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Qualität der Onlinemedien steigt

Jahrbuch "Qualität der Medien"
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Jahrbuch "Qualität der Medien"
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Professionelle Medien werden in der Schweiz immer wichtiger, doch junge Leute informieren sich zunehmends über Social Media. Und für alle zusammen gilt Digital first als oberste Maxime, das stellt das Jahrbuch "Qualität der Medien" fest. Die Macher, das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög), haben auch einen erfreulichen Befund: Die Qualität der Onlinemedien steigt.



Jährlich analysiert und dokumentiert das Jahrbuch die wichtigsten Ereignisse und Entwicklungen im Schweizer Medienwesen und liefert Analysen zur Nutzung, Finanzierung und Berichterstattungsqualität der reichweitenstärksten Informationsmedien aus den drei grossen Landesteilen. Die Forscher werteten insgesamt 28.214 Beiträge aus 79 Schweizer Medien aus, auf der Basis eines selber entwickelten Qualitätsscorings. Die Haupterkenntnisse:

Der Schweizer Markt für digitale News ist hoch konzentriert. In der Deutschschweiz kontrollieren die drei Medienhäuser Tamedia AG, Ringier AG und die SRG SSR bereits 71% des Online-Lesermarktes. In der Westschweiz und in der italienischen Schweiz verfügen die jeweils grössten Drei über einen Marktanteil von gar 88%.

Alternative Medien profitieren von Facebook & Co

Im Schatten dieser marktdominierenden Newssites entstand zwar eine Reihe neuer digitaler Angebote mit Informationsanspruch. Deren Reichweite bleibt aber gering und nur wenige Anbieter weisen ein qualitätsorientiertes Profil auf. Beispiele dafür sind infosperber.ch, tsri.ch oder zentralplus.ch. Neue alternative Medien wie uncut-news.ch, alles-schallundrauch.blogspot.ch oder legitim.ch richten sich hingegen direkt gegen einen angeblichen "Mainstream" in Gesellschaft und Medien und halten nur bedingt journalistische Qualitätsregeln ein. Die Nutzung dieser Websites ist in der Schweiz noch beschränkt. Durch die Nutzung von Plattformen wie Youtube und Facebook gelingt es den alternativen Medien jedoch fallweise, sich mit einzelnen Beiträgen breit Gehör zu verschaffen.

Digital first

Der digitale Strukturwandel zeigt sich auch darin, dass der Medienkonsum in der Schweiz immer mehr auf digitalen Kanälen stattfindet. 41 Prozent der Bevölkerung informieren sich hauptsächlich über Newssites oder Social Media. 40 Prozent der 18 bis 24-Jährigen steuert für den Newskonsum hauptsächlich Social-Media-Plattformen oder Suchmaschinen an und verzichtet auf den direkten Zugriffsweg über die Newssite. So verbinden Nutzer konsumierte News immer mehr mit den Plattformen von Facbook und Co anstatt mit den tatsächlichen Produzenten der Inhalte. Diese Entwicklung führt erstens zu einer Schwächung der etablierten Medienmarken. Zweitens fliesst der Grossteil der Werbeerträge zu den globalen Tech-Intermediären und schwächt damit zusätzlich die ohnehin schon prekäre Finanzierungsbasis der Schweizer Informationsmedien.

Qualität professioneller, journalistischer Newssites steigt

Nichts desto trotz, die Qualität insgesamt steigt. Die professionellen Schweizer Informationsmedien haben hier erwartungsgemäß die Nase vorn. Vor allem die Qualität der professionellen Onlinenewssites, die lange Zeit schlechter waren als ihre Pendants aus Presse und im Rundfunk, ist merklich gestiegen. Diese Entwicklung sei insofern bemerkenswert, als die Medien in den letzten Jahren Ressourcen abgebaut hätten, schreiben die Forscher. Aufgrund wegbrechender Werbeeinnahmen wurden Stellen abgebaut. Zwar erzielen in der Summe in der Schweizer Medienarena nach wie vor Angebote mit geringer Qualität die grösste Reichweite. Doch auch mit guter Medienqualität lässt sich ein Massenpublikum erreichen. Beispiele für Medien, die gute Qualität mit Reichweite verbinden, sind neben Informationssendungen des öffentlichen Rundfunks unter anderem die Sonntagstitel Il Caffè, Le Matin Dimanche und die NZZ am Sonntag oder die Abonnementstitel Corriere del Ticino, 24 heures und der Tages-Anzeiger.

Facebook als Qualitätskiller

Deutlich Qualitätsmindernd wirken sich demnach die Facebookseiten der Angebote aus. Lediglich bei der NZZ ist die Qualität des Facebook-Angebots höher als jenes auf der Newssite. 66 Prozent der Artikel wurden als qualitativ hochwertig eingestuft, und mit diesen generierte die NZZ 74 Prozent der Reaktionen.Die übrigen 13 untersuchten Informationsanbieter kreieren ein Facebook-Angebot, das in der Regel qualitativ niedriger ist als jenes auf der korrespondierenden Newssite.





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