Mach Basic 2016-2

Sonntags führt nun die "SonntagsZeitung"

Marklus Knöpfli, knö.
Die Leserschaftszahlen der Mach Basic 2016-2 – sie wurden zwischen April 2015 und März 2016 erhoben – zeigen erneut starke Verluste für "Blick" und "SonntagsBlick", aber auch "20 Minuten" und "Blick am Abend" verlieren deutlich. Bei den Zeitschriften gehören zwei Ringier-Titel und der "K-Tipp" zu den grossen Verlierern, umgekehrt kann Ringiers "Landliebe" erneut zulegen. Ein starkes Wachstum weist auch die linke "WochenZeitung" WoZ auf. All diese Entwicklungen führen sonntags und unter den Themen-Zeitschriften zu neuen Reichweiten-Rankings.
Von den 265 in der Mach Basic 2016-2 aufgeführten Deutschschweizer Titeln und Titelkombinationen weisen deren 40 (16 Prozent) gegenüber Vorjahr einen signifikanten Leserverlust aus. Damit hat sich die Situation an der Printfront erneut akzentuiert. Denn in der Studie 2014-2 wiesen noch 27 Prozent aller Titel deutliche Leserverluste auf, danach ist die Zahl der Titel mit starken Verlusten sukzessive auf 10 Prozent aller Titel (in der Studie 2016-1) zurück gegangen. Nun ist deren Anteil also wieder gewachsen.

WoZ legt um fast 60 Prozent zu

Die signifikanten Printleserrückgänge bewegen sich bei der Titelauswahl auf der nebenstehenden Tabelle zwischen -1.7 Prozent ("Migros Magazin") und -21.3 Prozent ("KMU-Magazin"), in absoluten Zahlen betragen die deutlichen Verluste im Minimum 16.000 ("KMU-Magazin" und "Joy"), im Maximum aber 116.000 Personen ("Blick").Immerhin: Drei Titel legen auch deutlich zu – am klarsten die 2011 lancierte "Schweizer Landliebe" von Ringier (+46.000 Leser oder 8 Prozent), was aber schon fast niemanden mehr erstaunt. Überraschender ist dagegen das plötzliche Wachstum bei der linken "WochenZeitung" (WoZ), die nach einem langsamen Rückgang auf 68.000 Leser nun plötzlich wieder 107.000 Leser ausweist (+ 57 Prozent). Bei der WoZ war man "von dieser schönen Nachricht zunächst überrascht", schreibt Claudia Gillardon, zuständig für das Lesermarketing. "Bei näherer Betrachtung sind uns allerdings viele Aktionen eingefallen, die während des vergangenen Jahres für Öffentlichkeitswirksamkeit gesorgt haben." So habe die WoZ im letzten Winter eine Plakatkampagne "gegen die Entrechtungsinitiative" (Durchsetzungsinitiative der SVP) lanciert, die sehr gut angekommen sei. Und seit etwa einem Jahr realisiere man Thementrailer zu einzelnen herausragenden WoZ-Geschichten auf den sozialen Medien. "Diese begleiten wir mit viralem Marketing und erreichen dabei recht hohe View-Zahlen auf Facebook." Entsprechend seien Abozahlen und Kioskverkäufe gestiegen.

Eine positive Entwicklung weist auch das kleine Architekturmagazin "Ideales Heim" auf, es kann sich um 51 Prozent auf 77.000 Leser steigern. Wie die Liste der grössten Deutschschweizer Titel zeigt, gibt es auch andere positive Tendenzen: So weisen drei Titel zwar keine signifikanten Reichweitengewinne auf, sie machen aber doch ansehnliche Aufwärtsprünge. So gewinnt das "NZZ Folio" nach längerem Sinkflug plötzlich wieder 29.000 Leser, "Geo" verzeichnet ein Plus von 25.000 Personen und "Annabelle" steigert sich – wohl dank ihres Layoutwechsels per 2016 – um 22.000 Leserinnen. Im Zeitalter der allgemeinen Printbaisse sind das bemerkenswerte Entwicklungen.

