Konsumentenstimmung

Schweizer haben an Optimismus verloren

Schweizer Franken
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Schweizer Franken
Gemäss Konsumentenstimmungsindex von Nielsen gehören die Schweizer zu den optimistischsten Europäern, aber die gute Stimmung nimmt ab.

Dänemark kann auf die optimistischsten Europäer zählen. Auch in der aktuellen Erhebung führt es die Rangliste der europäischen Länder mit deutlichem Vorsprung an (112 Punkte) und behauptet damit den Spitzenplatz. Den zweiten Platz teilen sich Grossbritannien, Tschechien und die Türkei mit jeweils 98 Punkten. Auf dem dritten Platz folgt Deutschland gemeinsam mit Irland mit 96 Punkten. Erst dann kommen die Schweiz und die Niederlande mit 91 Punkten.


Dieser Wert ist zwar immer noch 12 Indexpunkte über dem europäischen Durchschnitt (79 Punkte), hat jedoch weiter abgenommen und liegt nun 17 Indexpunkte tiefer als vor fünf Jahren. Das ist das Ergebnis vom aktuellen Konsumentenstimmungsindex von Nielsen, einem globalen Performance Management Unternehmen, das Informationen und Erkenntnisse zum Medien- und Konsumverhalten von Verbrauchern liefert.

Der Verbrauchervertrauensindex bildet die Job-Aussichten, die persönliche finanzielle Situation und die Bereitschaft der Konusmenten in weltweit 64 Ländern ab, Geld auszugeben – immer mit Blick auf die kommenden zwölf Monate und im europäischen Vergleich."Obwohl die Konsumentenstimmung weiterhin deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegt, sollten wir uns über den langfristigen Trend bewusst sein", sagt Judith Kuiper, Geschäftsführerin von Nielsen Schweiz. "Noch vor fünf Jahren verzeichnete die Schweiz europaweit die höchste Konsumentenstimmung. Seitdem zeigt der Trend jedoch nach unten und verzeichnet nun den tiefsten Wert seit 2012. Die frühere Spitzenposition liegt damit in weiter Ferne."

Weiterhin gute Job-Aussichten

Rund 50 Prozent der Schweizer beurteilen ihre Job-Aussichten für die nächsten 12 Monate als gut oder sehr gut. Mit diesem Wert erreicht die Schweiz einen der Spitzenplätze in Europa. Auch gegenüber dem letzten Quartal konnte dieser Wert gesteigert werden (Q1 2016: 44 Prozent) und ist im langfristigen Vergleich ein durchschnittlicher Wert. "Die hohe Arbeitsplatz-Sicherheit ist in der Schweiz seit langem eine wichtige Grundlage für eine gute Konsumentenstimmung, welche aber nicht automatisch zu einer besseren Kauflaune führt", analysiert Kuiper.

Die Kauflaune ist im aktuellen Quartal weiter gesunken. Lediglich 38 Prozent der Schweizer sind der Ansicht, dass die nächsten 12 Monate eine gute Zeit zum Geldausgeben sind, was einem Rückgang von sieben Prozentpunkte entspricht (Q1 2016: 42 Prozent). "Trotz der hohen Arbeitsplatz-Sicherheit sind deutlich weniger Konsumenten bereit Geld auszugeben als noch zu Beginn des Jahres", so Kuiper. "Im Fünf-Jahres-Vergleich wird sichtbar, dass der aktuelle Rückgang einem langfristigen Trend entspricht. Der aktuelle Wert ist zudem der tiefste Wert seit Q1 2012." Nach einer kurzfristigen Erholung ist der Index dannzumal kontinuierlich gesunken.
Über die Nielsen Global Survey
Die Nielsen Global Survey über das Vertrauen der Konsumenten und ihre Einkaufsgewohnheiten wurde im Zeitraum vom 9. bis 27. Mai 2016 durchgeführt. Dabei hat Nielsen mehr als 30.000 regelmässige Internetnutzer in 63 Ländern der Regionen Asien-Pazifik, Europa, Lateinamerika, Mittlerer Osten, Afrika und Nordamerika befragt. Die Stichprobe ist nach Alter und Geschlecht für jedes Land basierend auf den jeweiligen Internetnutzern quotiert und gewichtet. Sie repräsentiert damit die Internetnutzer des Landes und hat eine maximale Abweichung von ±0,6 Prozent. Diese Nielsen Onlineumfrage basiert ausschliesslich auf dem Verhalten von Befragten mit Internetzugang. Die Internetverbreitung variiert je nach Land. Damit ein Land in die Umfrage aufgenommen wird, setzt Nielsen voraus, dass mindestens 63 Prozent der Bevölkerung oder zehn Millionen Menschen Internetzugang haben. Der Verbrauchervertrauensindex für China wird in einer separaten Umfrage mit kombinierter Methodik unter 3.500 Befragten erhoben. Die Nielsen Global Survey wird seit 2005 kontinuierlich durchgeführt.
Die schwache Kauflaune der Schweizer Konsumenten ist jedoch nicht durch einen finanziellen Engpass begründet. Die Hälfte der Schweizer bewertet ihre aktuelle persönliche finanzielle Situation als gut bis sehr gut – dies entspricht nur einem leichten Rückgang um drei Prozentpunkten im Vergleich zum Vorquartal (52 Prozent, Q1 2016: 55 Prozent). "Der grösste Teil der Schweizer ist somit zuversichtlich über die eigene finanzielle Situation, ist aber trotzdem zögerlich bei den Ausgaben und spart lieber", fasst Kuiper zusammen.

Wie die Schweizer ihre Ausgaben senken

Nach Deckung der Lebenshaltungskosten investieren die Schweizer am meisten in Ferien (46 Prozent), gefolgt von Sparen (34 Prozent), neuer Kleidung (33 Prozent) und Freizeitaktivitäten (27 Prozent). Im Zeitvergleich über die letzten Quartale wird deutlich, dass Sparen der einzige Ausgabeposten ist, der unverändert eine hohe Bedeutung hat, während andere Posten wie Ferien an Priorität verlieren.

Wenn die Ausgaben reduziert werden sollen, sparen die Schweizer Konsumenten am häufigsten bei neuer Kleidung (62 Prozent). Die Sparmassnahmen Nummer zwei und drei sind der Wechsel zu günstigeren Lebensmittelmarken (58 Prozent) und weniger auswärts essen (47 Prozent). Im europäischen Durchschnitt zeigen sich ähnliche Prioritäten. 55 Prozent der Befragten sparen, indem sie weniger für neue Kleidung ausgeben, 50 Prozent schränken die Freizeitaktivitäten ausser Haus ein und 49 Prozent greifen zu günstigeren Lebensmittelmarken.

"Der internationale Terrorismus gehört im zweiten Quartal zu den Hauptsorgen der Schweizer und hat gegenüber dem letzten Quartal stark an Bedeutung gewonnen", analysiert Kuiper. Für jeden dritten Konsumenten ist dies die Hauptsorge (34 Prozent, Q1 2016: 24 Prozent). Weitere folgen Jobsicherheit (20 Prozent) und Gesundheit (17 Prozent). In Europa machen sich die Menschen am meisten Gedanken um Terrorismus (24 Prozent), gefolgt von Jobsicherheit (20 Prozent) und Wirtschaft (20 Prozent).



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