Forschung

Personalrochade zwischen SRG und Mediapulse bringt etwas Licht in die Turbulenzen bei der Forschungsstiftung

Personalrochade bei SRG und Mediapulse: Caroline Kellerhals (links) verlässt Mediapulse und wird Forschungsleiterin bei der SRG, Tanja Hackenbruch gibt ihren Job als SRG-Forschungsleiterin auf und wird CEO von Mediapulse.
Personalrochade bei SRG und Mediapulse: Caroline Kellerhals (links) verlässt Mediapulse und wird Forschungsleiterin bei der SRG, Tanja Hackenbruch gibt ihren Job als SRG-Forschungsleiterin auf und wird CEO von Mediapulse.
Der CEO- und Forschungsleiterwechsel bei Mediapulse warf viele Fragen auf, die bis heute nicht geklärt sind. Mit der Ernennung von Caroline Kellerhals zur neuen Leiterin Markt- und Publikumsforschung der SRG werden aber ein paar Dinge etwas klarer.

Man erinnert sich: Am 2. Februar 2017 wurde Mediapulse-CEO Franz Bürgi Knall auf Fall und ohne richtige Begründung vom Mediapulse-Verwaltungsrat (VR) abgesetzt, als neuer CEO wurde SRG-Forschungsleiterin Tanja Hackenbruch ernannt, und neuer Mediapulse-Forschungsleiter wurde Mirko Marr, bisher Forschungsleiter bei der Goldbach Group.

Der Posten des Mediapulse-Forschungsleiters war zuvor frei geworden, weil Caroline Kellerhals, die diese Aufgabe seit 2012 ausübte, schon im September 2016 angekündigt hatte, die Forschungsstiftung verlassen zu wollen. Die offizielle Begründung laut Communiqué vom 13.9.2016: "Caroline Kellerhals verlässt das Unternehmen aufgrund unterschiedlicher Auffassungen bei der Priorisierung der strategischen Projekte der Mediapulse AG."

In welchen Bereichen Kellerhals anderer Meinung war als CEO Franz Bürgi und/oder Stiftungs- und Verwaltungsrätin Franziska von Weissenfluh, muss hier offen bleiben. Die Tatsache aber, dass Kellerhals nun Forschungsleiterin bei der SRG wird, deutet darauf hin, dass Kellerhals und SRG hinsichtlich dieser zentralen strategischen Fragen bei Mediapulse ähnliche Standpunkte einnehmen. Doch was sagen Kellerhals und SRG – decken sich ihre Ansichten punkto Mediapulse? Kellerhals war gestern für HORIZONT Swiss nicht erreichbar. Und SRG-Sprecher Simon Denoth beantwortete die Frage so: "
Die Leiterin der Markt- und Publikumsforschung bei der SRG, Frau Hackenbruch, hat beschlossen, als CEO zur Mediapulse zu wechseln. Frau Kellerhals war als ausgewiesene und angesehene Fachfrau eine starke Kandidatin für die Nachfolge bei der SRG. Bei einer Anstellung kommt es einzig auf die Persönlichkeit und die Fähigkeiten an – auf nichts anderes."

Offenbar heckten Hackenbruch und Marr den Coup bei Mediapulse aus

Wirklich – kommt es auf nichts anderes an? Es ist doch kaum anzunehmen, dass die SRG eine Forschungsleiterin einstellt, die punkto Mediapulse eine diametral andere Meining vertritt als die SRG selbst.

Interessant an der Antwort ist aber auch die Aussage: "Frau Hackenbruch hat beschlossen, als CEO zur Mediapulse zu wechseln." Ohne allzu viel in diesen Satz hinein interpretieren zu wollen – deutlich wird dennoch, dass der SRG-Sprecher damit die in der Branche kursierende These stützt, wonach Hackenbruch zusammen mit Marr den Plan zur doppelten Neubesetzung entwickelt hatte und einen Teil des Mediapulse-VRs von diesem Ansinnen überzeugen konnte. Demnach waren die beiden die treibende Kraft hinter dem Coup, weniger der Verwaltungsrat. Aber klar brauchte es die Unterstützung desselben. Diese fiel allerdings recht knapp aus. HORIZONT Swiss weiss jedenfalls aus sicherer Quelle: Nur gerade die Vertreter von SRG und Goldbach sowie ihrer Assoziierten Admeira und TeleSuisse stimmten für Bürgis Absetzung und die Doppelbesetzung Hackenbruch/Marr, zwei lehnten den Plan ab, zwei enthielten sich.
Mirko Marr startet am 1. März als Forschungsleiter der Mediapulse.
Mirko Marr startet am 1. März als Forschungsleiter der Mediapulse.
Doch warum hat die SRG diesem Plan überhaupt zugestimmt, obwohl klar war, dass dies dem Ruf von Mediapulse schadet und auch jenem der SRG abträglich ist? Immerhin wird damit die Unabhängigkeit der Mediapulse infrage gestellt, und mehr noch: Es wird der Eindruck erweckt, dass die beiden Mediapulse-Grosskunden SRG und Goldbach stärker auf die Forschung Einfluss nehmen wollen. Bei dieser Frage weicht SRG-Sprecher Denoth zwar aus: "Frau Hackenbruch, die bei der SRG hervorragende Arbeit leistet, nimmt jetzt ihre Chance wahr, CEO zu werden – der eigenständige Entscheid einer eigenständigen Persönlichkeit", schreibt er. Das ist zwar keine Antwort auf die gestellte Frage, doch siehe da, erneut stärkt Denoth die These, wonach Hackenbruch/Marr die Initianten des Coups waren.

Hackenbruch startet am 1. April als CEO

Eine weitere offene Frage war, wann die SRG Hackenbruch zur Mediapulse gehen lässt, im Communiqué vom 2.2.17 hiess es, der Termin sei "noch mit der SRG zu vereinbaren". Nun ist aber klar: Hackenbruch dürfte ab 1. April 2017 den CEO-Posten bei Mediapulse antreten, da Kellerhals ab diesem Datum ihre Stelle als SRG-Forschungsleiterin antritt. Denoth bestätigt: "In der Tat wird Frau Hackenbruch vom 1. April an nicht mehr für die SRG arbeiten." (Marr startet bekanntlich schon am 1. März bei Mediapulse.)

Anzunehmen ist ferner, dass Caroline Kellerhals als neue SRG-Forschungsleiterin wieder bei Mediapulse mitreden wird – sicherlich in der Forschungskommission und wohl auch im Stiftungsrat (wie bisher Hackenbruch). SRG-Sprecher Denoth antwortet hier sibyllinisch: "Das UVEK beruft die Mitglieder des Mediapulse-Stiftungsrats, und der Mediapulse-Verwaltungsrat beruft die Mitglieder der Forschungskommission."

Im übrigen bricht Denoth einen Stab über Tanja Hackenbruch und deren Unabhängigkeit als Forscherin: "Frau Hackenbruch wird in der Branche und selbst bei der Konkurrenz auch deshalb respektiert, weil sie über den Dingen zu stehen weiss. Vom 1. April an wird sie nicht mehr die Interessen der SRG vertreten." Er versucht damit auch die These vom Tisch zu wischen, wonach die SRG via Hackenbruch und nun auch über die intime Mediapulse-Kennerin Kellerhals bei der Forschunsgstiftung mehr Einfluss nehmen könnte oder wollte als bisher. knö

 

 

  




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