Leserschaftsstudien

Die Grossen leiden am stärksten

Mach Basic 2018-1
Ob Tamedia, Ringier oder NZZ – alle grossen Verlage verlieren in der Deutschschweiz deutlich Print- und vermehrt auch Onlinenutzer. Das zeigen die Studien Mach Basic und Total Audience 2018-1. Einzelne kleinere Titel legen noch zu
Die Kälte hat lange angedauert in diesem Frühjahr – doch die Schweizer Grossverlage werden sich noch länger warm anziehen müssen. Denn ausgerechne jetzt, da die (Print-)Werbung wieder etwas anzieht, müssen grosse Deutschschweizer Titel wie „Blick“, „SonntagsBlick“, „Blick am Abend“, „Tages-Anzeiger“, „NZZ Folio“, „Sonntagszeitung“, aber auch Magazine wie „GesundheitsTipp“, Glückspost“, „Schweizer Illustrierte“, „Schweizer Familie“ oder die „CoopZeitung“ zum Teil sehr deutliche Reichweiteneinbrüche kommunizieren.

Am schmerzhaftesten traf es in der heute publizierten Leserstudie Mach Basic 2018-1 das „NZZ-Folio“, das gegenüber Vorjahr gleich 83.000 Leser oder 19 Prozent seiner Reichweite eingebüsst hat. An zweiter Stelle folgt der „Tages-Anzeiger“ mit einem Minus von 81.000 Lesern (-18%). Die Reihe liesse sich lange fortsetzen, denn von den 233 in der aktuellen Leserschaftsstudie der Wemf ausgewiesenen Deutschschweizer Titeln und Titelkombinationen haben deren 40 signifikant Leser verloren. Und es traf – wie eingangs erwähnt – primär die grossen Titel und Verlagsflaggschiffe – egal ob gratis oder abonniert. Nur zwei konnten deutlich zulegen, nämlich die „Zürcher Regionalzeitungen“ (+26.000 Leser, +13%) und der „Anzeiger Region Bern“ (+ 19.000 Leser, + 18%).
(© knö)


Hier finden Sie alle Grafiken als PDF: Grafik 1;   Grafik 2;   Grafik 3;   Grafik 4

Hinweis: Grafik 2 wurde wegen eines Fehlers ausgetauscht und auch noch präzisiert (gestrichelte Linien).

Auch Gesamtreichweiten sinken immer häufiger

Was ebenfalls nachdenklich stimmt: Eine wachsende Zahl dieser grossen Titel können ihre Printverluste nicht mehr mit Onlinekontakten kompensieren. In den letzten Jahren war dies in den meisten Fällen einigermassen gelungen. Doch nun nimmt die Erosion auch im Onlinebereich zu. Das zeigt die Studie Total Audience 2018-1, die ebenfalls heute von der Wemf und der Internetforschung NET-Metrix veröffentlicht wurde. Die Printreichweiten sind dabei identisch mit jenen in der Mach Basic, sie werden aber mit Onlinezahlen zu Gesamtreichweiten fusioniert.
Die Datenquellen der Total Audience 2018-1
Die Studie Total Audience 2018-1 bezieht ihre Informationen aus zwei Datenquellen: Die Reichweiten der Pressetitel entstammen der MACH Basic 2018-1, die Sollwerte zur Nutzung der Webangebote liefert die Internat-Studie NET-Metrix-Profile 2017-2 .

Die MACH Basic 2018-1 umfasst den Erhebungszeitraum vom 26. September 2016 bis 24. September 2017. Die Studie NET-Metrix-Profile 2017-2 wurde im November 2016 herausgegeben und vom 1. April 2017 bis 30. Juni 2017 erhoben.#ZFür die vorhergehenden Studien verschieben sich die Erhebungszeiträume jeweils um ein halbes Jahr nach vorn.
Am deutlichsten gehen Print- und Onlineerosion beim „Tages-Anzeiger“ einher, der innert Jahresfrist 20 Prozent seiner Gesamtreichweite einbüsste: Seine gesamte Nutzerzahl sank von 718.000 in der Studie 2017-1 auf aktuell 573.000 Personen. Dabei sprangen sowohl reine Printleser ab (-16%) als auch reine Onlinenutzer (-8%) und Doppelnutzer (-29%).
(© Total Audience 2018-1)
Nicht ganz so hart, aber ebenfalls markant, traf es die Gratis-Boulevardzeitung „Blick am Abend“ (BaA): Die Gesamtreichweite ging um 9 Prozent oder 64.000 Personen zurück, wobei auch hier die Doppelnutzer dem Titel am zahlreichsten den Rücken kehrten (-22%). Bei den reinen Printlesern sind es neu 9 Prozent, bei den reinen Onlinern 5 Prozent weniger.

Etwas anders sieht es bei der gesamten „Blick“-Gruppe aus, die neben dem BaA auch noch die Bezahl-Zeitungen „Blick“ und „SonntagsBlick“ umfasst: Zwar verlor die Gruppe innert der letzten zwölf Monate 90.000 Nutzer (-5%), dies aber vor allem bei den Doppelnutzern (-11%) und bei den reinen Printlesern (-6%). Bei den reinen Onlinenutzern konnte sie aber leicht um 1 Prozent zulegen. Heute kommt sie auf täglich total 1.783 Millionen Nutzer.Recht kräftig Nutzer verloren hat auch die NZZ-Gruppe, die sich aus „Neuer Zürcher Zeitung“, „NZZ am Sonntag“ und dem Monatsmagazin „NZZ Folio“ zusammensetzt. Die Reichweite reduzierte sich um 8 Prozent oder 75.000 Personen, wobei hier einzig der Printsektor nachgab (-8 %), während Doppel- und reine Onlinenutzer um 6 beziehungsweise 10 Prozent zulegten.
(© Total Audience 2018-1)
Sicher, es gibt auch gegenteilige Beispiele: Titel, die bei der Gesamtreichweite zulegen oder zumindest die Printverluste kompensieren. Positivstes Beispiel ist die „Finanz und Wirtschaft“, deren Gesamtreichweite um sagenhafte 12 Prozent auf 140.000 Personen wächst, wobei sie – atypisch – vor allem bei den reinen Printlesern (+17%) und weniger bei den Onlinern (+2%) zulegen konnte. Ähnlich verhält sich auch die Nutzerschaft von „Luzerner Zeitung“ und „St. Galler Tagblatt“, die beide ihre Gesamtreichweiten leicht steigern können (+3% und +1%). Andern gelingt es, sie zumindest einigermassen stabil zu halten, etwa der „Basler Zeitung, der „Nordwestschweiz“, dem „Beobachter“ oder der „Handelszeitung“. knö

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