsleiterin Caroline Kellerhals geht – "aufgrund unterschiedlicher Auffassungen"

Caroline Kellerhals verlässt Mediapulse – "aufgrund unterschiedlicher Auffassungen", wie es heisst.
Franco Messerli, Franco Messerli
Caroline Kellerhals verlässt Mediapulse – "aufgrund unterschiedlicher Auffassungen", wie es heisst.
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Herber Rückschlag für Mediapulse und den geplanten Swiss Media Data Hub: Caroline Kellerhals, Forschungsleiterin und stellvertretende Geschäftsführerin der Mediapulse AG, verlässt das Unternehmen per Ende Januar 2017 – "aufgrund unterschiedlicher Auffassungen bei der Priorisierung der strategischen Projekte der Mediapulse AG", wie es in einem Communiqué heisst.

Caroline Kellerhals, Forschungsleiterin und stellvertretende Geschäftsführerin der Mediapulse AG, habe sich entschlossen, Mediapulse zu verlassen – "aufgrund unterschiedlicher Auffassungen bei der Priorisierung der strategischen Projekte der Mediapulse AG", teilte die Radio- und TV-Forschung Mediapulse mit.

Ein heikler Moment

Es ist noch kein halbes Jahr her, da haben Mediapulse und Wemf die gemeinsame intermediale Reichweitenforschung mit dem Swiss Media Data Hub aufgegleist – zweifellos das grösste "strategische Projekt" der Mediapulse AG. Dieses hat zwar mit Mike A. Weber einen eigenen Projektleiter, aber erst seit Kurzem. Und TV beziehungsweise Bewegtbilder sind bei dieser Forschung ein zentraler Teil. Das Knowhow der jetzigen Forschungsleiterin wäre dort also unabdingbar, wenn es nicht zu Verzögerungen kommen soll. Ein zweites "strategisches Projekt" von Mediapulse ist zweifellos ExplorRadio, die neue Radioforschung, die im Laufe des nächsten Jahres startet. Sie wird zwar umsichtiger eingeführt als seinerzeit die neue TV-Forschung – mit einer Parallellaufzeit des alten und des neuen Messansatzes. Aber die Erfahrungen von Kellerhals, die 2013 bei der Einführung der neuen TV-Forschung neu dabei war und teures Lehrgeld bezahlen musste, könnten nun wertvoll sein. Umso mehr als Franz Bürgi erst seit Anfang Jahr Geschäftsleiter der Mediapulse AG ist, und die Einführung einer neuen Währung für ihn Neuland ist.

Er respektiere aber den Entscheid von Kellerhals, heisst es im Communiqué. "Caroline Kellerhals verantwortungsbewusste Persönlichkeit und Haltung wird von allen Mitarbeitenden, Kunden und Mitgliedern unserer Gremien sehr geschätzt. Umso mehr bedauern wir ihren Entscheid, das Unternehmen zu verlassen", wird Bürgi zitiert. Für HORIZONT Swiss war er gestern nicht erreichbar.

Viel Lob für Kellerhals

Zur künftigen Ausrichtung und den Zielsetzungen von Mediapulse hält Bürgi ferner fest: "Die Anforderungen des Marktes nach einer zunehmend konvergent ausgerichteten Medienforschung stellen Mediapulse vor grosse Herausforderungen. Diese nehmen wir mit dem Projekt Swiss Media Data Hub wahr und ernst, genauso wie wir unsere aktuelle Forschungsarbeit und unsere laufenden Projekte konsequent vorantreiben. Der Weg stimmt und unsere Forschungs-Projekte stehen auf einer guten Basis. Und dies nicht zuletzt aufgrund der wertvollen Arbeit von Caroline Kellerhals, wofür wir ihr im Namen der Geschäftsleitung vielmals danken."
Nachfolger/in von Kellerhals wird international gesucht
Auf Nachfrage von HORIZONT Swiss wollte sich Mediapulse-Sprecher Patrick Wehrli nicht weiter zu den "unterschiedlichen Auffassungen" äussern, die zum baldigen Abgang von Forschungsleiterin Caroline Kellerhals führten. Er bestätigte aber, dass es nicht einfach sein dürfte, in der Schweiz eine geeignete Nachfolgerin oder einen geeigneten Nachfolger zu finden. Man werde deshalb "international suchen". Zwar sei auch Kellerhals nicht direkt aus der TV- und Radio-Forschung gekommen, aber "ihr Wissen ist Gold"», sagte Wehrli. Doch würden weder die Radio- noch die TV-Forschung ohne Kellerhals verwaisen. Denn die etablierte, laufende TV-Forschung sei durch Lucca Bertossa, Leiter TV-Forschung, und die Radio-Forscung durch Martin Weber, Leiter Radioforschung, besetzt. Auch beim Projekt ExplorRadio sei mit der Projektleiterin Jessica Allemann für Kontinuität gesorgt, sagte Wehrli.
Kellerhals, im Communiqué als "erfahrene Marktforscherin mit Studienabschluss in Soziologie und BWL" bezeichnet, trat per Ende 2012 bei Mediapulse ein und prägte dort seither die Forschungsarbeit und –Kultur des auf Radio- und Fernsehforschung spezialisierten Unternehmens. Ihr Stellenantritt als Forschungsleiterin der Mediapulse per Ende 2012 war zeitgleich mit der Einführung des neuen Mediapulse-Fernsehpanels. Die neue TV-Forschung stand zu Beginn unter starker Kritik, Skepsis und erhöhter Beobachtung des Marktes. "Es ist nicht zuletzt Caroline Kellerhals umsichtiger und verantwortungsvoller Forschungs- und Leitungsarbeit zu verdanken, dass das Mediapulse-Fernsehpanel heute wieder das volle Vertrauen des Marktes geniesst", wird die Forschungsleiterin ausdrücklich gelobt. Ebenfalls im Jahr 2013 sei der Startschuss zum Projekt ExplorRadio gefallen. Dieses Projekt zur Auffrischung und Aktualisierung der heutigen Radioforschung sei von Beginn an unter der Führung von Kellerhals gestanden und werde im Verlauf des kommenden Jahres schrittweise eingeführt.

Über die Nachfolge von Kellerhals wird Mediapulse "zum gegebenen Zeitpunkt" informieren.



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