MACH Basic 2017-1 und Total Audience 2017-1

In der Nordwestschweiz recht viel Neues

Im WG 31 ändern sich die Verhältnisse – derzeit zwar nur in homöopathischen Dosen, doch die Trends sind klar: Die "Basler Zeitung" verliert weiter Leser, die bz und die "Tageswoche" legen zu.
Markus Knöpfli, © knö.
Im WG 31 ändern sich die Verhältnisse – derzeit zwar nur in homöopathischen Dosen, doch die Trends sind klar: Die "Basler Zeitung" verliert weiter Leser, die bz und die "Tageswoche" legen zu.
Die Nordwestschweiz ist bekanntlich ein Kampfgebiet, in dem die Blocher'sche "Basler Zeitung" und die Wanner'sche "bz Basel / Basellandschaftlichen Zeitung" um Leser und Abos kämpfen. Die aktuellen Studien zeigen nun: Im letzten Jahr kam die Zeitungslandschaft am Rheinknie wieder etwas stärker in Bewegung als auch schon – zum Nachteil der BaZ und zum Vorteil der bz. Aber auch die "TagesWoche" legte zu.
In den letzten Jahren bewegte sich in der Nordwestschweizer Zeitungslandschaft vor allem die Reichweite einer Zeitung – und zwar abwärts: Die "Basler Zeitung" verlor deutlich Auflage, Abos und eben auch Leser. Die bz blieb mehr oder weniger stabil (was heute ja auch schon eine Leistung ist).
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In den letzten zwölf Monaten aber hat sich die Reichweiten-Lage in der Nordwestschweiz, die hier mit dem Wemf-Wirtschaftsgebiet 31 identisch zu verstehen ist, zwar nicht dramatisch verändert, immerhin aber so, dass sich in verschiedener Hinsicht eine neue Ausgangslage ergibt.

"Nordwestschweiz" hat im WG 31 am meisten Leser

Gemäss den Zahlen der Leserschaftsstudie MACH Basic war bis vor einem Jahr noch die Gratiszeitung "20 Minuten" das meistgelesene Blatt in diesem Teil der Schweiz. Mittlerweile hat aber im WG 31 die "Nordwestschweiz" aus dem Hause Wanner die Führungsrolle mit deutlichem Abstand und vor allem steigender Tendenz übernommen. Das ist bemerkenswert: Eine Abozeitung löst eine Gratiszeitung auf Position 1 ab. Ob dies Wanner aber im Werbemarkt viel nützt ist eine andere Frage, da die "Nordwestschweiz" im WG 31 mit den Kopfblättern "bz Basel", "Basellandschaftliche Zeitung" und einem Teil der "Aargauer Zeitung" (im Fricktal) präsent ist – und letztere sich nicht dem WG 31 entsprechend splitten lässt.


Der Leserschwund der "Basler Zeitung" geht dagegen weiter, hat sich aber verlangsamt. War der Verlust in der MACH Basic 2016-2 gegenüber Vorjahr noch signifikant, blieb der aktuelle Rückgang mit -10.000 Lesern (-8.7 Prozent) im Vertrauensbereich. Im Halbjahresschritt (also gegenüber MACH Basic 2016-2) verlor die BaZ sogar "nur" noch 4000 Leser (-3.7 Prozent).

bz und "Tageswoche" gewinnen Leser

Was man bei der BaZ vermutlich mit weniger Freude zur Kenntnis nimmt: Zwei andere Titel bewegen sich neuerdings verstärkt nach oben: die "Basellandschaftliche Zeitung" samt Schwesterblatt "bz Basel" (+22 Prozent) sowie die "TagesWoche" (+34.6 Prozent). Die Zunahmen gegenüber Vorjahr bleiben zwar in beiden Fällen im Vertrauensbereich, der Trend ist aber recht eindeutig und hat sich im letzten halben Jahr noch einmal akzentuiert. Die bz hat mittlerweile gar Ringiers Gratisblatt "Blick am Abend" um 10.000 Printleser überrundet.

Zu den Gründen der Zunahmen hier ein paar Aspekte: Vrleger Peter Wanner wird argumentieren, dass sich bei der bz bereits der Chefredaktorenwechsel von Matthias Zehnder zu David Sieber (vor einem Jahr) bemerkbar macht. Sieber kommentiert häufiger, pointierter und meist etwas linker als vor ihm Zehnder, die bz kontrastiert damit stärker zur BaZ. Auch hat die bz häufiger als zuvor die Führerschaft bei regionalen Themen übernommen – oder kommuniziert dies zumindest prägnanter. Das ist zwar möglich, denkbar ist aber auch, dass noch Zehnder die Saat für die jetzt steigenden Leserzahlen gelegt hat, diese aber erst jetzt aufgeht. Man wird die weitere Entwicklung ansehen müssen.

