Wirtschaftskammer Baselland

Geballte Ladung Vorwürfe an die BaZ und Chefredaktor Markus Somm

Zwei der drei Seiten gegen die BaZ: "Standpunkt" der Wirtschaft vom 9.2.2018
Zwei der drei Seiten gegen die BaZ: "Standpunkt" der Wirtschaft vom 9.2.2018
Die Wirtschaftskammer Baselland schiesst aus vollen Rohren gegen die "Basler Zeitung". Via "Standpunkt", die regionale Ausgabe der "Schweizerischen Gewerbezeitung", wirft sie der BaZ und deren Chefredaktor Markus Somm die Verbreitung von "Fake News", falsches Zitieren, eine "rufschädigende Unterstellung" sowie Führungsschwäche vor – auf insgesamt fast drei vollen Zeitungsseiten.

Die Vorwürfe sind happig und in Grossformat, und sie beginnen schon auf der Front der "Standpunkt"-Ausgabe vom 9. Februar 2018. Christoph Buser, Direktor der Wirtschaftskammer Baselland, wirft dort der BaZ in einem Kommentar vor, es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. Auf den Seiten 4 und 5 geht es dann mit Titeln wie "Unzulässige Methoden – BaZ instrumentalisiert Professor" oder "Thesenjournalimus – BaZ-Journalisten unter Druck" weiter. In einem dritten Artikel ist zudem von einem "völlig ungerechtfertigten Medienangriff auf unsere Gefak" zu lesen.

Doch worum gehts? In den letzten Wochen hatte die BaZ mehrmals und unter Berufung auf ungenannte Quellen darüber berichtet, dass das Kantonsspital Baselland (KSBL) angeblich einen Austritt aus der Wirtschaftskammer prüfe - dies aus politischen Gründen, weil deren Direktor Buser als FDP-Landrat die geplante Fusion des KSBL mit dem Basler Unispital kritisch sehe. Hinzu kam der Vorwurf der BaZ, die Wirtschaftskammer betreibe mit Geldern aus der Familienausgleichskasse Gefak politisches Lobbying oder Wahlkampf. Sie zitierte dazu Professor Thomas Gächter von der Uni Zürich, allerdings an der entscheidenden Stelle nur indirekt. Wörtlich hiess es in der BaZ vom 27. Januar 2018: "Die Gefak ist eine Tochterfirma der Wirtschaftskammer. Mitglieder des Verbandes wechseln automatisch in diese Familienausgleichskasse Gefak. Gemäss Gächter dürfen grundsätzlich zwar keine Gelder abgeschöpft werden. Dennoch nutzen die Verbände, nicht nur die Wirtschaftskammer, die Familienausgleichskassen auch für ihre Verbandstätigkeit – beispielsweise für politisches Lobbying oder Wahlkampf, erklärt Gächter.


Der Wirtschaftskammer scheint es primär um den Nachsatz "beispielsweise für politisches Lobbying oder Wahlkampf" zu gehen. Im "Standpunkt" dementiert Gächter nun, diesen Teil je gesagt geschweige denn autorisiert zu haben. Das sei die These des BaZ-Journalisten gewesen, der ihn kontaktiert habe. Auch KSBL-CEO Jürg Aebi dementiert im "Standpunkt", "einen Austritt aus der Wirtschaftskammer (...) in Erwägung gezogen" zu haben.

"Eine geradezu geschäftsschädigende Unterstellung"

Wirtschaftskammerpräsident Andreas Schneider und sein Kommunikationsleiter Daniel Schindler kanzeln deshalb die Leistungen der BaZ mit deutlichen Worten ab: Von "Falschmeldungen", "Verschwörungstheorien" und "reinen Fake News" ist die Rede, die BaZ habe einem Professor "Aussagen in den Munde gelegt" und ihm "Statements untergejubelt" andere Aussagen seien "aus dem Zusammenhang gerissen" und "verfälscht" worden. Um "eine krude, wirre abenteuerliche These" zu untermauern, seien "Fakten frei erfunden" worden, an der Geschichte über einen geplanten Austritt des KSBL aus der Wirtschaftskammer "stimmt rein gar nichts", und die Behauptung, die Wirtschaftskammer würde Gelder aus der Gefak für Lobbying oder Wahlkampf einsetzen, sei eine "geradezu geschäftsschädigende Unterstellung" und "vollständig aus der Luft gegriffen".

Schneider vermutet zudem, dass bei der BaZ der Fisch vom Kopf her stinkt. Wörtlich sagt er: "Entweder versagen bei der BaZ sämtliche Qualitätskontrollen, – dann ist es ein Führungsproblem – oder es steckt pure Absicht dahinter.“ Und weiter: Bei der BaZ zeige sich in letzter Zeit "fehlendes Qualitätsbewusstsein in der Führung und Unvermögen einzelner Mitarbeitender."

An anderer Stelle wird BaZ-Miteigentümer, Verlagsleiter und Chefredaktor Markus Somm auch direkt angesprochen: "In der 'Basler Zeitung' (BaZ) unter Chefredaktor Markus Somm etwa sollen die Journalisten 'das System aushebeln' und 'Artikel schreiben, die schmerzen'. Diese Parolen bekommen die Medienschaffenden an den Redaktionssitzungen am Aeschenplatz immer wieder zu hören. Der Druck ist für manche so gross, dass sie alles tun, um einen vermeintlichen Skandal aufzudecken. Sie zitieren falsch oder unvollständig und stellen Fakten fehlerhaft dar. (...) Der Druck auf die Redaktion muss in der BaZ gross sein, irgendwelche Sensationen zu liefern."

"Kein Kommentar" und uneinsichtig

HORIZONT Swiss wollte von Somm wissen, was er zu den Vorwürfen sagt und ob die BaZ, die kürzlich ihren Anwalt Martin Wagner verloren hat, mit juristischen Mitteln auf das "Standpunkt"-Sperrfeuer reagiert. Doch der sonst so wortreich argumentierende Chefredaktor, der am letzten Freitagabend auch in der SRF-"Arena" in anderer Sache aufgetreten war, beschied lediglich: "Kein Kommentar.“

Unterdessen hat die BaZ nun doch eine erste offizielle Reaktion gezeigt: Sie publizierte am gestrigen 13. Februar einen Artikel mit dem Titel „Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser schlägt zurück".
Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser schlägt zurück
© Baz, 13.2.2018
Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser schlägt zurück
Darin berichtet sie von den dreiseitigen Vorwürfen zu den „angeblich falschen BaZ-Recherchen“, bestreitet aber, dass die kritisierte Lobbying-Aussage je so in der BaZ stand.

Es ist nicht anzunehmen, dass damit das letzte Wort gesprochen ist. Einen Kommentar zum aktuellen Streit der Beiden finden Sie hierknö

 

 




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