MACH Basic 2017-1

Printreichweiten wieder stabiler als auch schon

Obwohl gratis gehören sie zu den Titeln, die deutlich sinkende Printreichweiten aufweisen.
Markus Knöpfli, © knö.
Obwohl gratis gehören sie zu den Titeln, die deutlich sinkende Printreichweiten aufweisen.
Von den 232 in der MACH Basic 2017-1 aufgeführten Deutschschweizer Titeln und Titelkombinationen (25 weniger als vor einem Jahr) weisen 41 (17 Prozent) gegenüber Vorjahr eine signifikante Reichweitenveränderung aus. Positiv: „Nur“ 36 von ihnen verzeichnen grosse Leserverluste, immerhin fünf haben signifikant Leser gewonnen, so viele wie schon lange nicht mehr. Die MACH Basic 2017-1 wurde von der Wemf zwischen September 2015 und September 2016 erhoben.
Von den 60 wichtigsten Deutschschweizer Printtiteln weisen in der MACH Basic 2017-1 „nur“ die Hälfte (31 Titel) gegenüber Vorjahr tiefere Leserzahlen aus – so wenig wie noch nie seit der MACH Basic 2013-2. In den früheren Studien betrug der Anteil Titel mit „roten Zahlen“ zwischen 63 und 92 Prozent. Nimmt man die Liste als Massstab, hat sich also bei den Printreichweiten eine gewisse Entspannung eingestellt. Darum beginnen wir auch mit den positiven Nachrichten:
In der Deutschschweiz am deutlichsten zulegen konnte erneut die 2011 lancierte „Schweizer Landliebe“ (+57.000 Leser oder 9%). Sie ist damit bereits sechsmal hintereinander im Vergleich zum Vorjahr deutlich gewachsen. Mit einem Plus von 55.000 Lesern (+15%) kann auch das „NZZ Folio“ einen besonderen Erfolg verbuchen: Seine Reichweite ist nun grösser als 2013, zu Beginn der neuen Messreihe der Wemf-Leserschaftsforschung. NZZ-Sprecherin Myriam Käser führt dies auf verstärkte Marketingmassnahmen, den Namenwechsel vor zwei Jahren von „Folio“ zu „NZZ Folio“ und vor allem auf die Möglichkeit zurück, dass das Monatsmagazin, das jeweils der NZZ beiliegt, seit 2013 auch einzeln am Kiosk erhältlich ist. „Wir stellen fest, dass die Kiosk-Verkäufe kontinuierlich steigen“, schreibt Käser. Kräftig zulegen konnten auch der „Gesundheitstipp“ (+37000 Leser, +9%), dies, nachdem er seit 2013 drei Mal deutliche Verluste hinnehmen musste. Eine schlüssige Erklärung für den Trendwechsel hat man bei der Konsumentinfo AG nicht. Peter Salvisberg, Mitglied der Geschäftsleitung, sagt aber, dass sich das schöne Resultat auch in steigenden Auflagenzahlen widerspiegle.

Ein Kleiner wächst prozentual am stärksten

Auch das „ElternMagazin Fritz und Fränzi“ gewann 33000 Leser (+22%) dazu, ebenfalls nach deutlichen Verlusten im letzten Jahr. Letztere führt Thomas Schlickenrieder, Geschäftsführer der Stiftung Elternsein, auf den Namenwechsel vor gut zwei Jahren zurück: „Dass dies zu einer vorübergehenden Korrektur führen würde, war uns bewusst“, schreibt er. „Seit einem Jahr steigen die Werte aber wieder und befinden sich nun mit 180'000 Lesern auf einem neuen Höchststand.“ Der fünfte stark gewachsene Titel in der Deutschschweiz ist „Der Glattaler“, eine kleine Zürcher Wochenzeitung, die sich um ganze 53% auf 32000 Leser verbessern konnte.


