Mach Cinema 2016

Dem Medium Kino laufen die jungen Frauen davon

Markus Knöpfli, knö.
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Die Mach Cinema 2016 der Wemf zeigt: Das Medium Kino verlor seit 2013 nicht nur kontinuierlich Zuschauer, es sind vor allem die jungen Frauen, die den Lichtbildern den Rücken kehren. Bei den Senioren finden sich dagegen mehr Frauen als Männer unter den Kinogängern.
Die Zahl der Kinogängerinnen und -gänger in der Schweiz nimmt seit 2013, als die neue Methodik für die Kinoforschung eingeführt wurde, kontinuierlich ab. Verzeichneten die Kinos in der Ehebungsperiode 2013 noch 225.000 wöchentliche Besucher (oder 11.7 Millionen pro Jahr), so waren es in der Erhebungsperiode 2016 noch 203.000 Personen pro Woche (10.6 Millionen), ein signifikanter Rückgang um knapp 10 Prozent. Dabei war der Rückgnag in der Deutschschweiz mit -8.6 Prozent leicht unterdurchschnittlich.

Die Grenzregionen trugen prozentual am stärksten zum gesamtschweizerischen Rückgang bei – offenbar gehen dort die kinoaffinen Menschen häufiger ins günstigere und nahe Ausland. So verzeichnet Lugano seit 2013 ein Viertel weniger Kinogänger, gefolgt von Genf (-20 Prozent) und Basel (-15.4 Prozent).

Dabei fällt auf, dass vor allem die Frauen dem Kino den Rücken kehren. Sahen sich 2013 noch 120.000 Frauen pro Woche einen Film im Kino an, waren es 2016 nur noch 101.000, ein Rückgang um 15.8 Prozent. Bei den Männern betrug der Rückgang auf ebenfalls 101.000 Personen bloss -4.7 Prozent. Das bedeutet auch, dass das Medium Kino, dass bis vor Kurzem mit 53 Prozent noch einen leichten Frauenüberhang hatte, diesen Vorteil gegenüber andern Medien verloren hat: Aktuell sind es gleich viele Frauen wie Männer, die ins Kino gehen.

Was ebenfalls auffällt: Es sind vor allem die Jungen zwischen 14 und 34 Jahren – und unter ihnen in erster Linie die Frauen – die seltener einen Kinobesuch ins Auge fassen. Diese Altersklasse reduzierte ihre Kinogänge um 14,7 Prozent, die jungen Frauen aber um deutliche 21,4 Prozent. Mittlerweile gehen in einer durchschnittlichen Woche weniger junge Frauen ins Kino als junge Männer. 2013 war dies noch umgekehrt. Auch bei den 30- bis 40-Jährigen und bei jenen zwischen 45 und 59 Jahren nahmen die Frauenbesuche deutlich stärker ab (um 18.5 Prozent und 13.8 Prozent) als bei den männlichen Altergsenossen, die fast stabil blieben. Hingegen ist bei den männlichen Personen ab 60 tendenziell ein stärkerer Kinoverdruss spürbar als bei den Seniorinnen, deren Kinobesuche nahezu unverändert geblieben sind.

Auch wenn das Kino derzeit vor allem junge Menschen verliert: Mit einem Besucheranteil von 43 Prozent gehen die 14- bis 34-Jährigen immer noch überdurchschnittlich oft ins Kino, kommt doch diese Altersgruppe in der Gesellschaft bloss auf einen Anteil von 33 Prozent. knö

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