Verlegerpräsident Pietro Supino

„SRG soll sich auf Radio und TV konzentrieren”

Verlegerpräsident Pietro Supino formuliert Kritik und Forderungen an die Adressen von Post und SRG
Verlegerpräsident Pietro Supino formuliert Kritik und Forderungen an die Adressen von Post und SRG
Mit grosser Spannung war die erste Ansprache des neuen Verlegerpräsidenten Pietro Supino erwartet worden. Doch diese fiel unaufgeregt aus. Kritik und Forderungen an die Adressen von Post und SRG fehlten allerdings nicht.

Supino blieb nur kurz beim abgelaufenen Jahr stehen. 2016 sei ein „grauenhaftes Werbejahr“ gewesen, sagte er, ohne weiter darauf einzugehen. Dann schwenkte er zum Begriff „postfaktisch“ über, der von der Gesellschaft für deutsche Sprache als „Wort des Jahres 2016“ gekürt worden war. Dieses Wort bringe zum Ausdruck, dass bei der Nutzung von Informationen zunehmend Emotionen statt Fakten zählen, sagte Supino, der dieser Entwicklung die journalistische Qualität entgegen hielt, die sich um Fehlerfreiheit, Wahrheit, Transparenz und Fairness bemühe.

Dieses Bemühen sei denn auch der Grund, weshalb er gerne auch in der Medienbranche einige “postfaktische Evergreens” ausmerzen würde: Eines der Wichtigsten sei die Behauptung der Post, die Zustellung der Presse sei für sie ein Verlustgeschäft. Das sei falsch, so Supino vor knapp 300 Verlegern und Branchenvertretern. “Tatsächlich hätte die Post grosse wirtschaftliche Schwierigkeiten, wenn die Zustellung von Zeitungen und Zeitschriften entfallen würde und sie die Finanzierung ihres Grundversorgungsauftrags nicht mehr einfach auf die Verleger und letztlich auf die politisch interessierten Bürgerinnen und Bürger abwälzen könnte”, sagte Supino.

Ein zweites “postfaktisches Evergreen”, so der VSM-Präsident weiter, sei die Behauptung der SRG, sie müsse zur Erfüllung ihres Auftrags in neue Medien expandieren. Hier wurde Supino scharf: “Wer behauptet, ihre verfassungsrechtliche Grundlage aus dem Jahr 1984 würde einen Ausbau des öffentlich-rechtlichen Onlineangebots vorsehen, sollte nicht auch behaupten, die demokratische Meinungsbildung sei ihm ein Anliegen.” Daran konnte damals wirklich niemand gedacht haben, meinte er.  Supino sprach damit eine Aussage von SRG-Generaldirektor Roger De Weck an der Service-public-Konferenz vom letzten September an. De Weck, der während Supinos gestriger Rede unter den Zuhörern sass, vertrat damals allerdings die Meinung, dass Verfassung, RTVG und SRG-Konzession es der SRG ermöglichen, auch im Onlineberech aktiv zu werden. Von einer Verpflichtung war nicht die Rede.

Ausgehend von diesen “postfaktische Evergreens” leitete Supino dann auch zwei Forderungen an Post und SRG ab: Die Post solle Zeitungen bis spätestens zur Mittagszeit zustellen und endlich eine transparente Grenzkostenrechnung für Zeitungen und Zeitschriften führen. Zudem setze er sich dafür ein, “dass sich die SRG auf ihren Auftrag als Radio und TV-Anbieter konzentriert und die  Kommerzialisierung ihres Angebots beschränkt.”

An der Dreikönigstagung hatte auch Kurt Zimmermann, Chefredaktor des “Schweizer Journalist”, einen kurzen Auftritt: Er kürte Tamedia-CEO Christoph Tonini zum “Medienmanager des Jahres 2016”, nicht zuletzt mit Blick auf den Gewinn von 334 Millionen Franken, den Tamedia für 2015 ausweisen konnte. Das sei mehr als alle anderen Schweizer Medienunternehmen zusammen hatten ausweisen können, sagte Zimmermann. Tonini bedankte sich, betonte aber, dass er den Preis für Tamedia und nicht für sich selbst entgegen nehme. Und er wies darauf hin, dass der Tamedia-Gewinn für das Jahr 2016 “weitaus tiefer als 2015 ausfallen wird”. knö

 




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