Erstaunliche, allerdings nicht signifikante Zuwächse können ferner „K-Tipp“ und „Geo“ (je +40'000 Leser, +5% / +7%), „K-Geld“ (+24000 Leser, +12%) sowie die „Ostschweiz am Sonntag“ (+12000 Leser, +10%) ausweisen. Bemerkenswert sind sie, weil alle diese Titel in den letzten Jahren mehrfach mit deutlichen Verlusten zu kämpfen hatten. Einer von ihnen, die „Ostschweiz am Sonntag“ (OaS), steht neuerdings sogar besser da als nach ihrem Start vor vier Jahren, was man bei der NZZ nicht zuletzt auf ein geschicktes Abo-Pricing zurück führt. Mit eine Rolle dürfte auch spielen, dass 2014 mehrere ehemalige Partnerzeitungen der „Südostschweiz“ zum „St. Galler Tagblatt“ wechselten und seither die OaS auch promoten.

Mit Aufwärtstrends bei den Leserzahlen fallen auch „Annabelle“, „Touring“ und „Drogistenstern“ auf. Bei „Annabelle“ und Touring“ sind diese wohl vor allem auf Änderungen bei der Erscheinungsweise zurück zu führen, ihre aktuellen Zahlen sind deshalb nicht mehr mit den früheren vergleichbar: „Annabelle“ erscheint seit einem Jahr alle drei Wochen (vorher 14täglich), „Touring“ erscheint statt 20mal nur noch 12mal pro Jahr. Erscheint ein Titel seltener, gewinnt er gegenüber vorher mehr Leser, denn seine Ausgaben bleiben länger liegen und können von mehr Personen zur Hand genommen werden. Auch der Drogistenstern nahm eine Konzeptänderung vor.

Weltwoche-Leser lehnen wohl Köppels Doppelrolle ab

Bei den Leserverlusten ist Vorsicht geboten. Denn hier sprechen wir nur von den Verlusten bei den Printlesern. Die Studie Total Audience 2017-1, die gleichzeitig mit der MACH Basic 2017-1 veröffentlicht wird, zeigt punkto Entwicklung bei den Gesamtreichweiten (Print und Online) je nach Titel ein anderes Bild. Dennoch: Den stärksten Reichweitenverlust von 400'000 Printlesern oder 31% nahm die Beilage „Vista“ in Kauf, indem sie die Distribution veränderte: Sie wird seit einem Jahr diversen Sonntagszeitungen beigelegt, vorher lag sie vor allem Tageszeitungen bei. Weitere happige Verluste mussten „Blick“ (-15%), „Blick am Abend“ (-12%), „20 Minuten Friday“ (-15%), „20 Minuten“ (-5%), „Schweizer Illustrierte“ (-9%), („SonntagsBlick“ (-6%) und „Schweizer Familie“ (-6%) hinnehmen – und neu auch die „Weltwoche“, die mit einem happigen Minus von 22% (-54.000 Leser) überrascht. Sie liegt nun erstmals unter der Marke von 200’000 Lesern. Marketingleiter Guido Bertuzzi war auf Anfrage nicht in der Lage, den starken Rückgang zu erklären. Was aber auffällt: Die starke Erosion setzte ein, als Verleger Roger Köppel im Sommer 2015 der SVP beitrat und seither als Nationalrat aktive Politik und Journalismus vermischt. Könnte es sein, dass dies die Leser nicht goutierten? Bertuzzi mochte diese These nicht kommentieren.


Deutlich fällt auch der Rückgang bei der „Bilanz“ aus, allerdings sind deren Zahlen bereits „veraltet“. Denn per Anfang 2017 hat das Wirtschaftsmagazin einen Relaunch vollzogen und von einer 14täglichen auf eine monatliche Erscheinungsweise umgestellt. Allein der neue Rhythmus dürfte zu steigenden Leserzahlen führen – wie bei „Touring“ und „Annabelle“. Auch bei der „Schweiz am Sonntag“, die sogar wieder leicht steigende Zahlen ausweist, ist die Situation nicht aktuell dargestellt: Seit Ende Februar 2017 heisst das Blatt „Schweiz am Wochenende“ und erscheint nicht mehr sonntags, sondern als Samstagsausgabe aller Regionalausgaben des „Nordwestschweiz“-Zeitungsverbundes. knö
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