Goldbach Group

Die Vermarkterin präsentiert sich als strahlende Braut für die Hochzeit mit Tamedia

Bei der Goldbach Group ist man stolz über die guten Noten für die eigene Vermarktungstochter.
Markus Knöpfli, Knöpfli
Bei der Goldbach Group ist man stolz über die guten Noten für die eigene Vermarktungstochter.
Ein leicht höherer Nettoerlös, ein um 30 Prozent erhöhter EBIT, ein ähnlich gesteigerter Gewinn und um 95 Prozent mehr Geld für die Gruppenaktionäre – das sind die (ungeprüften) Zahlen, die die Goldbach Group für die ersten neun Monate 2017 präsentiert. Der ungewöhnliche Neunmonate-Abschluss war nötig wegen dem heute publizierten Übernahmeangebot von Tamedia.
Durch das heute publizierte Übernahmeangebot der Tamedia ist die Goldbach Group verpflichtet, einen aktuellen Zwischenabschluss zu veröffentlichen, welcher bei Ablauf der Angebotsfrist nicht mehr als sechs Monate zurückliegt. Der aus diesem Grund erstellte Neun-Monats-Zwischenabschuss 2017 ist hier verfügbar.

Demnach konnte Goldbach ihren Nettoerlös in der gesamten DACH-Region in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 gegenüber derselben Vorjahresperiode um 1,9 Prozent auf 343.1 Millionen Franken steigern, der Betriebsgewinn (EBIT) wuchs sogar um 30,4 Prozent auf 19.5 Millionen Franken an, dass Ergebnis erhöhte sich ähnlich stark um 28.3 Prozent auf 14.7 Millionen Franken, und der Anteil der Gruppenaktionäre verdoppelte sich fast auf 5,7 Millionen Franken. Allerdings steigerte sich auch der Anteil der Minderheitsaktionäre RTL und SevenOne Media, wenn auch nur um 5.3 Prozent auf knapp 9 Millionen Franken. RTL und SevenOne Media, die an den umsatz- und gewinnstarken Goldbach-Töchtern Goldbach Media, Swiss Radio World (und neuerdings auch an Goldbach Audience) zu je einem knappen Viertel beteiligt sind, profitieren somit auch in den ersten neun Monaten 2017 deutlich stärker vom Goldbach-Business als die heutigen Gruppen-Aktionäre (und wohl auch mehr als künftig Tamedia).

Das Deutschland-Geschäft war bis September noch rot

Betrachtet man die Entwicklung in den ersten neun Monaten 2017 nach Ländern, so geben die Zahlen folgende Informationen preis: Ad Sales Schweiz steigerte sich auf hohem Niveau um nur 0,9 Prozent auf 305 Millionen Nettoumsatz, während Ad Sales Deutschland einen starken Sprung um 56,2 Prozent auf 8,3 Millionen Franken machen und sich auch Ad Sales Österreich um 10 Prozent auf 9.3 Millionen verbessern konnte. Gesamthaft machte Ad Sales damit ein Plus von 1,9 Prozent. Der kürzlich neu aufgestellte Bereich Marketing Services erwirtschaftete einen Mehrumsatz von 5,6 Prozent (neu 23.3 Millionen Franken).
Goldbach-Verwaltungsrat findet das Tamedia-Angebot nun doch für "angemessen"
Tamedia bietet für die Goldbach-Übernahme bekanntlich netto 35.50 Franken je Namensaktie. In einer Mitteilung des Goldbach-Verwaltungsrates heisst es nun, dass er "nach eingehender Prüfung des Angebots und unter Berücksichtigung des unabhängigen Bewertungsgutachtens (Fairness Opinion) von der Oaklins Binder AG" zum Schluss gekommen sei, dass der Angebotspreis "aus finanzieller Sicht fair und angemessen ist". Er empfiehl deshalb den Goldbach-Aktionären, das Angebot von Tamedia anzunehmen.

An der Pressekonferenz vom 22. Dezember 2017, als die Übernahme kommuniziert wurde, hat dies noch leicht anders getönt. Goldbach-Verwaltungsratspräsident Jens Alder bezeichnete den Preis damals ausdrücklich als "nicht brilliant, nicht berauschend, aber vertretbar". Differenzen zwischen Goldbach und Tamedia, so liess Alder damals durchblicken, gab es unter anderem bei der Bewertung des Geschäftes in Deutschland. Tamedia-CEO Christoph Tonini sprach von "Start-up-Charakter" und von "einer Chance", die schwierig zu bewerten sei, weil sie gelingen oder misslingen könne. Alder und Goldbach-CEO Michi Frank betonten dagegen, dass Goldbach Germany im ganzen 2017 bereits schwarze Zahlen schreibe.
Trotz dieser an sich positiven Entwicklung sind noch nicht alle Teile gewinnbringend, immerhin aber auf gutem Weg. So schrieb Ad Sales Deutschland in den ersten neun Monaten 2017 auf Ebene Betriebsgewinn (EBITDA) noch einen Verlust von gut 200.000 Franken, in derselben Vorjahresperiode waren es allerdings 1,6 Millionen Franken. Im Dezember liess Goldbach verlauten, dass das Deutschland-Geschäft übers ganze Jahr gesehen scharze Zahlen schreibt (siehe Kasten). Ad Sales Österreich hievte sich aus dem letztjährigen Minus und schreibt jetzt mit 10.000 Franken und schwarz, ähnlich Marketing Services, das vor einem Jahr noch 1,6 Millionen Franken Verlust auswies und jetzt mit einem sanften Plus von 7000 Franken eben raus kommt.
Die Zahlen beziehen sich jeweils nur auf die ersten neun Monate 2017 und 2016.
Die Zahlen beziehen sich jeweils nur auf die ersten neun Monate 2017 und 2016. (© zvg.)
Goldbach deutet jedoch an, dass die Zahlen insgesamt und für das ganze Jahr 2017 nicht nur höher, sondern auch noch besser ausfallen dürften. "
Die unterjährige Entwicklung der Umsatzerlöse der Gruppe unterliegt erfahrungsgemäss saisonalen Schwankungen", heisst es im Zwischenbericht. "In der Regel ist das zweite Halbjahr umsatzstärker als das erste. Das vierte Quartal ist das umsatzstärkste, was auf die Festtage im Dezember zurückzuführen ist. Da die Aufwendungen teilweise nicht umsatzabhängig sind und Vermarktungsverträge teilweise Kommissionssteigerungen bei Erreichen bestimmter Mindestumsätze vorsehen, fallen auch Betriebsgewinn und Periodengewinn im ersten Halbjahr tiefer aus als im Gesamtjahr."

Wie aus dem Zwischenbericht weiter zu erfahren ist, bezahlte RTL für die im April 2017 erfolgte 24.95 Prozent-Beteiligung an Goldbach Audience 0.9 Millione Franken. Ähnlich viel dürfte auch Ende Jahr noch dazu gekommen sein, als SevenOne Media sich ebenso stark bei der Goldbach-Tochter einkaufte.

Die Publikation des Gesamt-Jahresabschlusses 2017 der Goldbach Group ist übrigens auf den 6. März 2018 angesetzt. knö


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