Interview Mediaschneider

„Warum sollten das die Kunden selbst machen?“

Mediaschneider-CEO Manfred Strobl
Mediaschneider
Mediaschneider-CEO Manfred Strobl
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Mediaschneider ist die grösste unabhängige Mediaagentur der Schweiz und will das auch bleiben. Im Interview spricht CEO Manfred Strobl über die Herausforderungen, die sich Mediaagenturen im nächsten Jahr stellen werden und wie Mediaschneider sie bewältigen will.



Was sind die größten Herausforderungen, denen die Schweizer Mediaagenturen sich im nächsten Jahr gegenüber sehen? Die Investitionen der Agenturen in Tools & Technologie werden immer wichtiger und immer teurer. Der Effizienz- und Effektivitätsdruck unserer Kunden wird immer grösser, dabei nimmt aber auch die Kurzfristigkeit und Flexibilität der Entscheidungen immer mehr zu. Idealerweise bringt jeder eingesetzte Werbefranken einen positiven ROI, d.h. die Messbarkeiten werden zu einem noch wichtigeren Thema. Zudem haben die Agenturen Schwierigkeiten ihre Top-Mitarbeiter zu halten und zu motivieren - falls sie diese verlieren, so wird es immer herausfordernder, seniorigen Ersatz zu vertretbaren Konditionen zu finden. Insgesamt also keine positiven Faktoren. Gleichsam treiben uns diese Herausforderungen auch an zum “besser werden”, wir lernen viel und finden neue Wege, werden somit “klüger” in unseren Entscheidungsfindungen - oder einzelne Player verschwinden mittel- oder langfristig vom Markt.

Der Werbemarkt in der Schweiz stagniert ja eher. Wie wirkt sich das für die Mediaagenturen aus? Die Gesamt-Kommunikations-Spendings sind nicht das Problem, wohl aber diejenigen Franken, die ins “Paid Media” gehen - diese befinden sich in einem leichten Rückgangstrend, da die grossen Mix-Posten wie Print deutliche Rückgänge haben und diese durch Paid Online bzw. andere Kanäle kaum kompensiert werden können. Andererseits gibt es Bereiche, die zulegen, beispielsweise das Influencer-Marketing, aber nicht notwendigerweise von Mediaagenturen gesteuert werden - die Konkurrenz aus artverwandten Agenturen nimmt zu und einzelne Werbetreibende machen interaktive digitale Kommunikation zuweilen selbst, zum Beispiel im Social Media.

Wie werden sich die Spendings bei  Ihrer Agentur im nächste Jahr entwickeln? Die Mediaschneider hat über die Jahre jeweils organisch zugelegt und wird versuchen in einem leicht rückläufigen Markt die Marktanteile zu steigern. Allerdings kann es immer wieder Kunden- oder Branchenspezifische Faktoren geben wie Pitches, Regulierungen oder ähnliches, die das Volumen tangieren. Die Lösung liegt neben Neugeschäft in Potenzialausweitungen bei bestehenden Kunden durch Hinzunahme neuer Services unserer Agentur. Der Launch der Hoy AG, die wir 2016 als Solution House im Bereich Advertising Technology gegründet hat, zeigt eine strategische Antwort für neue Marktchancen auf, die trotz Marktlimit den Erfolg der Mediaschneider sichern wird.

Auch in der Schweiz gibt es einen klaren Trend zu Inhousing, was Medialeistungen angeht. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung? Das ist eine interessante und teils fragwürdige Entwicklung, weil die Unternehmen hier etwas neben ihren Kernkompetenzen aufbauen, dessen Nutzen ich persönlich nicht sofort sehe. Mediaschneider ist eine voll integriert arbeitende Agentur mit grossem Kundenfokus und maximaler Transparenz, hat ständig die neuesten Informationen von Anbietern, Tools, Data Tanks und Veränderungsprozessen und vieles mehr. Wir sind also ständig am Puls in unserem Geschäft und generieren eine sehr gute Wertschöpfung für unsere Kunden in einem skalierbaren Modell - warum sollten das die Kunden selbst machen? Zugegeben, wenn der Kunde über sehr viele und gute Ressourcen verfügt, dann mag das ein gangbarer Weg sein, dessen Nachhaltigkeit sich aber erst noch beweisen muss. vg



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