Kommunikation Schweiz

Nach "No Billag" ruft Sylvia Egli von Matt zu neuem Respekt auf

EMEK-Vizepräsidentin Sylvia Egli von Matt
Markus Knöpfli, © knö.
EMEK-Vizepräsidentin Sylvia Egli von Matt
"No Billag" ist deutlich verworfen, nach einem der längsten Abstimmungskämpfe muss sich die zerstrittene Medien- und Kommunikationsbranche wieder zusammenrauffen. Der Dachverband Kommunikation Schweiz (KS) machte gestern den Anfang – mit einem eindringlichen Appell von Sylvia Egli von Matt und mit einer Podiumsdiskussion.
"Die Debatte um die 'No Billag' war geprägt von Respektlosigkeit, Pauschalverdacht und Misstrauen gegenüber Menschen, aber vor allem gegenüber Institutionen", resümierte Sylvia Egli von Matt. Doch politisch geschürtes Misstrauen, Abwertung und Respektlosigkeit anderer Meinungen gegenüber seien "so gefährlich für die Demokratie und unsere Gesellschaft wie das Fehlen von Journalismus". Und gegen beide Gefahren könnten "wir alle hier" etwas tun, ermahnte die Vizepräsidentin der Eidgenössischen Medienkommission (EMEK) die anwesenden rund 30 anwesenden Personen aus Politik und Kommunikationsbranche.
Auf dem Podium diskutierten mit (v.l.n.r.): Moderator und SP-Nationalrat Matthias Aebischer, Bakom-Direktor Philipp Metzger, Verleger Gilbert Bühler, "No Billag"-Mitinitiant Thomas Juch und Havas-CEO Frank Bodin.
Markus Knöpfli, © knö.
Auf dem Podium diskutierten mit (v.l.n.r.): Moderator und SP-Nationalrat Matthias Aebischer, Bakom-Direktor Philipp Metzger, Verleger Gilbert Bühler, "No Billag"-Mitinitiant Thomas Juch und Havas-CEO Frank Bodin.
Egli von Matt beschränkte sich allerdings nicht nur auf diesen Aufruf, vielmehr griff sie zwei Vorschläge auf, über die man ihrer Meinung nach weiterdenken sollte. Schliesslich gehe es "um nichts Geringeres als um eine Medienordnung für die Schweiz, in der möglichst alle gewinnen", und auch darum, wie demokratierelevanter Journalismus finanzierbar und damit überlebensfähig bleibe.

Spannende Idee: Vier Erkenntnisse als künftige Basis anerkennen

Um die letztgenannte Herausforderung anzupacken, verwies Egli von Matt auf eine Idee der EMEK: Diese hatte vorgeschlagen, zur Finanzierung von relevantem Journalismus eine Stiftung zu gründen, analog zu Nationalfonds oder Pro Helvetia. Zudem griff Egli von Matt die Idee von Roger Schawinski auf, der vorgeschlagen hatte, künftig 60 Prozent der Gebühren fix der SRG zukommen zu lassen, während die Bevölkerung den Rest – beispielsweise mittels Gutscheinen – an die von ihr favorisierten konzessionierten Radios und TVs verteilen kann. Egli von Matt weitete diese Idee allerdings aus: Der Gebühren-Rest sei "auf alle Medien mit demokratierelevantem Inhalt zu verteilen, wenn es uns wirklich ernst ist mit Journalismus".

Bei der Diskussion dieser Ideen gelte es aber, diverse teils durch Studien untermauerte Erkenntnisse als gemeinsame Basis anzuerkennen. Etwa der Befund, dass ein starker Service Public allen – auch den Privaten – hilft, weil er das Vertrauen in Institutionen und Medien stärke. Zu erwähnen sei ferner die wissenschaftlich erhärtete Aussage, wonach ein Werbeverbot für die SRG oder auch eine Einschränkung nicht a priori die Privaten stärkt. Auch eine Expertise zu Onlinejournalismus führte sie an: Demnach sollte dieser öffentlich-rechtlich finanziert werden, damit er nicht durch pseudojournalistische Angebote verdrängt wird. Und schliesslich erinnerte Egli von Matt noch an den Ratschlag der EMEK, wonach der Medien- und Kommunikationsmarkt nur zurückhaltend reguliert werden sollte, um Schweizer Akteuren möglichst viel Freiraum gegenüber den internationalen Mitbewerbern zu geben.

