"Schweiz am Sonntag", its Masters' voice

Verleger machen Front gegen SRG-Lobbying

Hier haben sich sich noch vertragen, heute lobbyieren sie gegeneinander: Hanspeter Lebrument und Roger De Weck an der Dreikönigstagung 2011.
Markus Knöpfli, knö.
Hier haben sich sich noch vertragen, heute lobbyieren sie gegeneinander: Hanspeter Lebrument und Roger De Weck an der Dreikönigstagung 2011.
Die Verleger zeigen sich empört über das Lobbying von SRG-Generaldirektor Roger De Weck in Bundesbern. Das schreibt die "Schweiz am Sonntag" – und zeigt gleich, wie Konzernjournalismus funktioniert. Zudem liefern die Verleger in derselben SaS-Ausgabe weitere Munition an De Weck.
Es ist doch klar: Sie lobbyieren beide in Bundesbern für ihre jeweiligen Interessen – die SRG und die Verleger. Und zwar immer wieder. Was ja grundsätzlich auch legal ist. Wie das aktuelle Lobbying der SRG aussieht, zeigte gestern die "Schweiz am Sonntag" (SaS) auf, die Zeitung des (noch) amtierenden Verleger-Präsidenten Hanspeter Lebrument und des designierten Vizepräsidenten Peter Wanner. Selbstredend lässt das Blatt in seinem doppelseitigen Aufmacherartikel vor allem die empörte Verlegergilde zu Wort kommen, unter anderem auch Lebrument. Sie betreibt damit in grossem Stil eine Art Konzernjournalismus, wird zur Stimme ihrer Herren.

Die Erkenntnis daraus: Beide Seiten lobbyieren, aber die Verleger setzen auch noch ihre Medien für ihre eigenen politischen Interessen ein.

Hinzu kommt: In der selben SaS-Ausgabe, nur ein paar Seiten weiter hinten, wird auch noch berichtet, das Tamedia und Christoph Blocher zwar keine Zeitungen tauschen, wie vor einigen Wochen kolportiert und dementiert, dass aber ihre Zeitungen "Tages-Anzeiger" und "Basler Zeitung" anfangen, Artikel auszutauschen, und zwar in den Ressorts Wirtschaft, Kultur und Sport.

Man mag diese inhaltliche Annäherung gut finden oder nicht, klar ist aber: Sie ist zusätzliches Wasser auf die Mühle von Roger De Weck. Denn sie stützt ganz direkt dessen Lobbying-These, über die sich die Verleger so entrüstet zeigen. Und diese These lautet gemäss SaS so: Die privaten Verleger hätten Mühe, hochstehenden Qualitätsjournalismus in Zukunft zu garantieren, weil Journalismus nur noch schwer finanzierbar sei. Es gebe deshalb Verlage, die Titel verkaufen wollen, und solche, die vielleicht bald Titel verkaufen müssten. Allerdings gebe es nur einen Käufer: SVP-Stratege und Milliardär Christoph Blocher, Mitbesitzer der "Basler Zeitung". Eine geschwächte SRG neben geschwächten Privaten wäre deshalb für die Schweiz denkbar schlecht. Es brauche die SRG als Bollwerk des unabhängigen Qualitätsjournalismus.



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