IMS Sport AG

"Der 'Bernerbär' hatte bei Tamedia nicht dieselbe Priorität, die er bei uns haben wird"

Erwin Gross, CEO und Inhaber der IMS Sport AG.
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Erwin Gross, CEO und Inhaber der IMS Sport AG.
Die IMS Sport AG übernimmt von Tamedia die Gratiszeitung "Bernerbär", die zumindest auf den ersten Blick nicht so richtig in deren Portfolio aus sprachregionalen Sportmagazinen passt. Noch hält sich IMS-Inhaber Erwin Gross denn auch betreffend seiner Pläne mit der Gratiszeitung bedeckt. Aber er glaubt an deren Chance.
Dass sich die IMS Sport AG ausgerechent die Gratiszeitung "Bernerbär" kauft, ist kein Zufall. Als ehemaliger Publicitas-Kundenberater und früherer Ringier-Mitarbeiter bei "Bund" und "Blick" hatte Erwin Gross schon früh einen Blick auf das Gratisblatt geworfen. "Der 'Bernerbär' hat mir schon immer gefallen, ich habe schon vor 20 Jahren ein Kaufangebot gemacht", sagt er. Und vor zwei Jahren habe er erneut mit Tamedia verhandelt. Doch erst jetzt sei man sich handelseinig geworden. Der Kauf sei so gesehen durchaus emotional gesteuert. "Der Bauch sagte ja."

Dennoch, im Laufe des Gesprächs mit Gross merkt man bald: Es war nicht nur ein Bauchentscheid, der Kopf war mit dabei. Gross spricht von möglichen Synergien, denn IMS als Vermarkter des Schlittschuh-Clubs Bern (SCB) gibt bereits zwei regionale Printmagazine heraus, ein SCB-Fanmagazin mit 20.000 Exemplaren, das sechsmal jährlich erscheint, sowie ein viermal jährlich erscheinendes VIP-Magazin mit 2000 Exemplaren. Synergien sieht Gross im redaktionellen Bereich, vor allem aber im Bereich Vermarktung.

Dass der "Bernerbär", der seit 2013 20.000 Leser verloren hat, neben dem "Anzeiger Region Bern","20 Minuten" und "Blick am Abend" in Bern einen schweren Stand hat, bestreitet er zwar nicht. Dennoch glaubt er an das Potenzial des "Bernerbärs". "Bei der grossen Tamedia hatte er natürlich nicht dieselbe Priorität, die er bei uns geniessen wird", sagt er. Als kleiner Verlag und Vermarkter könne sich IMS intensiver um den Titel kümmern. "Wir sind Vermarkter, nicht nur Millimeter-Verkäufer."

Klar wird aber auch: Gross schwebt durchaus ein anderes Konzept vor. Noch lässt er sich aber nicht allzu sehr in die Karten blicken. Er werde im Frühling 2017 kommunizieren, wie es konkret weiter gehen soll, meint er. Immerhin – die Richtung deutet er an: "Man muss den 'Bernerbär' sicher anders aufsetzen und grösser andenken – vielleicht mit Produkten rundherum." Auch ein Relaunch sei geplant. Und der Sport, der beim 'Bernerbär' schon heute eine Rolle spielt, könnte noch mehr Gewicht erhalten – wobei Gross nicht nur an Eishockey, sondern auch an Fussball und andere Sportarten denkt.


Vorderhand gilt es aber, den "Bernerbär" redaktionell von der "Berner Zeitung" zu lösen. Gross sieht darin kein Problem. Zum einen, weil der "Bernerbär" schon bisher nur wenige Inhalte von der BZ bezogen habe. Zum andern, weil die Trennung langsam von statten gehen darf: "Das Verhältnis zu Tamedia ist gut. Vorläufig kann die Redaktion deshalb noch am selben Ort bleiben, mit dem einzigen Unterschied, dass die Leute nun auf meiner pay-roll stehen", sagt er. Zudem gehe es nun eben darum, alle möglichen Synergien mit seinen andern Titeln zu suchen. "Da wissen wir noch nicht genau, wohin es geht." Klar ist für ihn aber: "Die 'Bernerbär'-Redaktion muss zu 90 Prozent eigenständig laufen."




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