"Hallo SRF"

Schlechte Noten für die Werbung / Verleger passten / Schwacher Gilli

Geschicktes Vorgehen: Olivier Kesser hatte am Ende noch 40 Sekunden Zeit, seine Meinung über die SRG zu äussern und ungestört die Anliegen seiner "No Billig"-initiative auszubreiten.
Screenshot srf.
Geschicktes Vorgehen: Olivier Kesser hatte am Ende noch 40 Sekunden Zeit, seine Meinung über die SRG zu äussern und ungestört die Anliegen seiner "No Billig"-initiative auszubreiten.
Rund 300 Zuschauer sassen im Studio und konnten ihre Fragen an SRF-Direktor Ruedi Matter richten. Fragen zu Verspätungen, Sport, Ausgeglichenheit der Berichterstattung und insbesondere zu Werbung wurden gestellt und von Matter spontan beantwortet.
Natürlich gab es auch diesmal wieder Fragen zu – sagen wir – Belanglosigkeiten: "10 vor 10", das häufig zu spät beginnt, Ko-Moderatoren im Sport, die inhaltlich nichts bringen oder gar stören, Musik, die jemandem nicht gefällt...Dinge also, die oft mit Geschmack zu tun haben und über die sich endlos diskutieren lässt.

Insgesamt aber hat die Sendung mit den eingespielten Sketchs und vor allem mit den beiden SRG-Kritikern, dem TeleZüri-Talker Markus Gilli und dem "No-Billag"-Mitinitianten Olivier Kessler, an Substanz und Spannung gewonnen. Wobei Kessler wesentlich geschickter agierte als Gilli.

Gilli nutzte seine drei Minuten Redezeit nicht zu kurzen, klaren Fragen an Ruedi Matter, sondern hielt lange Reden mit verschachtelten Sätzen, schwachen Argumenten und komplizierten Wörtern – und brachte Matter nie ins Schwitzen. Matter hatte am Ende sogar noch mehr als eine Minute Redezeit übrig, die er bereitwillig dem redseligen Gilli verschenkt hätte, wenn dies die Regeln zugelassen hätten. Damit punktete er.

Kessler war wesentlich besser als Gilli: Zwar stellte er ebenfalls eine Startfrage, die 1 Minute und 20 Sekunden lang war, fragte danach aber wesentlich präziser, hakte nach und hatte am Ende noch 40 Sekunden Zeit, sich über die SRG auszulassen, ohne dass Matter, der seine Redezeit aufgebraucht hatte, noch etwas sagen durfte. Matter agierte allerdings ebenfalls geschickt: Zweimal stellte er Kessler eine Gegenfrage, was diesen ebenfalls zum Antworten zwang. Wobei Kessler sich jeweils kurz fasste. Er gelang ihm denn auch, gleich wieder auf seine Fragen zurück zu kommen.

Im übrigen gab Projer bekannt, dass auch die Verleger – sie gehören zu den schärfsten Kritikern der SRG – in die Sendung eingeladen waren, dass dazu aber keiner bereit war.

Immer wieder Kritik an der Werbung

Während der Sendung konnten auch Fragen via Telefon, SMS oder Social Media gestellt werden. Moderatorinnen und Moderatoren, aber auch alle Mitglieder der Geschäftsleitung, waren vor Ort und gaben Antworten. Ein zentraler Punkt der Kritik betraf die Werbung: Eine Frau "ärgert sich tagtäglich über die schräge, stupide und zu lange Werbung" und erhielt breite Zustimmung aus dem Publikum. Jemand schrieb ins Studio: "Verschont uns mit den Fischer-Bettwaren." Andere beklagten sich über zu viel Unterbrecherwerbung. Kurzum: Die Werbung insgesamt kam schlecht weg. Vor allem inhaltlich. Wenn man schon Gebühren bezahle, sollte die SRG einen wenigstens mit Werbung verschonen, war denn auch ein Argument, das da und dort zu hören war.

Matter, der gemäss SRG die Fragen zuvor nicht kannte, legte dar, dass die SRG dank Werbung jährlich rund 300 Millionen Franken einnehme, was ihr ermögliche, zusätzliches Geld ins Programm zu stecken. Im übrigen, so Matter, sei die SRG für den Inhalt der Werbung nicht zuständig. Und zur Unterbrechungwerbung hielt der Direktor fest, die SRG benötige attraktive Werbeplätze, wobei diese Werbeform ja erst ab Sendungen ab 90 Minuten Dauer zum Zug käme. knö



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