Diskussion über Gebühren-Gutscheine und Werbestopp

Gilbert Bühler, CEO der Freiburger Nachrichten.
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Gilbert Bühler, CEO der Freiburger Nachrichten.
In der anschliessenden Podiumsdiskussion wurde unter der Leitung von SP-Nationalrat Matthias Aebischer ein Teil dieser Anregungen diskutiert. Zu Schawinskis Idee stellte Gilbert Bühler, CEO der Freiburger Nachrichten und Vizepräsident des Verbands Schweizer Medien, die Frage, was denn mit jenen Gebührengutscheinen passiere, die von den Gebührenzahlenden nicht verteilt werden.
Bakom-Direktor Philipp Metzger
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Bakom-Direktor Philipp Metzger
Und Bakom-Direktor Philipp Metzger gab zu bedenken, dass ein solches Verfahren administrativ sehr aufwendig wäre, zudem käme so den Medienunternehmen die Investitionssicherheit abhanden. Es gelte aber, für die Kontinuität eines qualitatitv hochstehenden Angebots zu sorgen.
Havas-CEO Frank Bodin
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Havas-CEO Frank Bodin
Auch Frank Bodin, Noch-CEO von Havas, zeigte sich dem Vorschlag gegenüber "skeptisch": "Es ist gefährlich, sich bloss nach Masse und Gutscheinen zu richten", sagte er. Minderheitenmedien würden damit benachteiligt, auf jeden Fall aber zu wenig berücksichtigt.

Besser kam Egli von Matts "Basiserkenntnis" an, wonach ein Werbeverbot  für die SRG nicht die Privaten stärke. Bodin stimmte dem zu. "Ein Werbeverbot am Abend wäre ein Killer", meinte er auch an die Adresse des anwesenden CVP-Nationalrats Beat Vonlanthen, der vor wenigen Tagen einen Vorstoss für einen Werbestopp bei der SRG ab 19.30 Uhr angekündigt hatte.
CVP-Nationalrat Beat Vonlanthen
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CVP-Nationalrat Beat Vonlanthen
Und zu Verleger Gilbert Bühler, der sich gegen Targeted Advertising bei der SRG ausgesprochen hatte, sagte Bodin, dass es die Branche nur über Kooperationen schaffe, werblich relevant zu bleiben. Ob Admeira dafür die richtige Lösung sei, sei eine andere Frage. Sicher sei aber, dass künftig alles nur noch über Daten laufe. "2030 wird es keine Zeitungen mehr geben", fügte er provozierend hinzu.
Thomas Juch, Mitinitiant "No Billag"
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Thomas Juch, Mitinitiant "No Billag"

Nichts Neues von der "No Billag"-Seite

Eigentlich nichts Erhellendes trug Thomas Juch bei, Mitinititiant von "No Billag". Er forderte gleich lange Spiesse für SRG und Private im Medienwettbewerb, warnte die Verleger, dass sie mit der Neukonzession der SRG bald "neue Probleme" zu gewärtigen hätten und forderte, dass die SRG "sich nicht auf Kosten der Privaten ausbreiten" dürfe. Er wurde allerdings nirgends konkreter. Bodin denn auch einmal ziemlich heftig: Es sei "absoluter Quatsch" und "wirres Zeug", dass Private durch guten Service public kaputt gemacht würden. "Das Gegenteil ist der Fall: Sie befruchten sich gegenseitig", sagte der Werber und wollte so wohl einem von Egli von Matts "Grunderkenntnissen" zum Durchbruch verhelfen. Die Art und Weise war allerdings kontraproduktiv, kam dies doch bei Juch als "frech und arrogant" an, wie dieser sagte.
Filippo Lombardi, Präsident von Kommunikation Schweiz
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Filippo Lombardi, Präsident von Kommunikation Schweiz
Zum Schluss wagte KS-Präsident Filippo Lombardi eine erste Büschelung der Meinungen, "die zum Teil weit auseinander gehen", wie er sagte. Immerhin stellte er fest, dass die Forderungen von Vonlanthen und das Angebot von SRG-Generaldirektor Gilles Marchand nahe bei einander liegen. Allerdings kritisierte er, dass die Service-Public-Diskussion bisher zu sehr von Verteilkämpfen beherrscht war. Er erinnerte deshalb die Branche daran, dass sie nicht alles vom Regulator erwarten solle, sondern selbst aktiv werden müsse. knö







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