"Joy"’s Reichweite in drei Jahren halbiert

Vergleicht man die aktuelle Studie mit der Mach Basic 2013-2, der ersten Studie nach geltender Erhebungsmethodik, ist es die Frauenzeitschrift "Joy", die in den letzten drei Jahren relativ gesehen am meisten Reichweite eingebüsst hat, nämlich 50 Prozent.
(© knö.)
Es folgen das "KMU-Magazin" (-40 Prozent), "TVStar2 (-33 Prozent), "Cosmopolitan" (-31 Prozent) und "SonntagsBlick" (-29 Prozent). Insgesamt zwölf Titel haben seit 2013 mindestens ein Viertel ihrer Reichweite verloren. Auch bei den Gratiszeitungen "20 Minuten" und "Blick am Abend" sinkt die Reichweite signifikant, insgesamt haben die beiden Titel in einem Jahr 150.000 Kontakte verloren (-7 Prozent), zusammen kommen sie nicht einmal mehr auf 2 Millionen Print-Kontakte pro Ausgabe. Über drei Jahre haben die beiden Titel zusammen 356.000 Leser (-15 Prozent) verloren.



Bei den Tageszeitungen sind es "Blick" und "Basler Zeitung", die deutlich Leser verlieren, die andern Abo-Zeitungen bleiben recht stabil (selbst die NZZ, die wie die BaZ 21.000 Leser verliert, bleibt damit noch im statistischen Vertrauensbereich). Das Ranking aber bleibt unverändert, und das heisst: Trotz seines starken Verlustes ist der "Blick" weiterhin die meistgelesene Abo-Tageszeitung der Deutschschweiz.

"Bilanz" will Gegensteuer geben

Ganz anders die Situation auf dem Sonntagsmarkt: Hier fiel der "SonntagsBlick", der 100.000 Leser verlor, sogar unter die 600.000er-Marke, womit Hauptkonkurrentin "SonntagsZeitung" (Tamedia) nun die Leaderposition eingenommen hat – sie konnte sogar leicht zulegen, jedenfalls aber ihre Erosion stoppen. Es wird spannend sein zu sehen, wie sich diese neue Situation auf die Inseratepreise auswirken wird.


Bei den Wirtschaftstiteln ist festzustellen, dass sich die Reichweiten von "Bilanz", "Finanz und Wirtschaft" sowie "Handelszeitung" einander nähern. Hier will nun die "Bilanz" Gegensteuer geben: Sie hat angekündigt, dass sie ab nächstem Jahr nicht mehr 14täglich, sondern nur noch monatlich erscheinen wird. Damit dürften sich dann auch die Leserzahlen wieder erhöhen, weil ein Titel, der nur noch monatlich erscheint, von mehr Personen gelesen werden kann – insbesondere wenn er in Anwalts-Kanzleien und Firmen aufliegt – als wenn er häufiger erscheint.

"Beobachter" überholt "K-Tipp", "Schweizer Familie" ist neu vor "SI"

Einen grösseren Umbruch gab es in der Gruppe "Diverse Zeitschriften": Der monatliche "K-Tipp" verliert 82.000 Leser und damit Platz 1 in dieser Gruppe, der vierzehntäglich erscheinende "Beobachter" nimmt neu die Führungsrolle ein. Auf den Rängen weiter hinten kommt es ebenfalls zu Änderungen: Die "Landliebe" kann sich dank ihres Zuwachses auf Platz 3 stemmen und dort Ringiers "Schweizer Illustrierte" verdrängen, die ihrerseits auf Platz fünf zurück fällt und damit erstmals hinter Tamedias "Schweizer Familie" liegt.

Bei der Frauenpresse rutschen "Brigitte" und "Joy" in die Bedeutungslosigkeit ab, es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis sie sich nicht mehr ausweisen lassen. "Annabelle" hingegen stösst wie erwähnt wieder auf mehr Begeisterung. Ein Wort noch zu "Touring": Seine Zahlen sind nicht mit den früheren vergleichbar, weil das Heft per 2015 einen Konzeptwechsel erfahren hat: Statt als Zeitung kommt es seither als Magazin heraus, vor allem aber erscheint es neu statt 20mal nur noch zwölfmal pro Jahr. Der Reichweitenzuwachs um 16 Prozent bestätigt das, was oben für die "Bilanz" angekündigt wurde: Verringert ein Titel seine Kadenz, gewinnt er dadurch mehr Leser. Denn seine Ausgaben bleiben länger liegen und können von mehr Personen zur Hand genommen werden. knö
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