Hinderling Volkart

"Aus eigener Kraft wachsen und Mitarbeiter nicht verbrennen"

Michael Volkart, Namensgeber und Managing Director der Agentur von Hinderling Volkart
Hinderling Volkart
Michael Volkart, Namensgeber und Managing Director der Agentur von Hinderling Volkart
Michael Volkart, Namensgeber und Managing Director der Agentur Hinderling Volkart, über digitale Kommunikation, Entwicklung seines Unternehmens und Merged Reality.

Hinderling Volkart ist der Hotspot, wenn es um digitale Kompetenz geht. Wie zufrieden bist du mit dem IST-Zustand der Agentur?
Ich bin persönlich eigentlich nie vollkommen zufrieden mit einem Ist-Zustand unserer Agentur. Die starken Bewegungen im Markt und die rasante Entwicklung der Technologien halten uns ständig in Bewegung – und der Soll-Zustand der Agentur eilt dem Ist-Zustand meist zwei drei Schritte voraus. Das Tempo soll dann einer gesunden Agenturentwicklung angepasst werden. Das ist eine Herausforderung.


Ein echter Durchbruch bringt die Hololens von Microsoft, die eigentlich bereits als Mixed Reality betrachtet werden kann. Mögliche Anwendungen sind zahlreich. Besonders spannend ist der kollaborative Gedanke. Mehrere Personen an verschiedenen Standorten können in Agumented Reality Welten gemeinsam interagieren. Im Gegensatz zu Virtual Reality bleibt mein Gegenüber aber sichtbar und wird nicht durch einen künstlichen Avatar ersetzt. Als Agentur gedacht, wird es die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Stadorten vereinfachen.

Merged Reality ist das Buzz-Word der Stunde und so frisch, dass noch kein Wikipedia Artikel dazu besteht. Es steht für die Verschmelzung der virtuellen Realität mit der echten Welt. Mit unserer Ballonfahrt über die Schweiz zeigen wir eine konkrete Anwendung davon: Die Ballonfahrt ist virtuell, der Ballonkorb aber steht real im Raum. So können Personen auch virtuell den «echten» Korb spüren. Das steigert das immersive Erlebnis enorm. Diesen virtuellen Ballonkorb haben wir aufwändig digital reproduziert. In Zukunft werden Mixed Reality Geräte unsere echte Welt erfassen und automatisch in die virtuelle Welt übertragen.

Event "Immersive Perspectives"
Event "Immersive Perspectives" (© Seiler's Werbeblog)
Am Event habt ihr einen Parcours aufgestellt, welcher den Teilnehmern die Gelegenheit bot, Demos und Applikationen zu erleben. Wie wichtig ist es in einem solch technischen Umfeld wie ihr euch bewegt, die «Produkte» erlebbar zu machen?
Gerade bei neuen Technologien ist es wichtig, die Produkte erlebbar zu machen. Vor allem, wenn diese noch nicht einfach zugänglich sind. Über diese Technologien diskutieren kann man erst, wenn man sie auch selber ausprobiert hat. Davon bin ich überzeugt. Und die spannenden Diskussionen mit unseren Kunden haben statt gefunden, das kann ich bestätigen.

Wie wichtig sind solche Events für euch als Firma und für die Kundenpflege?
Dies ist bereits der zweite Event in diesem Jahr, der Einblicke in neue Technologien gibt. Das ist eine gute Gelegenheit, in die Vogelperspektive zu wechseln und in einen Austausch über neue Perspektiven und Chancen zu treten. Etwas, das im täglichen Projektgeschäft oft zu kurz kommt.

Den Event habt ihr zusammen mit Bitforge durchgeführt. Was für eine Beziehung pflegt ihr zu BitForge?
Ich bin bekennender BitForge Fan. Sie sind leidenschaftliche Entwickler, die eine grosse Kreativität aus technologischen Möglichkeiten schöpfen können. Sie hatten schon in den Zeiten der Nokia Handys Erfolg mit ihren Games, haben es auf den Start Screen von Steve Job’s iPad Präsentation geschafft und experimentierten mit der ersten Oculus, als für viele Virtual Reality noch ein unbekanntes Feld war. Wir möchten die langjährige lose Zusammenarbeit mit BitForge intensivieren – ein erster Schritt dazu ist ihr Umzug in unsere direkte Nachbarschaft.

Und sonst, gibt es andere interessante Firmen und Start-ups, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben, den digitalen Wandel zu revolutionieren?
Ich finde es sehr spannend, was im Umfeld des Impact Hubs momentan passiert. Auch die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen des W.I.R.E. Think Tanks sind interessant. Und in unserem «Attic» Coworking Space entwickelt sich ein spannendes Umfeld. Ich denke, es sind neue Arbeitsformen und Innovationsprozesse, die in Zukunft die Impulse setzen werden.

Bei vielen Kunden (Swiss, Rivella, Post usw.) habt ihr den Lead im digitalen Bereich. In der klassischen Werbung werden diese Kunden von profilierten Agenturen betreut. Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen euch und den «anderen» Agenturen aus? Kann diese Konstellation auch zu Konkurrenzdenken führen?
Bis jetzt haben wir meist positive Erfahrungen gemacht in Zusammenarbeit mit Partnern aller Art. Konkurrenzdenken ist da selten spürbar, vielleicht auch weil wir sehr gerne in Teamkonstellationen agieren.

Was sind eure Ziele für das kommende Jahr? Stehen strategische Entscheidungen an?
Unser Haupt-Ziel sind Kundenprojekte, die Benutzer, Kunden und Mitarbeiter gleichsam begeistern und in Funktion, Form und Inhalt überzeugen. Dazu braucht es Mut von Kundenseite und einen guten kreativen Prozess: gemeinsam mit dem Kunden und über alle Disziplinen und Phasen hinweg. Zudem steht im kommenden Jahr ein Umzug an, nach dem endlich wieder alle Mitarbeiter in einem Raum vereint sein werden – nicht virtuell, sondern 100% real.  Interview: Yves Seiler

Weitere Interviews und Analysen über die Werbung in der Schweiz und im Rest der Welt auf www.seilers-werbeblog.ch.



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