Der Aufwärtstrend bei der "TagesWoche" ist auch nicht überraschend. Er geht wohl in erster Linie auf das geänderte Vertriebskonzept zurück: Das Blatt wird in Basel gratis an Haushalte ohne Stoppkleber am Briefkasten verteilt. Aber auch redaktionell tat sich die "TagesWoche hervor, am deutlichsten im letzten Sommer und Herbst im Zusammenhang mit den Regierungsrats- und Grossratswahlen im Kanton Basel-Stadt. In der Erhebungsperiode der MACH Basic 2017-1 (September 2015 bis September 2016) machte sie zudem durch einen neuen Chefredaktor (Christian Degen) von sich reden, der dem Blatt allerdings bereits wieder den Rücken gekehrt hat.

Onlinezahlen stützen den Print-Trend im WG 31

Immerhin: Die steigenden Leserzahlen bei der "TagesWoche" werden in der fraglichen Zeit gestützt durch einen ebenfalls gewachsenen Traffic auf der Website: Gemäss NET Metrix Audit stiegen die Unique Clients (UC) auf tageswoche.ch von 215.000 im September 2015 auf 235.000 im September 2016 – mit einem Höhepunkt im Wahl-Oktober 2016 von 302.000 UC. Die Visits haben in derselben Zeit um etwa 50 Prozent zugelegt.


Damit sind wir bei der Onlinenutzung, zu der aber nicht allzu viele vergleichbare Angaben gemacht vorliegen. Zwar ist auch baslerzeitung.ch bei NET Metrix Audit ausgewiesen, nicht aber die bz. Diese erscheint nur als Teil des "Nordwestschweiz"-Netzes. Deshalb dazu nur so viel: Die Nutzung von BaZ-Online ist in derselben Zeit leicht gesunken oder bestenfalls stabil geblieben (bei etwa 500.000 UC), das Nordwestschweiz-Netz steigerte sich um etwa 100.000 UC auf mittlerweile stabile 1 Million UC.

Aussagekräftiger aber ist die Studie Total Audience 2017-1, die nicht Zugriffe, sondern Gesamtreichweiten ausweist – und zwar für Print und Online. Allerdings nahm daran die "TagesWoche" nicht teil.

Gemäss dieser Studie, die unter anderem auf den Leserschaftsdaten der MACH Basic 2107-1 basiert, kommt die BaZ aktuell auf eine Gesamtreichweite (Print- und Onlinenutzer zusammen) von 148.000 Personen. Das heisst: Neben den aktuell 105.000 Printlesern spricht die Marke auch noch 43.000 reine Onlineuser an. Die Gesamtreichweite der BaZ ist somit um 41 Prozent höher als ihre Printleserschaft. Beim "Nordwestschweiz"-Netz, dessen Verbreitungsgebiet grösser ist als jenes der BaZ, umfasst die Gesamtreichweite  452.000 Personen, 17 Prozent mehr als die Printausgaben (insgesamt 375.000 Leser).
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Interessanter als die absolute Grösse ist jedoch, wie sich die Gesamtreichweiten innert Jahresfrist verändert haben: Jene der BaZ ging von 163.000 Personen in der TA 2016-2 auf die aktuellen 144.000 Nutzer zurück (-8 Prozent), das "Nordwestschweiz"-Netz hingegen steigerte sich um 32.000 Personen oder 3.5 Prozent.

Überhaupt weisen die beiden Marken in der Total Audience-Studien entgegengesetzte Entwicklungen auf: Die BaZ verliert sowohl Print- als auch Online-Nutzer, die "Nordwestschweiz" legt bei beiden Nutzerkategorien zu. Und dies nicht zum ersten Mal: Ausgehend von der ersten vergleichbaren Studie 2015-2 sind die Verluste bei der BaZ noch dramatischer und die Zuwächse bei der "Nordwestschweiz" noch deutlicher: Die Gesamtreichweite der BaZ reduzierte sich somit in den letzten eineinhalb Jahren um 29.000 Personen oder 16 Prozent, jene der "Nordwestschweiz" nahm dagegen um 39.000 Nutzer oder 9 Prozent zu. Welchen Anteil die Website der bz daran hat, ist nicht bekannt. knö






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