Goldbach-CEO Michi Frank

„TV lebt. Und bleibt attraktiv“

Michi-Frank, CEO Goldbach Group
Goldbach Group
Michi-Frank, CEO Goldbach Group
TV-Markt, Digitalvermarktung, Reichweitenforschung – der Schweizer Markt ist in vielen Bereichen speziell und aktuell stark in Bewegung. Goldbach-Media-CEO Michi Frank wehrt sich gegen den Abgesang auf das lineare TV, ohne digitale Werbeformen und die medienpolitische Debatte aus dem Blick zu verlieren – und die Rolle, die Goldbach als Vermarkter dabei spielen soll.

Herr Frank, Sie vermarkten TV-Sender und Online-Plattformen. Die einen setzen auf große Reichweiten, die anderen auf spitze Zielgruppen. Wer gewinnt die Zukunft? Ich sehe nicht, dass TV und Online in Konkurrenz zueinander stehen. Sie ergänzen sich. Mit TV kann man sehr schnell und effizient eine große Reichweite aufbauen, im digitalen Bereich können wir Zielgruppen viel spitzer erreichen. Die Kombination macht es spannend: Wir haben zum Beispiel den Goldbach SynchScreen im Angebot. Fernsehwerbung wird dabei zeitlich begleitet mit einer Mobile-Erweiterung mit Real Time Advertising. Also: TV und Online sind kein Entweder-oder. Es geht darum, die Vorzüge von TV mit anderen Kanälen zu kombinieren.


Das lineare TV wird schon lange totgesagt und ist doch quicklebendig: Wie lange hält der Boom? Ja, das klassische Fernsehen wurde schon oft totgesagt. Aber gerade in der Schweiz entwickelt sich das Angebot an Sendern und damit die Attraktivität von TV immer weiter. Natürlich stellen wir auch eine Zunahme von zeitversetztem TV und Streaming fest und wir müssen neue Möglichkeiten für die Werbung entwickeln. All dies führt dazu, dass lineares TV auf absehbare Zeit Basis des Geschäfts und attraktives Werbeumfeld bleibt.

Beim zeitversetzten Fernsehen können die Zuschauer die Werbung überspringen. Das ist nur in der Schweiz möglich. Unsere TV-Verbreiter Swisscom und UPC bedrohen damit das Geschäft der Sender. Zur Zeit setzen sich viele Sender dafür ein, dies einzuschränken und wie in Deutschland einen besseren Signalschutz für die Sender zu schaffen.

Das große Versprechen der Onlinewerbung lautet, dem Konsumenten die richtige Botschaft zur richtigen Zeit auf dem richtigen Kanal zu schicken. Ist das Realität? Zukunftsmusik? lllusion? Grundsätzlich funktioniert dieses Versprechen und ist bereits Realität. Die Technologie des Targeting ist gut, aber noch nicht perfekt. Die Entwicklung geht weiter, und wir werden die Konsumenten immer zielgenauer erreichen. Das Versprechen kann man also einlösen, das ist keine Illusion. Ich halte es in diesem Zusammenhang für wichtig, dass man die klassischen und die digitalen Werbeformen und deren Messungen zusammenbringt. Wir unterstützen ausdrücklich das Forschungsprojekt „Konvergente Währung“, das die unterschiedlichen Forschungsansätze zusammenbringen soll, und arbeiten an Lösungen, auch andere Medien wie TV und DOoH dieselben Möglichkeiten zu bieten.

Digitale Werbung ist gleich Google und Facebook. Der Rest ist eine Restgröße. Stimmt das? Dies trifft sicherlich im amerikanischen Markt zu, aber nicht im heterogenen Markt der Schweiz. Google und Facebook verfügen über die Profildaten der meisten Menschen, das bringt sie in eine starke Position. Deshalb setzen wir uns für den Swiss Media Data Hub ein.

...das Joint Venture von WEMF und Mediapulse. Dabei geht es um Forschungsthemen. … Forschung, die über alle elektronischen Medien hinweg zu einer konvergenten Währung führt und Möglichkeiten für Marktlösungen für adressierbare Werbung auftut.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Schweizer Werbemarktes 2016? Wir haben einen weiterhin leicht rückläufigen Gesamtmarkt mit knapp einem Prozent Minus. Allerdings liegt das statistische Minus wohl auch daran, dass wir den Online-Werbemarkt nur unzureichend erfassen.

Haben die großen Sportereignisse dieses Jahres, Fußball-EM und Olympia, einen positiven Einfluss auf das Geschäft gehabt? Der TV-Markt ist trotz EM und Olympischer Spiele nicht gewachsen. Die privaten Werbefenster konnten zwar erneut zulegen. Aber der Markt leidet unter der schwächelnden SRG.

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Die Sportereignisse laufen in den öffentlich-rechtlichen SRG-Sendern. Was heißt das für die Privaten? Die Live-Nutzung am TV oder im Livestream nimmt bei großen Sportanlässen stets zu. Der Umsatz der öffentlich-rechtlichen Sender konnte jedoch nicht stark in die Höhe getrieben werden. Das hat im Fall Olympia sicher auch mit der Zeitverschiebung zwischen Brasilien und der Schweiz zu tun. Was uns bei Goldbach angeht: Wir freuen uns, unsere Kompetenz im Sportbereich künftig ausbauen zu können – dank der Vermarktung von Eurosport, Sport 1 und Teleclub. Darüber hinaus zeigen wir mit Live-Ausstrahlungen von EURO-2016-Spielen auf Sat 1 und der WM-Qualifikation, die auch RTL für die deutsche Mannschaft und TV24 für die Schweizer Nationalmannschaft überträgt, dass die kommenden Großereignisse nicht mehr Monopol der öffentlich-rechtlichen Sender sind.

Sie haben Admeira, die Werbeallianz aus SRG, Swisscom und Ringier, politisch und juristisch bekämpft. Jetzt gibt es sie. Sind die Auswirkungen auf dem Markt spürbar? Seit der Gründung von Admeira hat sich für die Kunden und Agenturen noch nicht viel getan. Kunden werden nicht mit weniger Ansprechpersonen konfrontiert, es gehen weiterhin die vertrauten Gesichter aus den einzelnen Häusern raus. Die PR-technisch hoch gehangenen neuen Werbeformen und kreativen Ansätze sind bisher schwach nachgefragte Pilotprojekte mit wenig Relevanz im Markt.

Ist die politische Debatte beendet? Nein. Nun wird es darum gehen, inwiefern die Politik der SRG weitere Werbemöglichkeiten zubilligt, zum Beispiel adressierbare Werbung, und wie diese in den Markt gegeben werden. Da sind wir wieder beim Daten-Thema. Wir fordern Marktlösungen über alle Medien und Plattformen. Es braucht keine Silos nur für die Medien des Admeira-Portfolios und für die Daten der Swisscom.

Wird es ein gemeinsames Gattungsmarketing über die Wettbewerbsgrenzen hinaus noch geben? Gemeinsame Events wie Screen Up oder den Screenforce Day sollten wir im Sinne des Mediums weiterführen. Also dort, wo Zusammenarbeit sinnvoll ist, können wir zusammenarbeiten. Aber vor allem sind wir Wettbewerber. Mit Admeira ist ein öffentlich-rechtlich finanzierter Scheinriese entstanden. Wir werden unsere Positionierung gegenüber dem Joint Venture schärfen und unsere Kompetenz als Saleshouse und unabhängiger Partner unterstreichen. uv



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